ARD-«Legenden» Die dunkle Seite des Ruhms

Horst Buchholz (Foto)
Deutschlands Antwort auf James Dean? Horst Buchholz hatte das Charisma, das dafür nötig schien. Bild: dpa

Von Paul Barz
Er war der James Dean des deutschen Kinos: Horst Buchholz. Mit viel Feingefühl porträtiert die ARD-Reihe Legenden den Berliner Schauspieler. Seine Witwe bekam die Folge über ihren Mann schon vorab zu sehen - und sie zeigte sich begeistert.

Zur Lichtgestalt gehören Schatten, zur Legende ihre dunklen Seiten. So auch bei Horst Buchholz, dem Kino-Stern der 1950er Jahre, damals Deutschlands Leinwand-Antwort auf James Dean: Steil-Aufsteiger im deutschen Film mit Streifen wie Die Halbstarken oder Felix Krull, dann ein Welterfolg mit Die glorreichen Sieben an der Seite von Yul Brynner. Doch sein kometenhafter Aufstieg wurde stark gebremst.

Durch den Abbau des Star-Systems alter Art bekam seine Karriere den großen Knick. Der private Absturz, begleitet von Alkohol und Depressionen, tat ein Übriges. «Genau das hat mich am Buchholz-Schicksal so fasziniert. Dieser krasse Gegensatz in einer Existenz», meint der Doku-Regisseur Lothar Schröder, der schon für die ARD-Reihe die Legenden Harald Juhnke, Heinz Erhardt und Grace Kelly porträtierte. Jetzt erhielt er höchstes Lob der Buchholz-Witwe Myriam Buchholz Bru: «Der Film ist fabelhaft geworden. Ich habe aus ihm selber manches über meinen verstorbenen Mann gelernt.»

Der Buchholz-Film eröffnet heute Abend die neue Legenden-Staffel der ARD mit nur drei Folgen. Auf Buchholz folgen jeweils montags Filme über Italiens einstige Sex-Göttin Claudia Cardinale von Michael Strauven und über die Charme-Schleuder unter allen deutschen Quizmastern, Hans Joachim Kulenkampff, von Philipp Engel.

«Ich bin in ganz Deutschland weltberühmt»

«Wir wollten eine Dame, zwei Herren, zwei internationale und eine nationale Größe», erläutert WDR-Redakteurin Christiane Hinz die Mischung. Wobei die «nationale Größe» Hans Joachim Kulenkampff (Kuli über Kuli: «Ich bin in ganz Deutschland weltberühmt») alle Aussicht auf den größten Einschalterfolg hat.

Denn «die Erfahrung lehrt: Unser Publikum zieht deutsche Stars ausländischen Größen vor», sagt Gerolf Karwath, federführender Redakteur der Reihe bei der ARD. Und dieses Publikum scheint eine besondere Neigung zu Stars der 50er zu haben, die sich dem Gedächtnis bemerkenswert nachhaltig eingeprägt haben. Karwath: «Das liegt dann sicher auch an der Portion Zeitgeschichte, die mit der jeweiligen Person rüberkommt.»

Im nächsten Sommer soll es dann mit den Legenden und ihrer inzwischen 13. Staffel weitergehen. Vermutlich wird dann auch Joachim Fuchsberger dabei sein, der für diese Staffel wegen des Todes seines Sohnes abgesagt hatte. Und man hat auch noch nicht die Hoffnung aufgegeben, die Show-Legende Caterina Valente vor die Kamera zu bekommen, obwohl die sich mit dem schlagenden Argument «Alles, was ich zu sagen habe, habe ich gesagt» seit ihrem Rückzug aus dem Showbiz jedem Interview verweigert. Karwath ist dennoch zuversichtlich: «Mit viel Charme, Blumen und Hartnäckigkeit, ähnlich wie bei der spröden Lilo Pulver, werden wir das schon hinbekommen.»

Legenden: Horst Buchholz, immer montags 21 Uhr, im Ersten.

roj/reu/news.de/dpa

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