«Anne Will» Osama ist tot, es lebe Obama!

Anne Will (Foto)
Anne Will und ihre Gäste John Kornblum (zweiter von rechts) und Michael Wolffsohn (ganz rechts). Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Von news.de-Redakteur Martin Walter
Freude über den Tod eines Menschen? Anne Wills Gäste diskutierten über die Reaktionen auf die Liquidierung des Terror-Chefs. Einer der Protagonisten sang dabei Loblieder auf den US-Präsidenten und sorgte für einen kleinen Eklat.

Es war ausgerechnet der ehemalige US-Botschafter John Kornblum, der unfreiwillig für den Aufreger des Abends und ein erschrockenes Raunen im Studio-Publikum sorgte. Der Ex-Diplomat setzte gerade zu einem Statement an, als ihm in Verwechslung der beiden nahezu identischen Namen der Satz «Obama ist tot» herausrutschte.

Ein Versprecher, der umso mehr Tragikomik beinhaltete, da gerade Kornblum über die gesamte Sendezeit den Eindruck vermittelte, als sei er von Barack Obama persönlich ins Studio von Anne Will beordert worden, um Werbung in amerikanischer Sache zu machen. «Obama ist der beste Präsident, den Europa je haben könnte», versuchte er die Runde mehrmals zu überzeugen, die ursprünglich dazu angetreten war, die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Freude über die Liquidierung Osama Bin Ladens zu diskutieren, sich dann jedoch schnell in Richtung einer außenpolitischen Zwei-Fronten-Debatte entwickelte.

Kampf gegen Terror
Der meistgesuchte Terrorist der Welt

Dabei waren die Lager klar verteilt: Auf Kornblums Seite gesellte sich der Historiker Michael Wolffsohn, während das Gegenlager die ehemalige Justizministerin Hertha Däubler-Gmelin und der Journalist Ulrich Kienzle bildeten, flankiert von Richard David Precht, der als Philosoph in erster Linie für die moralische Auslegung der Ermordung bin Ladens zuständig war.

Merkel schmeißt sich an Obama ran

Wohlwollende Einigkeit demonstrierte die Runde nur zu Beginn der Diskussion, als man sich auf das Wort «Erleichterung» als passenderen Begriff für die Gefühlslage nach dem Tod bin Ladens verständigen konnte. Dieser Aspekt hatte in Deutschland für Aufregung gesorgt, da Kanzlerin Angela Merkel in einer ersten Stellungnahme von «Freude» über den Tod des Terror-Chefs gesprochen hatte und damit reichlich Empörung hervorrief.

Terrorchef
Private Videos von Bin Laden
Video: dapd

Eine Formulierung, die Richard David Precht als ein «Heranschmeißen an die USA» wertete, nachdem das deutsch-amerikanische Verhältnis in jüngster Zeit nicht ungetrübt war. Damit legte ausgerechnet der Philosoph gewissermaßen den Grundstein für den außenpolitischen Charakter der Runde, die sich in der Folge  den transatlantischen Beziehungen, dem gültigen Völkerrecht und zukünftigen Strategien hinsichtlich Terrorismus und Militär-Interventionen widmete.

Während Ulrich Kienzle in diesem Zusammenhang sehr schnell die Frage aufwarf, ob Amerika überhaupt noch die gleichen Werte wie Europa habe, prangerte Kornblum im Gegenzug - darauf bedacht Deutschland nicht explizit zu benennen - mehrfach das Verhalten einiger europäischer Staaten an, die Amerika quasi die Drecksarbeit erledigen lassen würden.

Ihm zur Seite stand der provokant auftretende Michael Wolfsohn, der die Liquidierung bin Ladens als «humanitäre Kriegsführung» rechtfertigte, das gezielte Töten militärischer Anführer sei legitim. Das handelte dem Münchener Historiker allerdings den Widerspruch von Ulrich Kienzle ein, der selbiges als «Quatsch» erachtete und die USA vielmehr für die Hochstilisierung der Person Osama Bin Laden zu einer «Großmacht» kritisierte, die dieser niemals dargestellt habe.

Leben mit dem Terror

Kontrovers ging es auch hinsichtlich der Auslegung des gültigen Völkerrechts zu, wo sich speziell Hertha Däubler-Gmelin und Michael Wolffsohn mehrfach ins Gehege gerieten. Auch ein Einspieler mit einem Experten-Statement, das die Meinung Däubler-Gmelins bestätigte, konnte Wolffsohn nicht von seiner Überzeugung abbringen, die - nicht allzu überraschend - auch John Kornblum teilte: Die Geheim-Aktion der amerikanischen Spezialeinsatzkräfte sei völkerrechtlich in Ordnung gewesen.

Talk ohne Politiker
Die schrägsten Gäste bei «Anne Will»

So beschäftigte sich die Runde in der Hauptsache damit, «die Symptome und nicht die Ursachen zu diskutieren», wie es ihr der Studiogast Lars Fiechtner vorhielt. Der Biologe hatte seine Schwester 2001 in den Türmen des World Trade Centers verloren. Aus diesen Anschlägen habe man bis heute nichts gelernt, klagte Fiechtner in einem bemerkenswerten Appell, schließlich sei nicht bin Laden der Terrorismus gewesen, sondern lediglich eine Auswirkung. Eine Einschätzung, die zumindest Ulrich Kienzle vorbehaltlos teilte und eine düstere Prognose äußerte: «Wir müssen lernen, mit dem Terrorismus zu leben.»

Bestes Zitat: «Angela Merkel hat eine gute Chance verpasst, den Mund zu halten.» (Richard David Precht über die erste Stellungnahme der Bundeskanzlerin)

bas/ivb/news.de

Leserkommentare (24) Jetzt Artikel kommentieren
  • schlontz
  • Kommentar 24
  • 23.05.2011 15:08
Antwort auf Kommentar 3

ich hätte es nicht besser sagen können bin laden ist nun endlich da wo er hingehört!!!punkt das grenzenlose gutmenschentum hierzulande führt mitlerweile dazu dass ich mich schäme deutscher zu sein,ernsthaft(!)

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 23
  • 10.05.2011 15:43

Wenn der Tod für Osama keine Erlösung war,wieso hat man ihn nicht zum Leben verurteilt?Allerdings könnte man am Dunstkreis seiner Bewunderer,wie Precht o.Däubler-Gmelin, ein Osama-bin-Laden-Exempel statuieren.Denn niedere Beweggründe gehören gehören weggesperrt. Ein schönes Zeichen für eine erwachende Welt ist jedoch, dass es kein Versteck für das Terroristenpack gibt. Daher fehlt dem Westen nur noch das Ertüchtigungscamp, in dem den Terroristen und ihrem Anhang Moral beigebracht wird. Die Zone der Katharsis muss noch geschaffen werden. Vorbildliche Vorlagen gibts doch!

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  • Peter aus der Provinz
  • Kommentar 22
  • 10.05.2011 10:20
Antwort auf Kommentar 21

Absolut richtige Bemerkungen. Leider haben in Deutschland Verbrecher mehr Rechte wie ihre Opfer. Frau Däubler-Gmelin und Herr Pracht haben mehr Vertständnis für einen Verbrecher und Mörder unschuldiger Civil-Opfer einschl Kinder. Mir ist nicht bekannt, dass diese Opfer bewafnet waren.

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