«Tatort»-Nachlese Wie sexy muss Frauensport sein?

«Tatort - Im Abseits» (Foto)
Wie sexy muss Frauensport sein? Im Tatort - Im Abseits post Fadime Gülüc (Filiz Koc) für ein Fotoshooting vor der Kamera, während die anderen Spielerinnen trainieren. Bild: SWR/Krause-Burberg

Juliane ZiegengeistVon news.de-Volontärin
«Wir wollen unseren Sport vermarkten, nicht unseren Hintern», sagte Fußballerin Birgit Prinz einst dem Stern. Und doch haben sich fünf DFB-Frauen pünktlich zur WM im eigenen Land für den Playboy entblättert. Muss das sein? Das fragte auch der Tatort - Im Abseits.

Fadime Gülüc (Filz Koc) ist talentiert, jung und hübsch. Vor allem wegen letzterer Attribute wird die Fußballspielerin vom Vereinsmanager als Gesicht der Mannschaft vermarktet. Es werden Fotoshootings anberaumt, bei denen sich Fadime während der Trainingszeit leicht bekleidet ablichten lässt. Auf einem übergroßen Poster an der Wand des Vereinsgebäudes prangt ihr Konterfei. Medien und Sponsoren reißen sich um sie. Der Sport bleibt auf der Strecke. Fadime wird auf die Ersatzbank verbannt - und schließlich tot in der Umkleidekabine gefunden.

Für den Mord schlägt der Ludwigshafener Tatort - Im Abseits viele mögliche Täter vor. Da wären die Eltern der Muslima, insbesondere die Mutter, die sich nur schwer mit Fadimes Fußballkarriere anfreunden kann und freizügige Fotos schon gleich gar nicht duldet. Oder ihre Trainerin, der Fadimes Medienmasche gar nicht schmeckt und die vom Chef dafür abgewatscht wird, sie auf die Ersatzbank gesetzt zu haben. Oder auch Mitspielerin Sonja (Amelie Kiefer), die wie Fadime einen Wechsel in die amerikanische Profiliga anstrebt, aber eine Absage bekommt.

Am Ende aber ist es Platzwart Rennert (Michael Lott), der die schöne Türkin erschlagen hat. Nicht aus unerfüllter Liebe zu ihr oder Eifersucht. Nein. Sondern aus Liebe zum Verein. «Wenn's nur ums Geld geht, dann verliert der Fußball seine Seele», sagt er. Für ihn geht es nicht um Show, sondern die Show macht alles kaputt. «Ich seh' jeden Tag, wie hart die Frauen trainieren, wie sie Fußball spielen. Aber die meisten interessiert doch nur, was sie unter ihren Trikots tragen oder was sie für 'nen Freund haben oder auch nicht. Es geht um Fußball, Herr Gott noch mal.»

Mit Nacktfotos gegen Vorurteile?

Im «Playboy»
Deutsche Sportlerinnen ziehen blank

In wenigen Tagen beginnt die Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Deutschland. Die Vermarktungsmaschinerie, die im ARD-Tatort problematisiert wird, läuft auf Hochtouren. Auch die obligatorischen Playboy-Fotos mit fünf DFB-Frauen - keine von ihnen ist im WM-Kader - durften nicht fehlen. Obligatorisch deshalb, weil es in einigen Sportarten mittlerweile fast zur Tradition geworden ist, dass Athletinnen vor sportlichen Großereignissen blank ziehen.

Die deutsche Judoka Romy Tarangul war pünktlich zu den Olympischen Spielen in Peking 2008 im Playboy zu sehen. Auch Hockey-Spielerin Katharina Scholz, Kanutin Nicole Reinhardt und Seglerin Petra Niemann machten sich zu diesem Anlass frei. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen und um so bekannte Namen wie Regina Halmich, Susi Erdmann und Katharina Witt ergänzen.

Nun hat die Mehrheit dieser Frauen in ihren jeweiligen Sportarten große Erfolge gefeiert, wenn nicht sogar Geschichte geschrieben. Warum also dann der Playboy? Aufmerksamkeit erheischen? Bekannter werden? Geld verdienen? Die DFB-Frauen aus der Juli-Ausgabe des Männermagazins haben da wesentlich fundiertere Gründe: Sie wollen das Image des Frauenfußballs aufpolieren. Denn noch immer kursiere das Vorurteil von den Spielerinnen als Mannsweiber. Das wird auch im Tatort bedient, wenn eine der Fußballerinnen auf die Frage, ob sie schon einmal bedrängt wurde, antwortet: «Für die meisten Männer sind wir sowieso keine richtigen Frauen, sondern Kampflesben.»

Mancherorts Pflicht: knappe Kleidung auf dem Spielfeld

Wer sich für den Playboy ablichten lässt, tritt sozusagen den Gegenbeweis an. Einen Gefallen tut er sich und dem Sport damit aber trotzdem nur bedingt. Erst recht, wenn das Heft mit Wortspielen wie «WM-Vorspiel mit scharfen Schüssen» und «echtes Ballgefühl» titelt. Ins Gespräch kommen mit solchen PR-Aktionen nicht etwa legendäre Tore, Talente oder Titel, sondern eine Weiblichkeit, die auf dem Platz nichts zählt. Und die dort sogar vermieden wird, um für die spielerische Leistung ernst genommen zu werden, und nicht neue Vorurteile à la «schöne Spielerinnen, aber schlechtes Spiel» heraufzubeschwören.

Als sexistisch galten folgerichtig auch die Äußerungen von Uefa-Präsident Lennart Johansson, der zur Fraueneuropameisterschaft 2005 in England eine «attraktivere Kleidung» forderte. Schließlich sei es nur dienlich, wenn man sehen könne, dass es sich um Frauen handelt, so seine Meinung. Dass es nicht um die Attraktivität der Spielerinnen, sondern des Spiels geht, hatte er dabei wohl vergessen. Für Tatort-Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ist er deshalb «ein alter Mann mit feuchten Träumen».

Hautenge Shorts und Tanktops sind auf dem Spielfeld bisher ausgeblieben. Auch Badmintonspielerinnen sollen vorerst weiter in kurzen Hosen antreten dürfen. Der Badminton-Weltverband hatte angeregt, nur in Röcken oder Kleidern spielen zu lassen, doch da wollten die Sportlerinnen nicht mitmachen. Zu groß war wohl die Angst, dass der Platz zum Laufsteg wird, wie es beim Frauentennis nicht selten der Fall ist. Keine Wahl haben hingegen Beachvolleyballerinnen. Zu viel Stoff ist hier verboten, Bikini tragen dagegen Pflicht. Und selbst dafür gibt es strenge Richtlinien: Nicht breiter als vier Zentimeter darf das Höschen an den Seiten sein.

Wozu das gut ist? Das bleibt unbeantwortet. Genauso wie die Frage, ob Fußballerinnen allein der Werbewirkung wegen blank ziehen müssen. Letztlich hat jede für sich zu entscheiden, welches Image sie sich verpassen lassen will. Oder wie Kickerin Sonja es im Tatort so treffend formuliert hat: «Es kommt drauf an, was zählt: Ob man gut mit dem Ball umgehen kann oder mit den eigenen Bällen.»

car/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ellipirelli
  • Kommentar 4
  • 08.07.2011 19:57
Antwort auf Kommentar 1

Genau DAS sind solche typischen Sch... gesteuerten Wesen,die nichts anderes im Kopf zu haben scheinen.Und dagegen sollten die Fußballfrauen sich wehren,sie haben es doch nicht nötig,sich für sabbernde alte Männer hüllenlos zu präsentieren..Ich hoffe,daß die Frauen-Elf stolz und stark genug ist,und sich zu schade für solche Käseblättchen ist!

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  • Ellipirelli
  • Kommentar 3
  • 08.07.2011 19:52

Ich wäre mir als Fußballspierin zu schade,um mich in bunten Blättchen ablicheten zu lassen.Birgit Prinz hatte völlig recht! Es geht um Fußball.Genauso egal,wie mir die Bäuche und Hintern der männlichen Spieler sind,genauso egal dürfte den Männern doch sein,wie die Frauen aussehen.Wenn die Männer derart sexualgesteuert sind,daß sie nicht mal ein Fußballspiel sehen können,ohne sich ablenken zu lassen,dann sollten die Herren es vor dem Spiel erstmal ihrer Frau besorgen(oder in den Puff gehn),damit sie wieder einen klaren Kopf haben. Die Frauen sollen sich nicht hergeben für sowas!

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  • Schabernac
  • Kommentar 2
  • 23.06.2011 12:45

Im Gegenzug,wo gibt es denn Fußballer, die blank ziehen für Playgirl und Schwulenmagazinen? Vielleicht gibt es dort nichts Vorzeigbares? Ausserdem spielen sehr viele Fußballer wie Schwuchteln, besonders bei Fouls.!!!!! Freuen wir uns doch über erwachsene Frauen und Mädchen,die für sich solche Entscheidungen treffen.Welcher idiotische und selbsternannte Macho und Moralapostel zerreißt sich sein hirnloses Maul darüber wie selbstbestimmte und selbstbewusste Frauen und Mädels für sich die Entscheidungen treffen,-- sich ablichten zu lassen,dann sollte das auch für die Voyeure OK sein.

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