«ZDF Zoom» Keine Gnade für die deutsche Bestie

25 Jahre unschuldig im US-Knast? Der Deutsche Jens Söring kämpft auch ein Vierteljahrhundert nach seiner Verurteilung wegen eines Doppelmords für seine Freilassung. Das Zweite rollt den Fall des 44-Jährigen neu auf und hinterfragt das amerikanische Rechtssystem.

Jens Söring (Foto)
Unschuldig im Gefängnis? Jens Söring hofft noch immer auf seine Freilassung. Bild: ZDF

Jens Söring wirkt gefasst und ruhig während er redet, besonnen beinahe. Wie er da auf einem Bürostuhl sitzt, in Jeans, blauem Hemd und einer Hornbrille mit dicken Gläsern auf der Nase, würde man ihn eher als brav und bieder beschreiben, aber niemals mit einem mordenden Monster assoziieren, das zwei Menschenleben auf dem Gewissen haben soll.

Seit einem Vierteljahrhundert sitzt der Deutsche im US-Bundesstaat Virginia hinter Gittern, verurteilt zu zweimal lebenslänglich wegen eines Doppelmords an den Eltern seiner damaligen Freundin, den er nicht begangen haben will. Und ohne realistische Hoffnung, jemals wieder in die Freiheit entlassen zu werden. «Wenn man lebenslänglich bekommt, soll man im Gefängnis sterben», kommentiert Söring das amerikanische Rechtssystem desillusioniert.

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Dennoch kämpft er seit seiner Verurteilung unentwegt für seine Unschuld und wider den US-Rechtsstaat. Er schreibt Bücher, spricht von Öffentlichkeitsarbeit und den «Schlachten», die er führt: «Ich habe mich durchgehangelt in den letzten 25 Jahren, indem ich nie aufgehört habe zu kämpfen.» Das sei sein Lebenssinn geworden. Es gebe keine anderen Gefangenen, die nach so langer Zeit noch kämpfen würden.

Virginia hasst den Deutschen

Es ist ein hartes, entbehrungsreifes Leben im amerikanischen Knast. Aber nein, vor dem Tod habe er keine Angst, konstatiert Söring mit einem ironischen Lächeln. «Es kann gar nicht schlimmer kommen, als das was ich hier durchmache.» Im Gegenteil, so glaubt der 44-Jährige, der Tod würde für ihn endlich Ruhe bedeuten.

Die Einwohner von Virginia hassen die «deutsche Bestie» auch noch nach 25 Jahren und wollen den Fall nicht noch einmal aufrollen. Und das obwohl er vor Verfahrensfehlern strotzt: Das alte Blut am Tatort hat man inzwischen einer DNA-Analyse unterzogen, 42 Spuren wurden gefunden, keine passte zu Jens Söring. Auch neue Zeugen und Beweise entlasten Söring. 

Grund genug für das Zweite Deutsche Fernsehen, den Fall noch einmal ausführlich auszubreiten. Ulf-Jensen Röller, Leiter des ZDF-Studios in Washington, spricht in seiner Dokumentation mit neuen Zeugen, deckt neue Beweise auf und konfrontiert den damals ermittelnden Sheriff mit den veränderten Fakten. Im Anschluss diskutiert Markus Lanz unter anderm mit Anwalt Ingo Lenßen über den Fall Söring.

Der Verurteilte selbst hegt trotz der neuen Beweislage keine großen Hoffnungen auf eine Zukunft in Freiheit: «Ich denke nicht so sehr ans Rauskommen. Ich denke eher an die nächste Schlacht».

Bestes Zitat: «Objektiv gesehen müsste ich sehr deprimiert sein.» Jens Söring über seine Situation.

ZDFZoom: Keine Gnade für Häftling 179212? Mittwoch, 6. Juli, 22.45 Uhr im ZDF.

Markus Lanz, Mittwoch, 6. Juli, 23.15 Uhr im ZDF.

sua/news.de

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Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • fischi
  • Kommentar 3
  • 07.09.2011 17:46
Antwort auf Kommentar 1

das sehe ich ähnlich

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  • walter
  • Kommentar 2
  • 11.07.2011 08:28
Antwort auf Kommentar 1

Selbst wenn er es war, er war 25 Jahre in Haft. Und ich finde das reicht.

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  • Micha0160
  • Kommentar 1
  • 08.07.2011 13:04

Man ist geneigt Jens Sören Glauben zu schenken, wenn man ihn argumentieren hört. Allerdings hat ihn auch kein gewissenloser Verhörspezialist zu dieser Aussage überredet oder gezwungen und die Begründung für das Geständnis hört sich, mit Verlaub, einigermaßen abenteuerlich an. Und es gab wohl auch einige bewiesene Lügen. Er war seiner Freundin wohl hörig, fragt sich nur, was er in seiner Abhängigkeit noch alles für sie getan hätte? Schon viele Killer sahen aus, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Man denke nur an Jeffrey Dahmer.

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