Ernie und Bert Traut Euch!

Ernie und Bert (Foto)
Nach 40 Jahren bester Freundschaft sollen Ernie (rechts) und Bert nun heiraten. Bild: dpa

Seit 40 Jahren teilen sich Ernie und Bert eine Wohnung und ein Schlafzimmer. Nun sollen die beiden plüschigen Puppen aus der Sesamstraße heiraten. Das fordert eine Petition aus den USA, die im Internet bereits mehrere Tausend Befürworter gefunden hat.

Sollen Ernie und Bert heiraten dürfen? Nach der Einführung der Homo-Ehe im US-Bundesstaat New York greift die Debatte um die sexuelle Orientierung der beiden Puppen wieder um sich. Und Tausende befürworten eine Ehe der Sesamstraßen-Stars.

Als würde die Herabstufung der US-Bonität den Menschen nicht genug Sorgen bereiten, setzen sich einige Amerikaner seit Tagen mit einer anderen wichtigen Frage auseinander: Sind Ernie und Bert aus der Sesamstraße schwul oder nicht? Neu aufgeworfen hat diese Frage ein Mann aus Chicago namens Lair Scott. Seit Anfang August sammelt er in einer Online-Petition Stimmen für die seiner Meinung nach längst fällige Hochzeit der beiden. «Wir verlangen von der Sesamstraße nichts Geschmackloses oder Respektloses. Es kann auf eine sehr geschmackvolle Art und Weise unternommen werden. Lasst uns Toleranz denen gegenüber lehren, die anders sind», schrieb Lair Scott auf der Webseite change.org. Die Sesamstraßen-Macher sind jedoch wenig begeistert und reagieren ablehnend.

Einige Tausend Befürworter haben unter der Petition «Let Bert and Ernie get married on Sesame Street» ihre virtuelle Unterschrift hinterlassen. Also: «Lasst Bert und Ernie in der Sesamstraße heiraten.» Um sein gestecktes Ziel zu erreichen, müsste Scott 20.000 Stimmen sammeln.

«Sie existieren unterhalb der Taille nicht»

Als Antwort auf dessen Petition sind Gegen-Umfragen gestartet worden. Unter «Lasst Ernie und Bert in Ruhe» und «Erhaltet die Unschuld der Sesamstraße - Lasst Ernie und Bert Freunde bleiben» kann man auch gegen die Homo-Ehe der beiden Stoffpuppen stimmen. Zunächst kamen nur einige Dutzend Unterschriften zusammen - ein ernüchterndes Ergebnis für Fans, die den Status quo beibehalten wollen.

Auch die Vertreter der Sesamstraße scheinen jedenfalls keinen großen Gefallen an der Idee zu finden. In einer schriftlichen Erklärung betonten sie: «Obwohl sie als männlich gekennzeichnet sind und menschliche Eigenschaften und Verhaltensregeln aufweisen, bleiben sie dennoch Puppen und haben keine sexuelle Orientierung».

Damit scheint die Sendung noch einmal mit Nachdruck eine frühere Stellungnahme des Präsidenten der Sesamstraße, Gary Knell, zu unterstreichen. «Sie sind nicht homosexuell, sie sind nicht heterosexuell, sie sind Puppen. Sie existieren unterhalb der Taille nicht», sagte Knell 2007.

Beim zuständigen deutschen Sender NDR sagt ein Sprecher ganz politisch-korrekt: «Ernie und Bert könnten gegensätzlicher nicht sein - und sind doch seit mehr als vier Jahrzehnten die besten Freunde. Wir finden: Einen besonderen Beweis dafür brauchen weder die beiden noch ihr Publikum!»

«Kein Schwuler würde mit ungezupften Augenbrauen herumlaufen»

Ernie und Bert wurden vor 40 Jahren von Jim Henson, dem Erfinder der Sesamstraße, ins Leben gerufen. Bereits damals soll die Frage nach der Art ihrer Beziehung aufgekommen sein - allerdings lediglich hinter vorgehaltener Hand. Die Frage schien berechtigt: Die zwei Freunde teilen sich nicht nur Wohnung und Schlafzimmer, sondern baden auch gemeinsam und tragen ähnliche Outfits.

Charakterlich sind die plüschigen Puppen in den gestreiften Pullis jedoch gänzlich verschieden. So ist Ernie stets der naive und liebenswürdige Tollpatsch, während Bert den schroffen Grummelbär mimt. Gerade diese freundschaftliche Beziehung von zwei sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten soll Vorschulkindern zeigen, dass man sich auch gut mit denen befreunden kann, die anders sind als man selbst, erklären die Produzenten der Sesamstraße.

Vollkommen neu ist die Frage nach der geschlechtlichen Orientierung von Ernie und Bert also nicht. Der Zeitpunkt der aktuellen Diskussion erscheint allerdings nicht zufällig. Erst im Juli wurde im Bundesstaat New York, der Wiege der amerikanischen Schwulen- und Lesbenbewegung, die Homo-Ehe eingeführt. Damit ist New York der größte Bundesstaat, der homosexuellen Paaren die Heirat erlaubt - ein gewaltiger Motivationsschub für die Befürworter der gleichgeschlechtlichen Ehe.

In Online-Diskussionsforen sprechen sich viele Leute für und gegen die Homo-Hochzeit der Plüschpuppen aus. Einige finden, dass die Kinderlieblinge eindeutig «nur» Mitbewohner sind, andere sehen in ihnen zweifelsfrei ein Paar. Und der YouTube-Nutzer «MikeysGayToday» nimmt ironisch und voller Klischees Stellung: «Bert ist ganz klar hetero, denn kein Schwuler würde mit ungezupften Augenbrauen herumlaufen. Ernie dagegen ist absolut schwul, denn er hat erst gar keine Augenbrauen und kann sich so stets leicht in eine Drag-Queen verwandeln.»

Ob die Petition angesichts der klaren Absage der Sesamstraßen-Macher aber überhaupt eine Aussicht auf Erfolg hat, scheint äußerst fraglich. 

wie/news.de/dpa

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