«Hand in Hand» Zwei Frauen auf Messers Schneide

Hand in Hand (Foto)
Heike (Corinna Harfouch, links) und Mathilda (Margarita Breitkreiz) teilen ihr Leid miteinander. Bild: ZDF/Volker Roloff

Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter
Die eine hat einen bösartigen Tumor im Kopf, die andere kann nicht mehr Geige spielen. Zwei Frauen müssen im ZDF-Montagsfilm mit schweren Schicksalsschlägen umgehen und erkennen bald, dass ihnen das am besten Hand in Hand gelingt.

Sterben wird sie, so viel ist klar: Gefäßchirurgin Heike Laurens (Corinna Harfouch) hat einen bösartigen Tumor im Kopf und ist bereits sehr schwach. Kämpfen will sie aber bis zum Schluss: Tapfer spielt sie ihrer Umgebung Stärke und Tatkraft vor, arbeitet bis zum Umfallen und überspielt ihre Schmerzen - selbst ihren Mann hat Heike nicht eingeweiht.

Da kommt es ihr gerade recht, dass die eigensinnige Stargeigerin Mathilda Wahry (Margarita Breitkreiz) hysterisch in die Klinik stürmt: Ausgerechnet ihre Bogenhand streikt, sodass die weltberühmte Musikerin nicht mehr schmerzfrei Geige spielen kann. Selbst im Falle einer erfolgreichen Operation wäre Mathildas Karriere beendet, wie Ärztin Heike Laurens nach einem kurzem Blick auf die «musikalisch tote» Hand trocken diagnostiziert.

«Hand in Hand»
Geteiltes Leid ist halbes Leid
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Der Beginn einer Freundschaft

Doch ein Ende ist immer auch ein Anfang: Die beiden Frauen verstehen sich auf Anhieb - es ist der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, auf den die gelungene Dramatik von Hand in Hand aufbaut. Während Mathilda am Ende ihrer Karriere angelangt ist und von ihrem Mann verlassen wurde, hat Heike nicht mehr lange zu leben.

Trotz aller Unterschiede stehen beide Frauen damit vor entscheidenden Umbrüchen. Heike zeigt sich sofort bereit, Mathildas Hand zu behandeln. Um ihre ärztliche Reputation im Falle einer misslungenen OP macht sie sich keine Gedanken mehr, denn der Krebs in ihrem Kopf wächst immer schneller - das Ende naht.

Drehbuchautor Justus Pfaue hat Figuren geschaffen, die Grenzsituationen erfahren und sich deshalb auf ihre ganz spezielle Art durchs Leben bewegen. Es ist ein Leben, zu dem selbstverständlich auch der Tod gehört - nicht als Bedrohung, sondern als logisches Ziel einer langen Reise, frei von sentimentalen Aufwallungen.

Warum die beiden Frauen sofort Vertrauen zueinander haben und weshalb Heike alles stehen und liegen lässt, um mit der eben noch Wildfremden nach Lettland zu fahren, bleibt ein Geheimnis. Und das ist gut so. Denn obwohl die Hauptfiguren oft irrational handeln und die Handlung mit verblüffenden Brüchen aufwartet, verliert Hand in Hand nichts von der bittersüßen Melancholie, die sich durch den gesamten Film zieht. Vielmehr zehrt der Streifen von der ziellosen, manchmal verzweifelten Aufbruchstimmung der beiden Frauen.

Drehorte im entrückten Licht

Passend dazu wurden die Drehorte ausgewählt: Sowohl Dresden als auch das lettische Dorf wirken im herbstlichen Licht seltsam entrückt und reflektieren so die Verletzlichkeit der Protagonistinnen.

Corinna Harfouch und Margarita Breitkreiz laufen zu schauspielerischer Höchstform auf und verleihen dem ungleichen Duo den richtigen Schwung. Während Breitkreiz ihre Gefühle hinter einer kratzbürstigen Fassade versteckt, flüchtet sich die Reisegefährtin in Verdrängung und Zynismus. Erst in der Abgeschiedenheit der lettischen Landidylle, als Mathilda wieder zur Violine greift und Heike die Dorfbewohner medizinisch versorgt, tauen beide ein wenig auf. Mathildas Starallüren versanden und die sonst so starke Ärztin zeigt plötzlich kurze Momente stummer Verzweiflung.

Bestes Zitat: «Anständig arbeiten bis zum Schluss - und leidlich schmerzfrei.» (Heike Laurens)

Titel: Hand in Hand
Regie: Thomas Berger
Darsteller: Corinna Harfouch, Margarita Breitkreiz, Christine Schorn, Rolf Hoppe, Pierre Besson, Jürgen Heinrich und andere
Sendetermin: Montag, 15. August 2011, 20.15 Uhr, ZDF

car/zij/news.de

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