«Wilsberg» Vom Beamten zum Aushilfsgigolo

Frischfleisch (Foto)
Wilsberg (Leonard Lansink) und Schönsee (Hugo Egon Balder) verstehen sich eigentlich prächtig. Ob das so bleiben wird? Bild: ZDF

Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Wilsberg Nummer 31 führt Ermittler und Zuschauer auf besonders zwielichtiges Terrain: Eine Agentur für Callboys ist Dreh- und Angelpunkt des aktuellen Falls Frischfleisch. Und Kommissarin Springer kennt sich da besser aus als Wilsberg lieb ist.

Erschlagen liegt Callboy Adam im Hotelzimmer. Detektiv Wilsberg (Leonard Lansink) glaubt seinen Augen nicht zu trauen: Zimmer und Gigolo hat Hauptkommissarin Anna Springer (Rita Russek) gemietet. Als sie aus der Dusche kam, war Adam tot und das Zimmer ein Tatort. Annas Bitte, sie nicht zu verraten, entspricht Wilsberg murrend. Gegenüber Kommissar Overbeck geben sich die beiden als zufällige Zeugen aus. 

Während Wilsberg der Callboy-Agentur Dreamboys und deren Chefin Tessa (Lavinia Wilson) auf den Zahn fühlt, versucht Anna alles, um von Overbeck nicht als letzte Kundin des Toten enttarnt zu werden. Als Wilsbergs Erkundigungen bei Tessas Klienten, zu denen auch die Frau des geradezu verdächtig entspannten Baulöwen Schönsee (Hugo Egon Balder) gehört, nicht recht fruchten wollen, greift er zu einem gewagten Plan: Er schleust Ekki (Oliver Korittke) als Callboy bei den Dreamboys ein. Der stoffelige Finanzbeamte ist davon allerdings gar nicht begeistert.

Frischfleisch entfaltet zu Anfang einen ganzen Strauß an Personen und Handlungssträngen. Im Gegensatz zu manch anderer filmischer Mörderjagd, verknüpft das Drehbuch von Jan Martin Scharf und Arne Nolting die privaten und beruflichen Ebenen der Figuren allerdings ziemlich schlüssig: Wilsbergs Patentochter Alex hat mit Tessa noch ein Hühnchen aus Studentinnentagen zu rupfen. Und Ekki trifft in seinem neuen Nebenberuf ausgerechnet auf seine rigorose Revisorin aus dem Finanzamt.

Toll als Komödie, behäbig als Krimi

Ist der Krimiplott jedoch erst einmal etabliert, zieht eine Flaute auf. Die Ermittlungen dümpeln über weite Strecken dahin. Wilsbergs großes Plus ist aber, dass Figuren und Dialoge auch über Phasen der erzählerischen Windstärke Null hinweghelfen.

Die sich windende Rita Russek ist hinreißend, ebenso Oliver Korittke als Wilsbergs Assistent in seiner wohl delikatesten verdeckten Mission. Als «harmlos und latent vertrottelt» beschreibt Tessa halb belustigt, halb lobend seinen Stil. Einzig Roland Jankowsky überzieht seine Figur gnadenlos. Die Theatralik, mit der Overbeck die Leitung des Falls angeht, ist eher nervtötend denn witzig.

Erstaunlich nahtlos fügt sich Hugo Egon Balder ins Ensemble ein. Bauunternehmer Schönsee spielt er mit einer undurchsichtigen Lässigkeit, die ihn zum perfekten Gegenpart des lakonischen Westfalen Wilsberg werden lässt. Balders und Lansinks gemeinsame Szenen gehören zu den Höhepunkten des Films. Frischfleisch funktioniert eher als Ensemblekomödie, weniger als handlungsorientierter Krimi - aber das war bei den 30 Wilsbergs zuvor ja auch nicht viel anders.

Bestes Zitat: «Wissen Sie, ich liebe Ihren Laden! Diese Atmosphäre von Weltfremdheit und Existenzminimum – herrlich!» (Schönsee in Wilsbergs Antiquariat)

Titel: Wilsberg – Frischfleisch
Regie: Hans-Georg Bücking
Darsteller: Leonard Lansink, Oliver Korittke, Rita Russek, Ina Paule Klink und weitere.
Sendetermin: Samstag, 9. April, 20.15 Uhr, ZDF.

«Wilsberg»
Ein Finanzbeamter für gewisse Stunden
Wilsberg (Foto) Zur Fotostrecke

car/ham/news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig