ESC-Finale Ein Duo triumphiert über Lena

Die Mission Titelverteidigung ist zwar missglückt, Lena hat jedoch trotzdem gute Laune. Sie belegte beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf Platz zehn. Die Grand-Prix-Krone gab sie an Aserbaidschan weiter.

Schwamm drüber: Beim Fußball hat auch noch kein Europameister seinen Titel verteidigen können, wieso sollte es bei der - von Stefan Raab so bezeichneten - Europameisterschaft im Singen also anders sein. Mit ihrem einschmeichelnden Liebeslied Running Scared gewann das Duo Ell/Nikki am Samstagabend den Eurovision Song Contest in Düsseldorf, Lena kam mit ihrer Pop-Nummer auf einen ordentlichen zehnten Platz. Italien schaffte es nach 14 Jahren Eurovisions-Pause mit einer Swingnummer direkt auf Platz zwei; Schweden belegte Rang drei. Die Schweiz - überraschend ins Finale gekommen - landete auf dem letzten Platz im 25er Teilnehmerfeld.

Für Aserbaidschan ist es der erste Sieg in der 55-jährigen Grand-Prix-Geschichte. Nun dürfte sich das kleine vorderasiatische Land kollektiv auf den ESC 2012 freuen, der vermutlich in der Hauptstadt Baku über die Bühne gehen wird. Schon im Juni sollen die Vorbereitungen für den nächsten Song Contest beginnen. Als Termin für das Finale ist der 26. Mai 2012 vorgesehen.

Eurovision Song Contest
Herzflimmern statt Herzschmerz
Eurovision Song Contest  (Foto) Zur Fotostrecke

In der Hauptstadt Baku wurde der Sieg des Duos überschwänglich gefeiert. Zehntausende feierten im Regen auf den Straßen. Autos fuhren in Kolonnen hupend durch die Stadt. Aus den Fenstern wehten die Staatsflaggen. Auf dem zentralen Platz von Baku versammelten sich Tausende, um den Sieg zu feiern.

Das Gewinnerpaar zeigte sich überwältigt: «Für uns ist ein Traum wahr geworden», sagten der Sänger Eldar Qasimov und seine Partnerin Nigar Jamal. Bis vor wenigen Monaten sei sie noch Hausfrau gewesen, meinte die Sängerin und Mutter von zwei Kindern. «Das ist alles unglaublich.»

Lena ist zufrieden

Aserbaidschan blickt auf eine kurze, aber erfolgreiche Geschichte beim Grand Prix zurück. Vor dem Sieg von Düsseldorf hatte das Land erst dreimal an der weltgrößten Musikshow teilgenommen und es jedes Mal in die Top 10 geschafft. «Die Welt braucht mehr Gefühl», antwortete Eldar Qasimov auf die Frage nach dem Erfolgsrezept. Er hatte sich mit seiner Duettpartnerin in einem spannenden Herzschlagfinale erst sehr spät mit zuletzt 221 Punkten vor Italien (189) und Schweden (185) setzen können. Im Finale waren alle 43 diesjährigen Grand-Prix-Teilnehmer stimmberechtigt, also auch die Nationen, die bereits im Halbfinale ausgeschieden waren.

Lena scheint mit dem Ergebnis bei ihrer missglückten Mission Titelverteidigung zufrieden. Wenigstens ließ sich die 19-Jährige in ihrer Reaktion kurz nach der dreistündigen Show keine Enttäuschung anmerken. «Es geht mir fantastisch», sagte sie in der ARD zu Platz zehn mit 107 Punkten. «Ich fühl mich wie auf Wolke 2000. Von mir fällt ein Riesenstein.» Auch ihre Fans scheinen mit Platz zehn leben zu können. Die 12.000 Zuschauer beim Public Viewing in Lenas Heimatstadt Hannover freuten sich größtenteils über die Performance und feierten eine ausgelassene Grand-Prix-Party - ebenso wie tausende Fans auf der Hamburger Reeperbahn und am Rheinufer in Düsseldorf.

Raab als Rockabilly

Die größte TV-Show, die das deutsche Fernsehen je produziert hat, bot tolles Kino: Eine fantastische Bühne, ein vor Farbbrillanz sprühender Riesenscreen von 60 Mal 18 Metern, künstlerisch ambitionierte Einspielfilmchen und untypisch-deutsche Gags. Gut, das Ganze hat die Gebührenzahler auch rund zwölf Millionen Euro gekostet. Aber die Shows in Oslo und Moskau in den Vorjahren waren noch teurer, wie die ARD-Vorsitzende Monika Piel kurz vor dem Finale betonte.

Das Moderatoren-Trio Anke Engelke, Judith Rakers und Stefan Raab machte seine Sache gut: Engelke überzeugte durch Witz und ihre Eloquenz in perfektem Englisch und Französisch, Tagesschau-Sprecherin Rakers zeigte sich als Diva in silbrig glänzenden Galakleidern. Raab überzeugte weniger als Moderator denn als musizierender Entertainer: Seine Show-Eröffnung mit Satellite - Lenas Gewinnersong von 2010 - war ein Kracher: Rockig und mit Big-Band-Unterstützung interpretierte er das Lied völlig neu. Und als Sahnehäubchen durfte Lena aus einem Pulk von Lena-Klonen auf einen Kontrabass steigen und die letzten Takte mitträllern.

Top-Quote für die ARD

Bei der ARD darf man sich neben der guten Platzierung derweil auch über die exzellente Einschaltquote freuen: 13,83 Millionen Zuschauer schalteten am Samstagabend den Eurovision Song Contest ein. Das war fast jeder zweite Fernsehzuschauer (49,3 Prozent). Damit reichte die Zuschauerzahl nahezu an den Wert des vergangenen Jahres heran, als die Lena-Manie der ARD 14,69 Millionen Zuschauer beschert hatte.

Bemerkenswert ist insbesondere die Quote bei den Jüngeren: 59,1 Prozent der 14- bis 49-jährigen Fernsehzuschauer verfolgten den Grand Prix. Kein anderer Sender konnte am Samstag auch nur annähernd mithalten. Damit war der erste Grand Prix in Deutschland nach 28 Jahren auch einer der besten: Nur 1980 (17,35 Millionen) und beim Lena-Sieg im vergangenen Jahr gab es mehr Zuschauer als diesmal.

Aserbaidschan
So klingt der Siegersong
Video: dapd

Die spannendsten Momente des Eurovision Song Contest 2011 lesen Sie in unserem Ticker nach.

Public Viewing
Fans feiern den Grand Prix
Video: dapd

krc/cvd/news.de/dpa

Leserkommentare (10) Jetzt Artikel kommentieren
  • bobo
  • Kommentar 10
  • 15.05.2011 22:04

Ohren- und Augenärzte werden am Montag Überstunden leisten müssen! Das war ja eine Zumutung. Habe mir den Schmu natürlich nicht bis zum Schluss angesehen. Und dafür auch noch Fernsehgebühren zahlen!

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  • murtle
  • Kommentar 9
  • 15.05.2011 21:09

Die Lena ist angeblich mit ihrem 10. Platz zufrieden.Aber wie steht es mit dem Stefan Raab?

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  • birgit siegert
  • Kommentar 8
  • 15.05.2011 20:09
Antwort auf Kommentar 4

ich hatte es mir nur zum teil an gesehn,aber ich muss sagen die aufmachung war gut,und was lena an geht ich hoffe das es nun damit erledigt ist, sie ist noch mal angetreten und gut ist,

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