TV-Film Dauerstreit im Relaxurlaub

Alle Anderen (Foto)
Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger): Sie ist laut und weltoffen, er zurückhaltend und unsicher. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Lutz Granert
Ein gemeinsamer Urlaub wird zur Zerreißprobe für ein Pärchen. Das auf der Berlinale 2009 mit zwei Silbernen Bären ausgezeichnete Beziehungsdrama Alle Anderen feiert heute seine Premiere im Free-TV.

Eine schöne Landschaft, Sonne und Erholung pur: So hat sich Chris seine Ferien vorgestellt. Als seine Schwester und die Eltern das Haus auf Sardinien verlassen, zieht er für ein paar Wochen mit Freundin Gitti ein. Doch schnell wachsen die Spannungen zwischen dem in sich gekehrten, bisher glücklosen Architekten und der flippigen PR-Redakteurin. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Chris und Gitti getrennte Wege gehen werden.

Maren Ade seziert in ihrer preisgekrönten zweiten Regiearbeit eine Paarbeziehung – und das schonungslos. Alle Anderen, heute Abend 20.15 Uhr auf Arte, zeigt permanentes Zusammensein, charakterliche Unterschiede und Zweifel an den eigenen Lebensentwürfen als zwischenmenschliche Konfliktherde, die sich immer wieder entladen. Dabei spart das Drama banale Alltagssituationen nicht aus – stets darauf bedacht, das Bröckeln der starken Gefühle füreinander sichtbar und spürbar zu machen. Immer wird dabei die Zukunftsfähigkeit dieser Beziehung erörtert, deren Vorgeschichte wir nicht kennen und auch nie kennen lernen.

Die Unsicherheit einer ganzen Generation

Gleich zu Beginn bekommt Chris von seiner Schwester ein Kompliment, dass ihm ein Kind gut stehe. Chris und Gitti haben nur Sex mit Kondom, schließlich wurde über Nachwuchs noch nicht gesprochen. Sie versucht Liebesgeständnisse zu erhalten. Er schweigt sich immer wieder aus. Und auf die Anmerkung von Chris, Gitti könne sich doch einmal so verhalten wie Andere, entgegnet sie nur mit «Ich will aber nicht so sein wie Andere.» Dieses Pärchen, Anfang dreißig, steht am Scheideweg: Auf einen Partner festlegen oder noch nicht, alternative Lebensstile entwerfen oder traditionelle verfolgen? Alle Anderen zeigt das Grübeln einer ganzen Generation, deren auffälligstes gemeinsames Merkmal die eigene Unsicherheit ist.

Dass das Beziehungsdrama dabei trotz aller Schwere unterhält und glaubhaft ist, ist vor allem den beiden lebensecht wirkenden Hauptfiguren zu verdanken. Lars Eidinger schafft es gut, den verschlossenen und genervten Weichling darzustellen. Birgit Minichmayr (Das weiße Band) nimmt man das hyperaktive Energiebündel, das ihn nicht wirklich ernst nehmen kann, ebenfalls jederzeit ab.

Alle Anderen verlässt sich dabei auf dieses Gespann, fokussiert und analysiert die von ihnen verkörperten Figuren. Der realistische Eindruck, der durch den Dreh an Originalschauplätzen, Handkamera und eine puristische Ausstattung entsteht, trägt entscheidend zur Intensität des Films bei. Einzig ein paar papierne Dialoge und wenige Manieriertheiten im Verhalten des Pärchens stören im ansonsten sehr stimmigen Gesamtbild. Alle Anderen ist ein anspruchsvolles Beziehungsdrama mit nur minimalen Schwächen.

Titel: Alle Anderen
Regie: Maren Ade
Darsteller: Lars Eidinger, Birgit Minichmayr, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka, Carina N. Wiese und weitere
Sendetermin: Donnerstag, 7. April, 20.15 Uhr, Arte

krc/news.de

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