«Maischberger» Teufel Alkohol und das Gute am Exzess

Gunter Gabriel bei Sandra Maischberger (Foto)
Gunter Gabriel schätzte bei Sandra Maischberger Promille. Bild: ARD

Ina BongartzVon news.de-Redakteurin
Sekt oder Selters? Sandra Maischberger diskutierte mit Rauschexperten und trockenen Alkoholikern, wie gefährlich Alkohol ist. Und ganz nebenbei stellte sich heraus: Gunter Gabriel war nie alkoholkrank - und ein ordentlicher Exzess ist Gold wert.

Sandra Maischberger wollte ihren Zuschauern am Abend offenbar eine kleine Verschnaufpause vom FDP-Politkarussell gönnen. Die personellen Umbauarbeiten der Liberalen waren ja schon Thema bei Anne Will am Sonntag, bei Reinhold Beckmann am Montag und werden auch wieder bei Frank Plasberg am Mittwoch zu besprechen sein. Folglich war die Farbe des Abends bei Maischberger eben nicht gelb, sondern nur blau. Es ging um das Thema Alkohol und die Frage: Heute blau, morgen blau, wann wird Alkohol gefährlich?

Zu Gast war Sänger Gunter Gabriel, für den Alkohol viele Jahre lang das war, was Herbert Grönemeyer 1984 besungen hat: «Ein Sanitäter in der Not / ein Anker und ein Rettungsboot». Als Sandra Maischberger von Gunter Gabriel wissen will, wann er das letzte Mal so richtig sturzbetrunken war, muss dieser überlegen: Das wird vermutlich so um 1995 gewesen sein. Dass er vor kurzem seinen Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer abgeben musste, zähle nicht. Gabriel hatte 1,1 Promille im Blut, für einen Mann wie ihn kaum der Rede wert. Alkoholiker sei er sowieso nie gewesen, er habe immer einen guten Grund fürs Trinken gehabt und von heute auf morgen aufhören können. Heutzutage gebe es auf seinem Boot ohnehin nur noch Tee.

Sandra Maischberger
Ochsentour bis ins Erste
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Wie Verkehrserziehung in der Oberstufe

Und dann war wieder Experimentierzeit bei Sandra Maischberger. Gunter Gabriel musste eine Rauschbrille testen, durch die der Träger nur so gut sehen kann, wie mit 0,8 Promille Alkohol im Blut. Herzlich willkommen bei der Verkehrserziehung für die Oberstufe. Als dann auch noch der Leiter einer Suchtklinik, Dr. Johannes Lindenmeyer, dazukam, um zu erklären, dass Alkohol bei Frauen anders wirkt als bei Männern, und generell jeder Mensch quasi eine eigene Alkoholverträglichkeit hat, war die Sendung an ihrem unterhalterischen Tiefpunkt angekommen.

Doch es saßen ja noch drei weitere Gäste mit in der blauen Runde: Autorin Tina Wolf, die über die Erfahrung mit ihrem alkoholkranken Vater ein Buch geschrieben hat, und die trockene Alkoholikerin Marlies Wank. Letztere ist eine ältere, höchst adrette Dame mit dezenter Brille, Silberbob und lavendelfarbenem Halstuch. Kaum zu glauben, dass sie mehr als 20 Jahre alkoholkrank gewesen ist. Seit 16 Jahren ist sie trocken. Sie erzählt von den zwei Flaschen Wein, die sie täglich heimlich getrunken hat, von den Schamgefühlen und der Angst, ihre Sucht könne entdeckt werden. Alkoholikern komme es nicht auf den Genuss an. Ihr habe immer das Tetrapack Wein von Aldi gereicht, um auf Pegel zu kommen.

Doch der interessanteste Gast des Talks war zweifelsfrei der Journalist und Buchautor Peter Richter («Der Beginn unserer Zivilisation war ein Alkoholexzess»). Eingeladen worden war er, um den Gegenpol zu all den anderen Alkohol-Ablehnern zu geben. Doch diese simple Masche ging nicht auf. Richter stellte sich zwar sehr bereitwillig auf die Seite pro Alkoholrausch, schließlich stehe bereits in der Bibel, aus Wasser wurde Wein. Doch er bestritt nie, dass Alkoholkonsum natürlich auch gefährlich werden kann.

Alkohol und Politik - Wie passt das zusammen?

Dennoch sei er davon überzeugt, dass die Menschheit Alkohol braucht, um sich den Alltag erträglicher zu machen. So ein kleiner Rausch am Wochenende, erleichtere den Start in die Arbeitswoche doch ungemein. Alkohol gehöre zu unserer Kultur. Richter selbst würde gern viel mehr trinken - aber derzeit fehle ihm einfach die Zeit dafür. In diesem salopp formulierten Luxusproblem steckte folgende Überzeugung: Exzesse sind wichtig, Vorsicht vor einer übertriebenen Verbotskultur. «Ich warte ja auf den Tag, an dem die Promillegrenze und die Helmpflicht für Fußgänger eingeführt wird.»

Kurz vor Sendeende schaffte Maischberger noch einen nicht völlig uninteressanten Dreh zum Thema Alkohol in der Politik. In einem kurzen Einspielfilm sind Gerhard Schröder, Guido Westerwelle und Angela Merkel zu sehen, wie sie lachend irgendwelche Bierkrüge zum Prosten stemmen. Tja, Politik sei eben ein hartes Geschäft, meinte Peter Richter und zog folgendes Fazit, das Sandra Maischberger sicher nicht ganz ins Programm gepasst hat: Politiker müssten durch Alkoholkonsum ihre Volksverbundenheit beweisen. «Und übrigens: Sowohl George W. Bush als auch Osama Bin Laden trinken keinen Alkohol.»

Bestes Zitat: «Komasaufen ist ein anderes Wort für Jugend.» (Peter Richter)

cvd/krc/ivb/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Rosemarie Jensen
  • Kommentar 1
  • 06.04.2011 15:23

Ein Buch darüber wurde schon in früheren Jahren geschrieben, der Titel ist von Jack London aber es sind meistens Menschen mit starken Minderwertigkeitskomplexen und tiefliegenden Ängsten, wobei der Alkohol natürlich mit einer gewissen Redegewandtheit die Möglichkeit schafft, sich vordergründig interessant zu machen, weil die Scheinwelt ebenfalls ein massgeblicher Faktor ist. Ich spreche hier vom, vermeintlich intelligenten Alkoholiker, ein weiterer Aspekt ist natürlich auch die Sexualität aber wie dem auch sei, es sind Leute, die es verstehen, anderen etwas vorzumachen.

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