Monty Python Irrsinn mit Oxford-Abschluss

Monty Python sind nach wie vor der Goldstandard in Sachen Humor. Bis heute war kaum ein Komikformat im TV subversiver, geistreicher oder lustiger. An drei Abenden zeigt Arte ab heute drei Kinofilme der Ausnahmehumoristen und eine sechsteilige Dokumentation.

Die Fernsehshow heißt Erpressung und ihr Name ist Programm: Ein geschmacklos angezogener Gastgeber ruft bei «Kandidatin» Betty an und fordert sie in galantem Tonfall auf, 15 Pfund zu überweisen. Andernfalls werde er den Namen ihres Liebhabers verraten. Danach ist ein Abgeordneter an der Reihe, der durch Bezahlung von 3000 Pfund die Veröffentlichung kompromitierender Fotos abwenden könne. Als nächstes sind wackelige Amateuraufnahmen eines Fensters zu sehen, hinter dem sich offenbar ein Paar vergnügt. Erst wenn der gezeigte Herr in der Sendung anrufe, werde die Ausstrahlung abgebrochen.

Erpressung
ist kein neues skandalträchtiges Trashformat eines deutschen Privatsenders - siehe Nichts als die Wahrheit oder Tatort Internet. Es ist ein Monty-Python-Sketch von 1970 und er hat in den letzten 40 Jahren weder an Witz noch an satirischer Brisanz verloren.

Große Kunst muss nicht zwingend aus Leid entstehen. Die Pythons entstammten liebevollen Mittelstandsfamilien, besuchten die besten Universitäten und hätten sicher wunderbare Hirnchirurgen oder Notare abgegeben. Wollten sie aber nicht. Graham Chapman, John Cleese, Eric Idle, Terry Gilliam, Terry Jones und Michael Palin hatten andere Pläne, vor allem aber eines: Unsinn im Kopf.

Zündende Gags statt brennender Barrikaden

Monty Python: «Kommen wir nun zu etwas völlig anderem»

Sie fochten keine Rebellion gegen untragbare Lebensbedingungen aus, sondern lediglich gegen die Grenzen ihrer vorgezeichneten Lebenswege als Ärzte oder Anwälte, gegen die Grenzen von Sitte, Anstand und Moral sowie natürlich die Grenzen des guten Geschmacks. Politisch war das Ganze dann doch irgendwie - nur brannten eben keine Barrikaden. Was ihnen nicht gefiel, gaben die Sechs einfach der Lächerlichkeit preis.

Kreativität und jugendlicher Übermut entluden sich vor allem an den Traditionen und Strukturen ihrer Elterngeneration. Standesdünkel und bürokratische Verstocktheit wurden ebenso zur Zielscheibe aberwitziger Sketche wie Formatvorgaben. Witze mussten hier nicht unbedingt eine Pointe haben. Die Pythons assoziierten sich von einem Thema zum nächsten, brachen Sketche mittendrin ab oder gaben ihnen absurde neue Richtungen. Terry Gilliams Trickfilm-Collagen bildeten den Kitt, der die Szenen zusammenhielt.

Arte zeigt neben den Kinofilmen der Pythons Erik, der Wikinger, Die Ritter der Kokosnuss und Das Leben des Brian die sechsteilige Dokumentation Fast die ganze Wahrheit. Die erste Folge arbeitet sich vor von den Kindheitserinnerungen und humoristischen Vorbildern wie der Goon Show mit Peter Sellers bis hin zu den ersten gemeinsamen Auftritten auf den Kleinkunstbühnen der ehrwürdigen Universitäten zu Oxford und Cambridge. Dort verlasen sie etwa alttestamentarische Geschichten im Duktus einer Nachrichtensendung. Der Stil der Ausnahmekomiker zeigte sich schon, bevor sie ihrem Treiben seinen legendär-bescheuerten Namen gaben: Monty Pythons Flying Circus.

Freifahrtschein von der BBC

Teil zwei der Dokumentation thematisiert dann die Anfänge im Fernsehen. Nach einem aus heutiger Sicht geradezu absurd kurzen Termin mit einem Senderverantwortlichen bekamen die Sechs von der BBC praktisch einen Freifahrtschein. Die Manager interessierten die Details ihrer Programme damals herzlich wenig und so begannen die Pythons, sich auszutoben. Neben ehemaligen Mitschülern und Kommilitonen kommen in der Dokumentation auch zahlreiche Komödianten wie Russell Brand und Simon Pegg (Shaun of the Dead) zu Wort und erläutern, was für sie den bis heute ungebrochenen Reiz des python'schen Humors ausmacht.

Besonders schön sind die ratlosen Gesichter allerorten, als sie nach ihrem liebsten Sketch gefragt werden. Für was soll man sich bei so viel kreativem Irrsinn schon entscheiden: Für den toten Papagei? Die Spanische Inquisition? Den Selbstverteidigungskurs gegen Obst? Oder das Ministerium für alberne Gangarten? Es sind einfach zu viele - selbst für wortgewandte Komiker von heute. Und deren stummes Staunen ist dann doch vielleicht die schönste Ehrerbietung für die Pythons.

In der Monty-Python-Reihe Always Look On The Bright Side Of Life laufen bei Arte:

Erik der Wikinger, Sonntag, 1. Mai 2011 um 20.15 Uhr
Monty Python - Fast die ganze Wahrheit (Folgen 1+2), Sonntag, 1. Mai 2011 ab 22.05 Uhr
Die Ritter der Kokosnuss, Montag, 2. Mai 2011 um 20.15 Uhr
Monty Python - Fast die ganze Wahrheit (Folgen 3+4), Montag, 2. Mai 2011 ab 21.40 Uhr
Das Leben des Brian, Freitag, 5. Mai 2011 um 20.15 Uhr
Monty Python - Fast die ganze Wahrheit (Folgen 5+6), Freitag, 5. Mai 2011 ab 21.45 Uhr

 

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Xiroii
  • Kommentar 1
  • 01.05.2011 18:54

Das ist die geilste und lustigste Truppe aus England. Normalerweise muss man ja schon lachen, ohne das ein Engländer irgendetwas macht, aber die Python Truppe ist der Gipfel des englischen, schwarzen Humors. Normalerweise sollte die Folgen des Fliegenden Zirkus auch immer an Ostern gezeigt werden als Gegenstück zum "Dinner for One" an Weihnachten. Die Jungs sind so stumpf es ist einfach immer wieder genial die Sketche zu schauen, auch wenn man sie schon kennt. Der Papageiwitz kommt sogar noch besser an, mit der deutschen Sinchronisation und dem Hamburger Slang, an als das Original.

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