«Inspector Barnaby» Frauenheld über Bord

Inspector Barnaby (Foto)
Zeit für ein Picknick im Park für die Barnabys (von links): Cully (Laura Howard), Joyce (Jane Wymark) und Tom Barnaby (John Nettles). Bild: ZDF/All3Media

Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter
Ende eines Playboys: Inspektor Barnaby ist wieder gefordert - bei einer Regatta im idyllischen britischen Örtchen Midsomer treibt ein Toter im Fluss. Immer donnerstags zeigt das ZDF drei neue Folgen der britischen Krimiserie.

In rabenschwarzer Kürze liefert schon der Titel des ersten Teils der neuen Inspector Barnaby-Staffel (Nass und tot) eine Kostprobe des trockenen britischen Humors, den der Zuschauer serviert bekommt. Denn die beiden Ermittler Inspector Barnaby (John Nettles) und Sergeant Dan Scott (John Hopkins) sind in schauspielerischer Hochform und schreiten mit zielsicherer Eleganz durch die Ermittlungen, ohne dabei jemals ihre englischen Umgangsformen zu vergessen.

Überhaupt, der britische Stil: So dick haben ihn die Macher aufgetragen, dass Nass und tot mehr Heimatfilm als Krimi ist. Kaum ein Klischee wird ausgelassen. Adrette Lords stolzieren neben Ladys mit unmöglichen Hutexperimenten zwischen putzigen Landhäuschen und possierlich zurechtgeschnippelten Gärtchen umher. Doch immerhin: Auf ständige Teeschlürferei hat Regisseur Renny Rye dankenswerterweise verzichtet.

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Bei der feucht-fröhlichen Ruderregatta wird die Idylle allerdings gründlich durchgerüttelt: Pünktlich zum Startschuss taucht eine Wasserleiche auf - und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn der Tote bringt um ein Haar eines der Rennboote zum Kentern.

Barnabys Spürnase juckt

Im Fluss dümpelt der stellvertretende Ruderclubvorsitzende Guy Sweetman, der obendrein noch ein echter Schürzenjäger war. Nach seinem unschönen Ableben stellt sich die Frage, wer den unansehnlich aufgedunsenen Frauenheld auf dem Gewissen hat - wie gut, dass Inspector Barnaby mit seiner Familie zum Picknick an Ort und Stelle ist.

Schnell juckt seine Spürnase: Eine von Guys Eroberungen ist Clare Bonavita (Diana Quick). Die charmante Schatzmeisterin des Clubs coacht den Hoffnungsträger Henry Charlton (Owain Yeoman) - doch obendrein versteckt sie ihren Ehemann Freddie (Jack Klaff), der Guy in früheren Jahren mit Mord gedroht hatte.

Darüber hinaus gibt es noch eine Handvoll grauer Eminenzen aus dem Ruderclub, über denen ganz offensichtlich der Pleitegeier kreist - etwa den amtierenden Club-Präsidenten Phillip Trent (Adrian Lukis), der über den Tod seines Ruderkumpels ganz und gar nicht betrübt zu sein scheint. Dass der ermordete Playboy so ziemlich jede Frau in seinem näheren Umfeld verführt hatte, macht die Ermittlungen nicht gerade leicht. Denn mit jeder neu entdeckten Eroberung wächst auch die Zahl eifersüchtiger Ehemänner und Partner - die britische Idylle kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter mancher putzigen Landhausfassade wahre Abgründe lauern.

Haarsträubende Kehrtwenden

Und so stapfen Barnaby und Scott gemächlich durch ein scheinbar undurchdringliches Gewirr aus alter Liebe und neuer Habgier - der besonnene Inspector als kriminalistisches Schwergewicht voran, hinter ihm sein hitzköpfiger Sergeant, dem auch mal der Gaul durchgeht. Ein reichlich waghalsig konstruierter Showdown mit haarsträubenden Kehrtwenden mutet dem Zuschauer einiges an Denkverrenkungen zu.

Auch wenn Nass und tot in puncto kriminalistischer Inhalt Wünsche offen lässt - für Fans des englischen Heritage-Films wird jede Menge geboten. Dank ihrer überzeugenden Schauspielleistung verzeiht man den beiden Ermittlern, dass sich die Aufklärung des Falls vor lauter britischer Possierlichkeit nur im Schritttempo voranschleppt. Für Krimi-Nostalgiker und England-Fans dürfte Nass und tot jedenfalls ein echtes Schmankerl sein.

Bestes Zitat: «Die Beobachtungsgabe der Nachbarin lässt leider Wünsche offen.» (Inspector Barnaby macht seinem Ärger über eine fruchtlose Befragung auf britische Weise Luft)

Drei neue Folgen von Inspector Barnaby, ab 7. Juli 2011 immer donnerstags, 20.15 Uhr, im ZDF.

car/news.de

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