«Lakeview Terrace» Mein Nachbar, der Psycho-Cop

Lakeview Terrace (Foto)
Mit Nachbar Abel (Samuel L. Jackson) ist nicht gut Kirschen essen. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Lutz Granert
Ein Polizist nebenan kann schon etwas Beruhigendes haben, wenn er im Viertel für Recht und Ordnung sorgt. Nicht jedoch Samuel L. Jackson. Im Thriller Lakeview Terrace entpuppt er sich als Terror-Nachbar. Heute Abend bei Pro7.

Polizist Abel Turner (Samuel L. Jackson) arbeitet auch über seinen regulären Streifendienst hinaus. In seiner Nachbarschaft sorgt er für Ruhe und Ordnung, das Leben dort soll in geregelten Bahnen verlaufen. Als das Pärchen Chris (Patrick Wilson) und Lisa (Kerry Washington) frisch einziehen, ziehen sie Abels Aufmerksamkeit auf sich. Ein Weißer und eine Schwarze - das verstößt gegen seine rassistischen Grundsätze. Der dadurch entstehende Nachbarschaftsstreit schaukelt sich immer weiter hoch und artet schließlich in Gewalt aus.

Samuel L. Jackson hat inzwischen seine böse Seite entdeckt. Jüngst war er in dem Politthriller Unthinkable als skrupelloser Folterknecht zu sehen, in The Sprit wollte er als Octopus eine ganze Stadt auslöschen. In Lakeview Terrace gibt er den aggressiven Rassisten, dessen Wahnsinn besonders nach seiner Suspendierung wegen brutalen Verhaltens gegenüber einen Verhafteten zunehmend ausbricht. Jackson scheint sich in dieser Rolle zu gefallen, gibt genüsslich den autoritären Familienvater und Ordnungshüter, dessen strenge Regeln besser befolgt werden sollten.

Mietmängel
Klopfende Nachbarn und stumpfe Wannen

Jackson spielt alle an die Wand

Jackson ist der große Pluspunkt dieses ansonsten wenig heraus stechenden Thrillers, der die Spannungsschraube langsam, aber stetig anzieht. Das Problem ist jedoch, dass er den Rest des Casts schlicht an die Wand spielt. Patrick Wilson darf genauso wie im bald anlaufenden Horrorthriller Insidious wieder nur den blassen und nachdenklichen Familienvater geben. Kerry Washingtons Rolle wird größtenteils nur als den Konflikt vorantreibendes Element instrumentalisiert.

Erst sind es nur freundliche Aufforderungen, zu verschwinden, dann wird mit wilden Parties provoziert, daraufhin ein Einbrecher angeheuert. Die Eskalationslogik, nach der Lakeview Terrace funktioniert, liegt auf der Hand. Diese wird versinnbildlicht durch einen immer näher an die Wohnsiedlung heranrückenden Waldbrand, von dem zunächst nur wenig Bedrohung, schließlich jedoch Lebensgefahr ausgeht. Der Film kulminiert in seinem Finale in einem ebensolchen Moment, vereint die Unberechenbarkeit von Natur und Mensch innerhalb der Figur von Able.

Bis dahin bleiben auch Seitenhiebe auf die amerikanische Politik nicht aus. Stets schwingt die Gegenüberstellung von republikanischer und demokratischer Überzeugung im Umgang mit der Rassenproblematik mit, stets stehen sich zwei Systeme gegenüber. Das ändert nichts an der Schnörkellosigkeit, mit dem dieser spannende Thriller erzählt wird, gibt ihm jedoch eine unerwartete Tiefendimension. Diese fehlte Sterben will gelernt sein und Wicker Man - Das Ritual des Bösen, ebenfalls inszeniert von Regisseur Neil LaBute. Es ist schon erstaunlich, was ein gutes Drehbuch und ein formidabler Samuel L. Jackson bewirken können. Zumindest wird man nach Lakeview Terrace wieder ernsthaft über das Verhältnis zu den eigenen Nachbarn nachdenken.

Bestes Zitat: «Sie können diesen Krach die ganze Nacht lang hören. Aber wenn Sie morgens aufwachen, sind Sie immer noch weiß.» (Abel zu Chris über seine Vorliebe für Hip Hop)

Titel: Lakeview Terrace
Regisseur: Neil LaBute
Darsteller: Samuel L. Jackson, Patrick Wilson, Kerry Washington, Ron Glass, Jay Hernandez und weitere
Sendetermin: Sonntag, 10. Juli 2011, 20.15 Uhr, Pro7

car/news.de

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