Jessica Kastrop «Werde Monica Lierhaus immer dankbar sein»

Von news.de-Redakteur Martin Walter
Ein Kopfschuss machte sie berühmt: Sky-Moderatorin Jessica Kastrop spricht mit news.de über die Frauen-WM in Deutschland, Vorbilder in der Sportberichterstattung und womit Günter Netzer sie zu Tränen rührte.

Frau Kastrop, was macht eine Bundesliga-Moderatorin eigentlich in der Sommerpause?

Jessica Kastrop: Ich habe angefangen ein Buch zu schreiben, in dem es überraschenderweise um Fußball geht. Mehr möchte ich aber noch nicht verraten. Und dank der Frauen-WM werden wir ja nicht komplett ohne Fußball durch den Sommer ziehen müssen. Ansonsten habe ich schon ein paar Entzugserscheinungen, das gebe ich zu.

Auch wenn das Thema «Kopfschuss» inzwischen sicher nervt, aber sind Sie VfB-Spieler Khalid Boulahrouz im Nachhinein dankbar oder eher sauer auf ihn?

Kastrop: (Lacht) Ich muss sagen: Ich bin dankbar. Auch wenn es im ersten Moment sehr schmerzhaft war, waren die Folgen doch eher positiver Natur. Ich kann mich nicht über meinen gestiegenen Bekanntheitsgrad beschweren und auch, was ich im Nachhinein im Stadion erlebe und wie freundlich die Menschen einem begegnen, ist sehr positiv.

Neben dem gestiegenen Bekanntheitsgrad brachte Ihnen der Unfall auch eine Playboy-Anfrage und die Moderation der TV Total Pokerstars Nacht ein. Stört es Sie dennoch, immer noch so sehr damit in Verbindung gebracht zu werden?

Kastrop: Wenn man es schafft, ungefähr 20 Millionen Menschen auf der Welt ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, dann nehme ich das gerne in Kauf. Es ist ja schließlich niemandem etwas passiert. Die Schadenfreude gehört dazu, ein bisschen Hohn und Spott muss man eben über sich ergehen lassen.

Kommen wir zu Ihrer Samstagabend-Show bei Sky: Welches Publikum wollen Sie mit Samstag Live um 20.45 Uhr ansprechen?

Kastrop: Wir haben ein sehr treues Stammpublikum. Menschen, die gerne einschalten, um sich vor dem Sportstudio unsere Aufbereitung anzuschauen. Durch die veränderte Anfangszeit des Sportstudios ist bei uns der Gedanke aufgekommen, in diese Zeitspanne reinzugehen. Uns wäre natürlich eine klassische Anfangszeit wie 20.15 Uhr lieber, aber wir können ja schlecht das Topspiel früher abpfeifen lassen beziehungsweise die Analyse so kurz halten.

Ab Winter soll mit großem personellen Aufwand der neue Sportnachrichtensender Sky Sport News auf Sendung gehen. Wie schätzen Sie die Erfolgsaussichten des Projekts ein?

Kastrop: Wir haben internationale Vorbilder, wo es diese Sportchannels bereits gibt. Sky Italia hat sowohl einen eigenen 24-Stunden-Sportkanal als auch eigene 24-Stunden-Newskanäle, BskyB sowieso. Insofern sind das die internationalen Standards. Es ist ein sehr ambitioniertes Projekt, aber gerade für Sportfans auch ein absolutes Muss. Man zappt rein, kriegt immer das Neueste und hat ständig Liveprogramm. Da werde ich als Sportfan absolut bestens informiert, besser geht es nicht. Ich finde es außerdem wichtig, dass Sky auch unter der Woche live sendet. Das ist ein großer Anreiz, den Decoder auch außerhalb der 15.30 Uhr-Schiene am Samstag und der Filmzeiten anzuschalten.

Beneiden Sie Matthias Opdenhövel um seinen neuen Arbeitsplatz als Sportschau-Moderator?

Kastrop: Ich gratuliere Matthias Opdenhövel natürlich und glaube, dass er das super machen wird. Wir haben bei Brainpool zusammen gearbeitet und er ist ein sehr netter Kollege. Neiden tue ich niemandem auf der Welt irgendetwas, das entspricht nicht meinem Charakter.

Was würden Sie neben Ihren aktuellen Aufgaben gerne moderieren?

Kastrop: Ich wollte immer die Bundesliga moderieren, das war mein einziges Ziel. Und das darf ich tun. Wenn man dann noch eine Moderationsaufgabe wie Samstag Live und die TV Total Pokerstars Nacht hat, dann ist man echt ausgelastet. Insofern bin ich sehr zufrieden und glücklich mit dem, was ich habe.
 

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Seit Juli 2013 arbeitet sie bei Sport1 als Moderatorin, Field Reporterin und Beitragsmacherin.[2] (Foto) Zur Fotostrecke

Lesen Sie auf Seite 2, mit welchen Worten Günter Netzer Jessica Kastrop zu Tränen rührte. 

Hat es eine attraktive Frau an der Seitenlinie leichter, den Fußball-Stars Dinge zu entlocken?

Kastrop: Natürlich ist es eine andere Sache, ob man das als Frau oder als Mann macht. Aber der Schlüssel ist die Kompetenz. Es kann aber schon sein, dass eine Frau am Anfang erst einmal einen Bonus bekommt. Das kippt dann aber auch viel schneller. Männer werden vielleicht nicht gleich so wahrgenommen, dürfen dann aber im Endeffekt viel länger lernen.

Ist der Profifußball für Frauen in der Sportberichterstattung weiterhin ein schweres Feld?

Kastrop: Wie sagt Heribert Bruchhagen immer: «Wir sind eine große Familie.» Wenn man die Menschen mit Respekt behandelt und sich nachhaltig für sie interessiert, dann entsteht ein Respektverhältnis, das dazu führt, das man mit den meisten Protagonisten gut zusammenarbeiten kann. Dann wird man auch anerkannt. Neulich kam Günter Netzer zu mir und hat mir ein wunderbares Kompliment gemacht, ich hatte Tränen in den Augen. Wenn du plötzlich gesagt bekommst «Sie machen das toll», denkt man «Wow, das war gerade Günter Netzer, ich krach' ab».

Generell habe ich das Glück gehabt, lange Zeit Zweite Liga moderieren zu dürfen. Dort war die Aufmerksamkeit nicht so groß, da konnte man erstmal das Handwerk lernen. Inzwischen bin ich so lange dabei, dass ein Fehler nicht mehr sofort dazu führt, dass der Zuschauer sagt: «Die Alte hat ja überhaupt keine Ahnung.»

Es ist zu beobachten, dass immer mehr Frauen in die Sportberichterstattung stoßen. Sind «alte Hasen» wie Sabine Töpperwien oder Monica Lierhaus dabei Vorbilder?

Kastrop: Man kann sich von allen zu einem gewissen Grad etwas abschauen, aber letztendlich kannst du nur du selbst sein, ich kann ja niemand anderen kopieren. Ich habe Sabine Töpperwien kennengelernt und finde es ganz großartig, wie sie sich durchgesetzt hat. Monica Lierhaus ist eine tolle Moderatorin, ohne sie hätte ich meinen Job gar nicht. Als sie damals zur ARD gegangen ist, hat Premiere gesagt, das funktioniert so gut mit einer Frau, das probieren wir auch. Und daraus bin ich hervorgegangen. Deswegen werde ich Monica Lierhaus immer dankbar sein.

Welche Erwartungen haben Sie an die Frauenfußball-WM?


Kastrop: Ich freue mich wahnsinnig darauf und empfinde das als Riesenchance. Ich glaube, dass unsere Fußballfrauen in der Lage sind, noch einmal ein Sommermärchen zu veranstalten. Wenn das Wetter und die Leistungen mitspielen, dann hoffe ich einfach auf ein Sommermärchen reloaded.

Waren Sie selbst einmal als Fußballerin aktiv?


Kastrop:
Ich war in dem Sinne immer passiver Fußballer. Die Versuche, gegen den Ball zu treten, waren bei mir immer kläglich. Da bitte ich um Nachsicht. Aber ich stelle ja auch nur die Fragen, ich muss ja Gott sei Dank nicht spielen.

Jessica Kastrop, Jahrgang 1974, moderiert seit 2004 als Sportreporterin für den Bezahlsender Sky, ehemals Premiere. Neben Berichten von der Bundesliga moderiert die schöne Blonde gemeinsam mit Simon Südel seit vergangener Runde auch das Format SamstagLive sowie die TV Total Pokerstars Nacht bei Pro7.

ruk/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Alfred Peukert
  • Kommentar 1
  • 23.06.2011 18:29

Warum soll der Frau Lierhaus dankbar sein ? Viele Menschen haben zwischen Tod und Leben geschwebt, doch mir ist keine Menschbekannt, der jährlich dafür 500.000 Euro erhält. Ich bin dafür, dass sie 5 Tausend Mark Rente erhält, aber mehr ? Außerdem ist es irgendwie deprimierend, wenn frau Lierhaus im Fernsehen für eine Lottogesellschaft wirbt. Lasst sie doch in Frieden, damit sie ihr Leben so leben kann, wie es ein kranker Mensch benötigt. Auf jeden fall ist ihr Austreten im Fernsehen wie die Vorführung einer Schaufensterpuppr, einfach Mitleid eregend. Muss das sein?

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