«Hart aber fair» Was Gaddafi mit Stuttgart zu tun hat

Mit Spitzenvertretern aller Parteien diskutiert Frank Plasberg über – ja was eigentlich? Ein bisschen Libyen, ein bisschen Atom, ein bisschen Wahlkampf. Nur ganz am Ende gibt es eine schöne Erkenntnis.

«Hart aber fair»  (Foto)
Hart aber fair mit Moderator Frank Plasberg. Bild: dpa
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Kauder, Homburger, Steinmeier, Özdemir, Gysi: Am kommenden Sonntag wird gewählt und bei Frank Plasberg versammelt sich schon jetzt eine Art vorgezogene Elefantenrunde. Zu besprechen gibt es schließlich auch einiges.

Vor allem die Mega-Themen Libyen und Atom – und was diese mit den Urnengängen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zu tun haben. «Wahlen in Zeiten des Gaus», so heißt das dann im Schlagzeilen-Jargon der Hart aber fair-Redaktion. Es geht um die politische Großwetterlage und ihre Folgen für das Wahlverhalten in der deutschen Provinz. Was also hat Gaddafi mit Stuttgart zu schaffen oder Fukushima mit Mainz?

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Zunächst einmal gar nichts. Aus Sicht von Wahlkampfstrategen aber wohl doch ziemlich viel. Anders lässt sich die erratische Politik der Bundesregierung kaum erklären. Wenn die schwarz-gelbe Koalition plötzlich zu Atomgegnern und Friedensaktivisten mutieren, dann muss schon einiges los sein. Die deutsche Enthaltung bei der Libyen-Resolution und das eilige Abschalten von sieben Atom-Meilern: Dass eine Koalition ihre Überzeugungen gleich in zwei Fällen so bedenkenlos über Bord wirft, ist in der jüngeren deutschen Geschichte wohl ohne Beispiel. Als Zuschauer hätte man sich gewünscht, dass Plasberg einmal die Abgründe des politischen Opportunismus ausleuchtet, die Manöver von Polit-Beratern und Spin-Doktoren hinterfragt.

Aber nichts davon. «Wir nehmen auf Wahlkämpfe überhaupt keine Rücksicht», behauptet Unionsfraktionschef Volker Kauder allen Ernstes – und der Moderator lässt ihm das unwidersprochen durchgehen. Stattdessen folgt eine vollkommen ungelenkte Debatte quer durch die Politikfelder. Die Gäste dürfen der Reihe nach die Sätze aufsagen, die sie sonst auch immer sagen.

Birgit Homburger (FDP): Die Kernenergie ist eine Brücke ins Zeitalter der erneuerbaren Energien.

Gregor Gysi (Linke): Krieg ist keine Lösung.

Cem Özdemir (Grüne): Wir wollen die Atomkraftwerke in Deutschland abschalten.

Frank-Walter Steinmeier (SPD): Die Regierung hat keine der Krisen im Griff.

Außerdem im Angebot sind Detaildiskussionen über die Rechtsgrundlage des Atommoratoriums, das Parteiprogramm der Grünen, Art und Umfang der deutschen Rüstungsexporte, über die rot-grüne Energiepolitik, den Irakkrieg und mögliche Koalitionsoptionen in Baden-Württemberg.

Dramaturgisch ist diese Sendung also völlig verunglückt. Gegen Ende gibt es aber doch noch ein kleines Glanzlicht in Form eines Einspielfilms, und dafür ist Plasbergs Redaktion verantwortlich.

In der Fußgängerzone von Münster haben zwei Redakteure einen fingierten CDU-Werbestand aufgebaut und sammeln Unterschriften für den Atomausstieg. Dabei verteilen sie Aufkleber mit dem Gesicht von Angela Merkel und der Aufschrift «Atomkraft, nein danke». Die Reaktionen sind abgeklärt bis empört. «Das ist mir nun wirklich zu doof», sagt ein Passant. «Erst verlängern Sie die Atomlaufzeiten und jetzt wollen Sie sich als die Aussteigerpartei profilieren. Wer soll Ihnen das denn abnehmen?» Immerhin: Die Leute lassen sich nicht verarschen.

Bestes Zitat: «Der Bierverkauf an Tankstellen wird nicht eingestellt, wenn die Grünen die Wahl gewinnen.» Cem Özdemir

ruk/cvd/reu/news.de

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Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • Longus
  • Kommentar 8
  • 25.03.2011 13:34
Antwort auf Kommentar 6

sie hat keine hängenden mundwinkel...sie ist einfach nur fett geworden. und ihr blick wird auch immer blöder. inzwischen drischt sie nur noch phrasen. leere worthülsen u. starrsinniges gefasel. manchmal denke ich, Ragnarrock schreibt ihre reden.

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  • Longus
  • Kommentar 7
  • 25.03.2011 07:39

jetzt weiss ich auch woher der begriff -Kauderwelsch- kommt. es muss für das geplapper des Herrn Kauder stehen. aber eigentlich waren alle politiker fehl am platze. haben sie doch alle keine saubere weste. bedenklich die auffassung von Özimir u. Gysi mit ihrem embargo. was nützt ein solches ? Gaddafi hat milliarden dollar u. tonnen gold im lande, sodass er trotz embargo...welches immer umgangen werden kann...weiterhin die "rebellen" zusammenschiessen lässt.

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  • 4tec
  • Kommentar 6
  • 24.03.2011 16:28
Antwort auf Kommentar 4

Schon seltsam, bei Merkel stören die hängenden Mundwinkel nicht. Wer die Sendung verfolgte, konnte feststellen, das Steinmeier für das feige und erbärmliche Abstimmungsverhalten im Sicherheitsrat sogar Verständnis hatte. Es fällt auf dass Du durch Deine schwarze Brille eine andere Wahrnehmung hast.

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