Hans Meiser Talkshow-König wird 65

Hans Meiser (Foto)
So wurde er berühmt: Hans Meiser in seiner Talkshow. Bild: dpa

Von Petra Albers
Ob Verbrecher, Prostituierte oder Sozialhilfeempfänger - bei ihm waren sie alle. Hans Meiser gilt als Vater der täglichen Talkshow in Deutschland. Heute ist er nicht mehr zu sehen, kritisiert aber das Fernsehen. Dabei ist er an dessen Abstieg nicht ganz unschuldig.

In den 80er und 90er Jahren war er ständig auf dem Bildschirm präsent - erst als Nachrichtenmann, dann als Talkmaster, dem seine Gäste ihr Herz ausschütteten. Jeden Nachmittag erzählten bis dahin unbekannte Menschen ihm von persönlichen Schicksalen, Liebe oder Hass - und ließen Millionen von Zuschauern daran teilhaben. Etwas ganz Neues war das damals. Heute ist es in der Öffentlichkeit eher still geworden um Hans Meiser, den Vater des täglichen Talks. Am 20. August feiert er seinen 65. Geburtstag auf einem Schiff.

«Schiffe sind mein großes Hobby», sagt Meiser. Auf seinem Computer habe er ein Programm, mit dem man die Route jedes beliebigen Schiffes nachverfolgen könne, gesteht er schmunzelnd. «Wenn ich nicht eine Frau an meiner Seite hätte, würde ich auf einem Schiff wohnen.» Stattdessen lebt er in einem Haus in Hennef bei Bonn. Dort kann er im Wald mit seinem Hund spazieren gehen, und dort hat er auch sein Büro.

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Jetzt kommt sein Buch

«Ich produziere viel, zum Beispiel Industriefilme, und ich halte viele Vorträge», erläutert Meiser. Und er schreibe ein Buch, «über die Geschichte des Fernsehens - wie es hätte sein sollen und was daraus geworden ist». Denn da gibt es durchaus Diskrepanzen, wie er meint. «Ich bin längst nicht davon überzeugt, dass wir in Deutschland das beste Fernsehen der Welt haben.» Das US-amerikanische TV sei, gerade im journalistischen Bereich, in weiten Teilen besser. «Wir sind hier halt doch sehr parteipolitisch geprägt, zumindest zu Teilen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.» Und das Gewinnstreben bei privaten Sendern lasse «ehrliches Fernsehen» kaum noch zu.

Früher sei das anders gewesen. «Wir haben damals nicht Anzeigen geschaltet, ‹suche Frau mit elf Fingern› oder sowas.» Die Redakteure seiner Sendung hätten richtig recherchiert und seien auf der Suche nach guten Gästen und Geschichten quer durch die Welt gereist. «Das ist heute viel zu teuer», sagt Meiser bedauernd. «Also fasst man drei Geschichten zusammen in einer, erzählt die einem Menschen, brieft ihn und sagt: Du bist nachher die Frau, die von einem Mann drei Kinder mit drei verschiedenen Hautfarben bekommen hat, und erzählst uns dann, wie das zustandegekommen ist. Das ist für mich nicht mehr nachvollziehbar.»

Keine Fake-Gäste

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Rückblickend sei allerdings auch bei Hans Meiser nicht alles optimal gewesen: «Natürlich schäme ich mich für die ein oder andere Sendung, einige würde ich heute nicht mehr machen.» Aber: «Keiner meiner Gäste war gefaked.» Dafür fälschte Hans Meiser ab und zu mal ganze Shows - beispielsweise am 31. März 1999. Die komplett erfundene Show mit einem Drehbuch voller intimer Geheimnisse und viel Hass zwischen den Gästen (allesamt Schauspieler) sollte ein April-Scherz sein. Komisch nur, dass sie einen Tag vor dem ersten April ausgestrahlt wurde.

Im gleichen Jahr folgte eine zweite gescriptete Sendung - Anlass war hier der Muttertag. Medienjournalisten kritisierten allerdings, dass die Lügenshow erst nach der Sendung aufgelöst wurde, die Zuschauer wurden bewusst getäuscht. Produziert wurde die Sendung von Meisers  eigener Firma creatv, für die er vor zwei Jahren Insolvenz anmelden musste.

Er hätte Lust, eine Sendung wie Larry King in den USA zu produzieren, mit einem inhaltlich ganz breiten Spektrum von extrem links bis extrem rechts. Von Oliver Pochers Ehefrau bis zum Ex-Bundespräsidenten, der den Job hingeschmissen hat. Eigentlich sei es aber sein Traum, wieder Hörfunk zu machen.

Beim Hörfunk hatte Meiser seine Karriere begonnen, ehe er 1984 zum Fernsehen wechselte. Zunächst war er als «Anchorman» bei den RTL-Nachrichten zu sehen. 1992 übernahm er die Moderation der Sendung Notruf, bei der echte Notfälle und Rettungsaktionen nachgespielt wurden. Im selben Jahr startete er bei RTL mit seiner täglichen Nachmittags-Talkshow. Bis zur Einstellung dieser im Jahr 2001 hatte Meiser mit rund 14.000 Gästen geplaudert. Danach moderierte er noch einzelne Shows und Sendungen, zog sich aber im Wesentlichen aus dem Tagesgeschäft zurück.

sua/rut/news.de/dpa

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