«Zimmer frei!» Kein Platz für Humorbefreite

Klamauk mit Anspruch: Götz Alsmann und Christine Westermann wandeln bei Zimmer frei! stets auf dem schmalen Grat zwischen guter Unterhaltung und renitenter Gästebeschimpfung. Das Format kommt an und feiert sich zum Geburtstag selber.

500. Ausgabe von «Zimmer frei» (Foto)
Christine Westermann und Götz Alsmann suchen Mitbewohner für ihre WG. Bild: dpa

Was für eine absurde Show-Idee, die da am 9. Juli 1996 das erste Mal über den Bildschirm flimmerte: eine Unterhaltungsshow zum Lebensmodell «Wohngemeinschaft». Seit genau 15 Jahren moderieren Christine Westermann (62) und der Entertainer Götz Alsmann (53) die WDR-Show Zimmer frei!. An diesem Sonntag wird das Jubiläum mit einer Geburtstagssendung gefeiert. Der Premierengast Karl Moik (73) schaut erneut vorbei. Direkt im Anschluss zeigt der Westdeutsche Rundfunk einen Rückblick auf die Anfänge von 1996 bis 1999.

Zimmer frei!, das ist Anarchie-TV - und für Stars und Sternchen eine echte Prüfung: In einer fiktiven Fernseh-WG suchen die beiden «Kommunarden» Alsmann und Westermann einen neuen Mitbewohner und bitten zum «Vorstellungsgespräch» - der prominente Gast muss sich vor den Moderatoren und dem Publikum bei Spiel, Spaß und Talk bewähren. Am Ende dann die alles entscheidende Frage: Dürfte er einziehen?

Privat hat nur Westermann WG-Erfahrung, ihr Kollege schließt dieses Lebensmodell kategorisch aus: «Weil ich überhaupt keine Lust habe, auf so engem Raum mit jemandem zusammenzuleben, mit dem ich nicht verwandt, verschwägert oder verheiratet bin.»

Wutschnaubender Cherno Jobatey

Insgesamt 565 verschiedene Gäste - Schauspieler, TV-Moderatoren, Kabarettisten oder auch Politiker - haben sich bereits Deutschlands vielleicht schwierigster Spielshow gestellt, die auch immer ein bisschen Psycho-Test ist. Viele Prominente sehen eine Einladung zu Zimmer frei! als eine Art Ritterschlag, für andere gerät der Besuch beim unberechenbaren Duo Westermann und Alsmann zum Desaster, wenn sie am Ende mehrheitlich rote Karten vom Publikum im Studio kassieren.

Problematisch war auch eine Show mit Cherno Jobatey, die erst 2003, nach vier Jahren im Giftschrank, erstmals ausgestrahlt werden konnte. Die Gastgeber hatten ihren Kollegen auf die Schippe genommen, weil der ZDF-Mann in einem Interview einmal seine Legasthenie erwähnt hatte: Alsmann trug ein ABC-Pflaster auf der Stirn, beide servierten Jobatey Buchstabensuppe, es gab Russisch Brot zu essen, und der Gast musste das Wort «Kommunalobligation» buchstabieren. Jobatey verließ wütend das Studio und kam erst nach zehn Minuten zurück.

Zimmer frei! begann als Sommer-Sonderprogramm, also bloß als Lückenfüller. «Aus dem mitunter belächelten Experiment wurde ein Zuschauer-Hit und ein Grimme-Preis-gekrönter Dauerbrenner», verkündet der WDR stolz zum 15-jährigen Jubiläum. Die Show bekam den renommierten Grimme-Fernsehpreis des Volkshochschulverbandes im Jahr 2000. Die Show ist der Beweis, dass sich ungewöhnliche TV-Konzepte - gerade in den Dritten Programmen der Öffentlich-Rechtlichen - lohnen können.

Anne Will folgt auf Karl Moik

Im Grunde erinnert Zimmer frei! - dieser «Kindergeburtstag für Erwachsene», wie Alsmann das mal nannte - an die RTL-Anarcho-Show Alles Nichts Oder?!, in der sich in den 1980er Jahren Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen mit Torten bewerfen ließen. Zu ihrem 15. Geburtstag dürfen einige Gäste zum zweiten Mal in der Wohnküche Platz nehmen. Michael Schanze war bereits ein zweites Mal da, auch Frank Elstner und der Sänger Sasha - nächste Woche, am 17. Juli, bevor es dann bis 4. September in die Sommerpause geht, stellt sich erneut die ARD-Talkerin Anne Will der TV-WG.

An diesem Sonntag gibt es ein Wiedersehen mit dem langjährigen Musikantenstadl-Moderator Karl Moik, der gerne Fernsehtechniker geworden wäre. Laut WDR lernt Außenreporterin Sabine Heinrich beim Hausbesuch in Salzburg dessen «Medienzentrum» kennen: viele Fernbedienungen, mehrere Großbild-Fernseher und im Garten acht Satellitenschüsseln. Er freue sich, wenn er ein indisches Testbild finde, sagt Moik. Viele Zuschauer freuen sich jedoch eher, dass das deutsche Fernsehen so eine unterhaltsame Sendung wie Zimmer frei! bietet.

Happy Birthday Zimmer frei!, Sonntag, 10. Juli 2011, 22.15 Uhr, WDR Fernsehen

Happy Birthday Zimmer frei! Die allerersten Jahre - 1996 bis 1999, Sonntag, 10. Juli 2011, 23.15 Uhr, WDR Fernsehen

ruk/wam/news.de/dpa

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