«Scream»-Reihe Gekreische mit Augenzwinkern

Nach elf Jahren Pause ist eine der erfolgreichsten Horroserien aller Zeiten zurück: Scream 4 läuft im Kino an. Kabel Eins zeigt mal wieder den ersten Teil. Und news.de erklärt, was das Besondere war an Scream und was sich im Horrogenre seither getan hat.

Scream bot 1996 in erster Linie einen Ausweg, das Genre des Slasherfilms war nämlich in eine Sackgasse geraten. Die publikumswirksamen Schocker um psychopathische Serienmörder, die Heranwachsenden nach dem Leben trachten, wurden in der 1970ern zum Renner, liefen sich Ende der 1980er jedoch - ausgewalzt in schier endlosen Reihen - schließlich tot. Was in Halloween, Freitag der 13. oder beim Texas Kettensägen-Massaker noch frisch und unverbraucht gewirkt hatte, brach unter der Last der eigenen Konventionen und Regeln praktisch zusammen. Auch die beste Idee trägt nicht beliebig viele Fortsetzungen.

Drehbuchautor Kevin Williamson brachte überraschend Schwung in das lahmende Sujet, indem er eben jene Konventionen und Regeln selbst zum Thema machte. Wes Cravens Scream trieb sein Spiel mit ihnen und verständigte sich immer wieder augenzwinkernd mit seinem Publikum. Der Film setzte Erfahrung mit dem Genre voraus und belohnte sie mit Pointen. Berühmt geworden sind die im Film formulierten Regeln «Habe keinen Sex, konsumiere weder Alkohol noch Drogen und sage niemals ‹Ich bin gleich zurück›.» Wer sie verletzt, beißt garantiert ins Gras.

Scream 2 und 3 konnten 1997 und 2000 immerhin noch mit den speziellen Herausforderungen zweiter und dritter Teile Schabernack treiben, dann war auch hier der Ofen aus. Cravens und Williamsons Impuls fand zahlreiche Nachahmer von Düstere Legenden bis zu Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast. Ironie und rücksichtsloser Originalitätswillen stießen Anfang der Nullerjahre an ihre Grenzen. Der 11. September 2001 kam und es begannen die großen Jahre der Neuauflagen.

In den Nullerjahren war Ironie nicht angesagt


The Hills Have Eyes und Dawn of the Dead verzichteten zwar nicht gänzlich auf Humor, waren aber letztlich grimmig im Ton und schnörkellos in ihrer Inszenierung. Handlungskapriolen waren nicht länger gefragt. Der Trend zu immer sadistischeren Szenarien, angefacht durch die Saw- und Hostel-Filme, trieb dem Genre dann alle noch verbliebene Leichtigkeit aus. Das Publikum braucht nun kein Vorwissen mehr - es langt ein stabiler Magen.

So stellt sich die Situation anno 2011 dar

Scream 4 kann die Horrortrends und -themen der letzten zehn Jahre insofern wieder ironisch kommentieren und abwandeln. Andererseits entwickelt er dieses Konzept nicht weiter und wird darum letzten Endes selbst zur bloßen Neuauflage des ersten Teils.

An den amerikanischen Kinokassen schnitt Scream 4 enttäuschend ab. Spielte selbst Teil drei bei einem Budget von 40 Millionen Dollar noch 160 Millionen ein, konnte Teil vier bei vergleichbaren Kosten gerade einmal 31 Millionen einfahren. Der Ansatz der Reihe, Gewalt und Genreregeln zu ironisieren, scheint nicht mehr zu verfangen.

Die Scream-Filme als Seifenoper

Gerade die Scream-Filme lassen aber noch eine andere Lesart zu: Sie entsprechen dem Muster von Seifenopern. So gibt es ein festes Grüppchen von Haupt- und eine ganze Schar von Nebenfiguren, die ständig neue Täter-Opfer-Konstellationen bilden. Verschollene Verwandte tauchen auf und der Drahtzieher hinter den Morden entpuppt sich in Teil 3 als verstoßener Halbbruder der Heldin. Man schaute die Fortsetzungen auch aus Interesse am Schicksal liebgewonnener Figuren.

Anders als Freitag der 13. oder Halloween können diese nicht beliebig ausgewechselt werden. Scream 4 ist darum vielleicht die letzte Möglichkeit, die Darstellerriege noch mal überzeugend zusammenzubringen. Courtney Cox wird 47, Neve Campbell 38. Lange kann man sie nicht mehr in Teenagerfilmen besetzen, ohne dass die Zielgruppe rebelliert.

Das Slashergenre wird weiterleben. Mit mehr Augenzwinkern oder weniger, mit Wut im Bauch oder Wohlstandspeck an den Hüften. Scream 4 ist nicht als endgültiger Abschluss der Reihe ausgelegt, macht sie aber auch nicht kaputt. Und das ist gar keine schlechte Leistung bei einer auch schon wieder 15 Jahre alten Idee.

Titel: Scream
Regie: Wes Craven
Darsteller: Neve Campbell, Skeet Ulrich, Courtney Cox, David Arquette und andere
Sendetermin: Mittwoch, 4. Mai 2011, 22.10 Uhr, Kabel Eins

«Scream» & Co.: Wie man einen Horrorfilm überlebt

Scream 4 läuft am 5. Mai 2011 in den deutschen Kinos an.

car/news.de

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