«Amigo - Bei Anruf Tod» Deutsch-italienische Terroristenjagd

Von news.de-Mitarbeiter Lutz Granert
Ein ehemaliges RAF-Mitglied setzt sich nach Italien ab. Das BKA kommt ihm auf die Spur. Zwischen Neapel und Hamburg beginnt eine Hetzjagd. Der zwar hochkarätig besetzte, aber laue Thriller Amigo – Bei Ankunft Tod feiert heute seine TV-Premiere.

30 Jahre sind eine lange Zeit. So lange dauerte es, bis Jürgen Prochnow und Uwe Ochsenknecht wieder einmal gemeinsam vor der Kamera standen. Das Boot schrieb 1981 nicht zuletzt aufgrund seiner klaustrophobischen Stimmung und sechs Oscarnominierungen deutsche Filmgeschichte. Amigo – Bei Ankunft Tod aus dem Jahre 2011 ist nur einer von vielen mäßigen TV-Thrillern, der sich irgendwie auf 90 Minuten Laufzeit mogelt.

Neben den Zeiten haben sich auch die Karrieren der beiden gewandelt. Während Prochnow es in der Zwischenzeit entweder in Nebenrollen größerer Hollywoodfilme (The Da Vinci Code - Sakrileg) oder in B-Movies (Die Fährte des Grauens) geschafft hat, war Ochsenknecht im deutschen Fernsehen und Kino (Männersache) ebenso wie in der Musik daheim. In die Jahre gekommen sind sie mit 69 bzw. 55 Jahren beide. Ob das der Grund ist, weswegen ihnen in ihren Rollen in Amigo – Bei Ankunft Tod so wenig zugetraut wird?

Darin wird 20 Jahre nach einem Attentat der ehemalige RAF-Terrorist und jetzige Bauer Amigo Steiger (Tobias Moretti) von einem BKA-Trupp in der Nähe von Neapel aufgespürt. Doch als dieser ihn verhaften will, kann Amigo entkommen und es gelingt ihm, sich zu Alexander Bosch, einen alten RAF-Freund in Hamburg, abzusetzen. Der kommt jedoch bei einem Autounfall ums Leben und Amigo ist weiter auf der Flucht. Schließlich soll Amigos straffälliger, leiblicher Sohn Rio (Kostja Ullmann), der bis dahin bei Bosch lebte, seinen Vater in eine Falle locken.

Behäbig inszeniert

Die umständlich erzählte Geschichte springt mit penetranten Ortseinblendungen ständig zwischen den beiden Schauplätzen Hamburg und Neapel hin und her und wartet mit überflüssigen Nebenhandlungen auf. Dass der von Geldsorgen geplagte Idealist Bosch einen islamkritischen Roman veröffentlichen will oder Ermittler Kovacs (Jürgen Prochnow) seit einem Fahrstuhlerlebnis an Klaustrophobie krankt, dient zwar in gewissem Maße der Charakterzeichnung. Doch diese Mini-Episoden spielen im weiteren Verlauf keine bedeutende Rolle mehr. Sie bremsen den ohnehin etwas behäbig inszenierten Thriller, der nur wenig Spannung und noch weniger Actionszenen bereithält, weiter aus.

Dabei stören nicht nur papierne bis unfreiwillig komische Dialogzeilen wie «Da unten wird chaotisch gebaut – da baut die Camorrha» oder das mit einer überraschenden Wendung zu plötzlich aus dem Hut gezauberte, verschenkte Finale. Uwe Ochsenknechts lustloses, mimikfreies Schauspiel als zwielichtiger Anwalt Boschs sorgt vor allem dafür, dass man diesen an Versatzstücken reichen TV-Thriller nicht mehr wirklich ernst nehmen kann. Das ist schade um die prominente Besetzung, zu der neben den alten Hasen Prochnow und Ochsenknecht auch die unverbrauchten, solide agierenden Charaktermimen Florian David Fitz (Vincent Will Meer) und Kostja Ullmann (Der verlorene Sohn) gehören. Wiedersehen macht dem Zuschauer trotz alter Bekannter also auch nicht immer Freude.

Titel: Amigo – Bei Ankunft Tod
Regie: Lars Becker
Darsteller: Tobias Moretti, Jürgen Prochnow, Florian David Fitz, Uwe Ochsenknecht, Ina Weisse und andere
Sendetermin: Freitag, 11. März 2011, 20.15 Uhr, Arte

krc/news.de

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