ESC-Fans «Der Contest ist eine schwule Veranstaltung»

Heppi Herrlich (Foto)
Im Euro Club in der Düsseldorfer Altstadt treffen sich die ESC-Fans. Heppi Herrlich ist auch da. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Düsseldorf
Sie kommen aus vielen Teilen Europas, um ihre Landesvertreter in Düsseldorf zu sehen. Dabei sind die Fans des Eurovision Song Contests ein eigenes Völkchen, ein friedliches und kritisches, sagen Mitglieder des deutschen Eurovision Clubs.

Die ESC-Teilnehmer 2011

Vor der Arena in Düsseldorf begrüßen sich Finnen, die sich noch nie zuvor gesehen haben, mit einem Küsschen. Erkannt haben sie sich an den blauen Hosen und den weißen Hemden - den Landesfarben. Und natürlich an den überdimensionalen Flaggen. Später werden beim ersten Halbfinale des Eurovision Song Contests (ESC) in der Halle ihre Sänger gegeneinander antreten. Aber hier draußen liegen sich maltesische und aserbaidschanische Fans in den Armen.

«Wir sind eine große internationale Familie», sagt Chris Köther. Der Wuppertaler ist Schatzmeister des deutschen Eurovision Clubs (ECG). Mit anderen ESC-Fans sitzt er in einer Düsseldorfer Altstadt-Bar, die zum Euroclub umgestaltet wurde, und fachsimpelt. Seit 1973 sei er Grand Prix begeistert. Damals habe er heimlich aus dem Flur ins Wohnzimmer gelugt, wo Oma und Opa den europäischen Schlagerwettbewerb schauten. Und spätestens seit der Teilnahme von Abba im Jahr darauf war bei ihm das Fanherz geöffnet.

Fans beim ESC
Ein Fest der Völkerverständigung

«Da war für mich die Grand Prix Bühne die große Welt. Das war auch immer ein kulturelles Erlebnis, landestypische Musik auf einer solchen Veranstaltung zu erleben.» Er bedauere es ein bisschen, dass nicht mehr in den jeweiligen Landessprachen gesungen werden muss. Denn 1999 wurde die Sprachregelung abgeschafft. Deshalb darf Chris Köthers Favoritin Nadine Beiler aus Österreich statt «Das Geheimnis ist Liebe» The Secret Is Love singen. «Zum Sterben schön» sei dieses Lied, sagt der Fan, der nach eigener Aussage 50 Wochen im Jahr ein braves Leben als Bilanzbuchhalter führt. Aber für die zwei Wochen um den ESC bekomme er von seinem Chef gern frei. «Ich habe in beiden österreichischen Proben Rotz und Wasser geheult», sagt Chris.

ESC 2011 - Österreich
Nadine Beiler - The secret is love
Video: news.de/youtube

Auf der Bierbank ihm gegenüber sitzt Heppi Herrlich. Der Travestiekünstler ist auch Mitglied des Eurovision Clubs und hat sich für das erste Halbfinale herausgeputzt. Sein Anzug ist knallbunt und auf dem Kopf trägt er einen großen silbernen Stern. Das soll an den ukrainischen ESC-Beitrag aus dem Jahr 2007 erinnern. Verka Serduchka, eigentlich Andrij Danylko, landete für die Ukraine mit Dancing Lasha Tumbai auf dem zweiten Platz. Das Lied hatte für Aufregung in Russland gesorgt. Wer sich verhören wollte, konnte «Lasha Tumbai» auch als «Russia Goodbye» verstehen.

Ist der Grand Prix schwul?

Die politischen Dimensionen des ESC sind natürlich auch ein Thema unter den Fans. Besonders heiß diskutiert wird die Teilnahme Weißrusslands. «Ich finde es schlimm, dass die letzte europäische Diktatur ein Lied singt, dass I Love Belarus heißt», sagt Chris Köther. «Das überschreitet die Grenze zum Zynischen.» Er finde es jedoch genauso skandalös, dass der Veranstalter des ESC, die European Broadcasting Union, «so ein Land überhaupt teilnehmen lässt». Denn falls sie gewinnen, dürften sie auch den Song Contest ausrichten. Ein Schlag ins Gesicht der Völkerverständigung.

Heppi Herrlich nickt zustimmend und fährt immer wieder mit seiner Hand über einen weißen Umschlag, der vor ihm auf dem Tisch liegt. Darin die Tickets für beide Halbfinals und die große Show am Samstag. «Seitdem ich denken kann, bin ich großer Grand-Prix-Fan und damit erfülle ich mir meinen Lebenstraum», sagt der Kölner. Er hatte nicht so eine weite Anreise wie viele der Mitglieder aus anderen europäischen Fanclubs. 2100 organisierte Fans aus 40 Ländern sind nach Düsseldorf gereist, dazu kommen noch Abertausende, die keinem Verein angehören.

Eurovision Song Contest
Sie singen um die Schlagerkrone

Den ECG gibt es seit 11 Jahren, 800 Mitglieder habe er deutschlandweit. Und da das Spiel mit Zahlen sein Beruf ist, legt Schatzmeister und Bilanzbuchhalter Chris Köther nach. «Von denen sind 700 Männer und davon sind 650 schwul.» Warum das so ist? «Der Eurovision Song Contest ist auch eine schwule Veranstaltung.» Vielleicht, weil es heterosexuellen Männern peinlich wäre zuzugeben, Schlagerpop zu mögen. Der «durchschnittsschwule Mann» habe damit keineswegs ein Problem. Doch Heppis und Chris' Suche nach Gründen geht weiter. «Viele schwule Männer finden starke Frauen gut und beim Grand Prix waren in den vergangenen 55 Jahren viele Frauen mit tollen Stimmen und tollem Aussehen dabei», meint Chris. «Die Frauen werden vergöttert und wie Diven behandelt», fällt Heppi dazu ein. «Zum Beispiel Vicky Leandros.»

ESC 2011 - Finnland
Paradise Oskar - Da Da Dam
Video: boi/news.de/youtube

Aber der Grand Prix nur schwul? Dieses Vorurteil wollen sie nicht auf sich sitzen lassen. Ob alt, jung, hetero, homo, bieder oder ausgeflippt - «Der ESC hat etwas Völkerverbindendes.» Deshalb will sich der deutsche Eurovision Club auch nicht als «Lena-Supporting-Club» verstanden wissen. «Wenn das serbische Lied toll ist, bejubeln wir das.»

Eurovision Song Contest - zweites Halbfinale, 12. Mai, 21 Uhr im Ersten

ESC 2011 Norwegen
Stella Mwangi - Haba Haba
Video: youtube/news.de
ESC 2011 - Israel
Dana International - Ding Dong
Video: YouTube

wam/reu/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Oyinbo
  • Kommentar 4
  • 13.05.2011 23:43

Diese tuntigen Wichtigtuer kann man sich nicht mehr anschauen. Man kommmt sich bei ARD und PRO7 vor wie auf der Hauptbühne des Christopher Street Day. Ich hab nix gegen Homosexuelle, aber was da abgeht, ist nur noch peinlich.

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  • hansgeil
  • Kommentar 3
  • 12.05.2011 00:41

Da zahle ich nicht GEZ, und die Rache ist das grotten- scheißigste, was dann folgt. Bitte, ich bin bekehrt. So bitte nicht. Lena, die Folter ! Ich zahle wieder GEZ, aber bitte verpiss dich !!! Bitte !

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  • hansilein
  • Kommentar 2
  • 12.05.2011 00:37

Was soll das "schwul" ? Grottenschlecht ist das, wenn Klein-Lena so gepusht wird, dass Audio- Botox leider nicht die Ohren verschmiert. Das ist so Scheisse ! Wenn ARD und ESC das machen, natürlich Kult. So weit ist es: SCHEISSE WIRD KULT !!! Lena mach Haufen !!! (Für Insider: Blind date...: "taken by a stranger") Huhu, huhu, huuuuhu ! Klein- Lena soll sich die Typen genau ansehen...Lena macht es für Geld, oder ? GERMANY einen übergezogen...abgezogen. Germany -100 pts. Sind wir alle ein bißchen Alzheimer ?...Scheiße !

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