«Kommissarin Lucas» Der Omastrich und die Hartz-IV-Falle

Kommissarin Lucas (Foto)
Zwei Altersprostituierte auf dem Weg zur Arbeit: Maria Bolte (Renate Krößner, links) und Agneta Wilhelm (Traute Hoess). Bild: ZDF

Von news.de-Mitarbeiterin Ina von Brunn
Der ZDF-Samstagskrimi nähert sich einem Tabuthema: Altersprostitution. Die Tote ist eine 63-jährige Hure. Weil Hartz IV zum Leben nicht reicht, verkauft sie ihren Körper. Mit tödlichen Folgen. Ein Fall für Kommissarin Lucas.

Eine ältere, stark geschminkte Frau trifft auf einer Fußgängerbrücke einen jungen Mann. Die beiden sind ein Liebespaar. Wenig später wird diese Frau auf der Donau-Uferpromenade tot aufgefunden. In ihrer Handtasche finden sich neben Schminkutensilien einige Kondome. Der Mann, mit dem sie zusammen war, fällt unter den Schaulustigen auf. Die Polizei verfolgt ihn. Die Spur führt ins Rotlichtmilieu.

Schnell wird klar: Das Opfer ist eine Prostituierte. Die 63-Jährige besserte auf dem «Omastrich» ihre mageren Einkünfte auf. Der Krimi Am Ende muss Glück sein aus der Reihe Kommissarin Lucas rührt an ein Tabu: Es geht um ältere Frauen, die auf dem auf Jugendlichkeit abonnierten Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben und deshalb die Prostitution als letzten Ausweg für sich sehen.

«Kommissarin Lucas»
Am Ende muss Glück sein
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Ehemänner verhalten sich wie Zuhälter

Und die Ehemänner? Sie nehmen das Geld ihrer Frauen, als wären sie Zuhälter. Dabei verschließen sie die Augen vor dem nächtlichen Treiben ihrer Angetrauten und fragen gar nicht erst, woher das Geld stammt, das sie in der nächsten Kneipe versaufen. Die Ehen sind ohnehin zerrüttet, ein Ausweg aus der Hartz-IV-Falle nicht in Sicht.

Vor ihrem Dasein als «Freizeitprostituierte» waren Maria Bolte, so der Name der Toten, und ihre Freundin Agneta Wilhelm Ein-Euro-Jobberinnen. Im Park sammelten sie den Müll der anderen auf und saßen zu Hause auf einem Schuldenberg. Ohne jegliche Aussicht auf einen neuen Job oder eine Besserung ihrer Lage. Die Verzweiflung trieb sie auf den Strich.

Kommissarin Lucas muss sich diesmal immer wieder einem Vergleich mit den älteren Prostituierten stellen, ist sie doch in einem ähnlichen Alter. So bekennt ihre junge schwangere Kollegin, dass sie für ihr Kind alles tun würde und schließt dabei den Strich nicht aus. Ob sich die Kommissarin das nicht auch vorstellen könne? Doch Ellen Lucas kann aus ihrem sicheren fest angestellten Arbeitsverhältnis heraus nur schwer nachvollziehen, was die älteren Damen dazu bewegt, sich zu prostituieren.

Ein zweiter Mord

Wer ist der Täter? Der Nachtclubbesitzer, der sein eigenes Geschäft durch die Billigkonkurrenz der Omis gefährdet sieht? Der junge Geliebte der Toten, weil diese mit ihm Schluss machen wollte? Seine Mutter (Hannelore Elsner), die den Omis Asyl in ihrer Kneipe gewährt, ihnen Zimmer zur Verfügung stellt und als Ex-Prostituierte ihre schützende Hand über sie hält, der jedoch die Beziehung ihres Sohnes ein Dorn im Auge ist? Die Freundin und Leidensgefährtin des Opfers?

Plötzlich geschieht ein zweiter Mord. War es derselbe Täter? Bis zum Schluss scheint alles möglich.

Am Ende muss Glück sein beleuchtet ein an den Rändern unserer Gesellschaft angesiedeltes Problem. Dabei nähern sich Regie und Buch einfühlsam einem sensiblen Thema, ohne die betroffenen Frauen zu verurteilen. Die Kommissarin wird dabei zum Kontrastbild einer voll in die Gesellschaft integrierten berufstätigen älteren Frau, deren Denken kaum die Gründe, die zur Prostitution führen, zu durchdringen vermag. Abgerundet wird das Ganze durch hervorragende Gastschauspieler.

Bestes Zitat: «Jetzt stehn’s da net so kommissarisch rum.» (Vermieter Max zu Kommissarin Lucas, die an seinem Auto lehnt)

Titel: Kommissarin Lucas – Am Ende muss Glück sein
Regie: Maris Pfeifer
Buch: Friedrich Ani
Darsteller: Ulrike Kriener, Hannelore Elsner, Elmar Wepper, Vladimir Burlakov und andere
Sendetermin: Samstag, 23. April 2011, 20.15 Uhr, ZDF

car/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • katalina k
  • Kommentar 3
  • 24.04.2011 10:05

Es gibt in unserer Gesellschaft tatsächlich nur noch wenige Dinge, die aufrechterhaltenswert sind. Was für eine beschämende Entwicklung! Ja, die von uns bezahlten Damen und Herren Politiker sind wahrlich die größten Huren und verantwortlich für solche entwürdigenden Zustände. Wer da nicht mehr mitmachen will, muss sich wehren oder dem System entziehen. Empörung ist angesagt - an jeder Stelle und jedem Augenblick, an dem wir diese Mängel erleben.

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  • Alexander Voronin
  • Kommentar 2
  • 23.04.2011 21:22

"Sie hört nicht auf. Sie kombiniert und kombiniert." Max, alias Hausmeister alias Tilo Prückner. Für den alleine würde sich das Anschauen lohnen. Der bringt mehr Verstand in die Sendung als alle anderen. Wunderbar!

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  • Peter Steffens
  • Kommentar 1
  • 23.04.2011 14:10

Traurig das es schon so weit ist und das es so ist glaube ich.Möchte aber auch zum Ausdruck bringen das (unsere)die Politiker die größeren HUREN sind,so wie die sich an die Lobby verkaufen,sollt mal lieben einen Film über diese Thema machen.Hoffe das die Omis gut in dem Streifen wegkommen denn leider bleibt ihnen oft nichts anderes übrig,SCHADE.Aber es hat ja schon mal jemand gesagt,geschrieben,DEUTSCHLAND SCHAFFT SICH HALT AB.Egal wieviele von unten dabei drauf gehen,sind eh lästig, gel,FRAU MERKEL!

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