Serienhelden Ist Dr. House ersetzbar?

Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Eine weitere Staffel lang wird Dr. House noch Patienten und Kollegen ärgern, was dann passiert, ist völlig offen. Doch falls das Undenkbare geschieht und Hugh Laurie den Arztkittel an den Nagel hängt, bedeutet das das Ende der Serie? News.de hat in der TV-Geschichte nach Präzedenzfällen gesucht.

Bei RTL läuft gerade die siebte Staffel von Dr. House, in den USA haben sich laut Variety der US-Sender Fox und die Produktionsfirma Universal Media Studios (UMS) auf eine achte Staffel verständigt. Während UMS gleich einen Vertrag über zwei Staffeln abschließen wollte, ließ sich Fox lediglich auf eine ein und versuchte, die Produktionskosten zu drücken. Dr. House gehört zu den teuersten Serien überhaupt. Allein Hugh Laurie verdient mit über 400.000 Dollar pro Folge mehr als jeder andere Darsteller einer Dramaserie. Eine neunte Staffel scheint trotz sinkender Quoten zumindest nicht ausgeschlossen. Im nächsten Jahr werden Fox und UMS wieder verhandeln.

Und falls Laurie aussteigt? Könnte die Serie trotzdem weitergehen? Reflexartig möchte man sagen: nein. Dr. House steht und fällt mit seiner Hauptfigur - nicht nur des Titels wegen. Sie ist entscheidender für den Erfolg als die medizinischen Fälle. Man könnte den sozial unverträglichen Arzt auch in ein Krimi-, Historien- oder Science-Fiction-Format umtopfen - es würde funktionieren.

In der TV-Seriengeschichte findet sich auch kein vergleichbarer Fall, in dem ein dermaßen von seinem Hauptdarsteller und seiner Figur abhängiges Format erfolgreich einem radikalen Umbau unterzogen worden wäre. Am nächsten kommen dem wohl noch Generationswechsel, wie sie in deutschen Dauerbrennern wie Der Alte oder Der Landarzt einige Male stattfanden. Hier dankte nach langen Jahren die Hauptfigur ab oder kam ums Leben. Ein jüngerer Nachfolger nahm stets geräuschlos ihren Platz ein. Bei Ein Fall für zwei oder Alarm für Cobra 11 wurde mehrfach einer der Protagonisten ersetzt. Ein Typ wie Gregory House war allerdings nie dabei.

Wenn neue Darsteller nicht angenommen werden

Eine ähnlich markante Erscheinung wie House ist der von William Petersen gespielte CSI-Chefermittler Gil Grissom. Obwohl der erzählerische Fokus der Serie auf dem gesamten Team liegt, wog der Ausstieg Petersens nach neun Staffeln schwer. Nachfolger Laurence Fishburne wurde vom Publikum nicht angenommen, die Quoten sanken und der Sender versuchte mit regelrecht verzweifelt anmutenden Manövern, seine Figur attraktiver zu machen: Plötzlich erschien Fishburnes als betont steifer Wissenschaftler eingeführter Raymond Langston im Sweatshirt statt im Einreiher zum Dienst und offenbarte eine Leidenschaft fürs Motorradfahren.

Eine geradezu dramatisch schlechte Idee war es, die X-Akten nach David Duchovnys Abgang nicht umgehend zu schließen. Stattdessen wurde Gillian Andersons Scully der hüftsteife Robert Patrick zur Seite gestellt. Doch Mulder ließ sich nicht ersetzen. Der Erfolg von Akte-X basierte zu einem Gutteil auf der langsam wachsenden Beziehung zwischen ihm und der spröden Medizinerin. Für das Finale der Serie kehrte Duchovny dann noch mal zurück - am Ende war sie da aber schon länger.

TV-Serien
Nervige Gaststars und brave Bettszenen
TV-Serien
Wie Sender Fans vergraulen
Video: krc/news.de/Unitec

Mit einem besonders kuriosen Kunstgriff versuchten die Macher von Dallas 1986, einen ähnlichen Fehler zu beheben. Sympathieträger Bobby Ewing war nach einem Autounfall den Serientod gestorben. Als den Produzenten der Serie ihre Torheit - Bobby war bei den Fans immens beliebt - auffiel, erklärten sie in einer der folgenden Episoden alle vorangegangenen kurzerhand zu einem Traum. Bobby stand plötzlich quicklebendig unter der Dusche, als wäre nichts gewesen.

Die Show muss weitergehen - um jeden Preis

Ein Personalumbau kann einer Serie aber auch zu Kultstatus verhelfen. Mit Schirm, Charme und Melone fand seine Erfolgsformel erst 1963 im Laufe der zweiten und dritten Staffel. Patrick Macnees Gentleman-Agent John Steed wurde nach dem Ausscheiden von Ian Hendry von einer Neben- zur Hauptfigur befördert, Honor Blackman etablierte einen neuen, modernen weiblichen Heldentyp, bevor sie die Serie für die Dreharbeiten zum dritten James-Bond-Film Goldfinger verließ. Diana Rigg wurde ihre Nachfolgerin. Das Duo, das Mit Schirm, Charme und Melone bis heute unvergessen macht, gab es schließlich lediglich in der vierten und fünften Staffel.

Dr. House hingegen war vom Start weg ein Riesenhit und ist ohne die Hauptfigur und den unnachahmlichen Hugh Laurie kaum vorstellbar. Wenn sich eines jedoch mit den Jahren gezeigt hat, dann, dass Sender und Produzenten für die Fortführung von Erfolgsformaten jeden künstlerischen Preis zu zahlen bereit sind. Jeden.

Gerade versuchen die Macher von Two And A Half Men allen Ernstes, die Sitcom ohne Charlie Sheen fortzusetzen und einfach einen anderen Co-Star für Serienpartner John Cryer zu finden. Und wer den schlimmsten Schwerenöter der TV-Geschichte für austauschbar hält, der macht auch vor dem zynischsten Topmediziner nicht halt. Die Show muss schließlich weitergehen. Koste es, was es wolle.

oro/wie/ivb/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Marita
  • Kommentar 1
  • 16.05.2011 15:41

NEIN - HUGH LAURI IST AUF KINEN FALL ERSETZBAR!!! ICH HOFFE SEHR; DASS ALLE SICH EINIGEN UND WEITERE STAFFELN FOLGEN WERDEN!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig