«Maischberger» Warum Sex auf Dauer blöd macht

Wieviel Trieb ist normal? Sandra Maischberger diskutierte mit Playboy Rolf Eden und Spiritualist Rainer Langhans über den Sinn geistiger Orgasmen. Und eine Ex-Hure erklärte, warum Prostituierte in Seniorenheimen zum Einsatz kommen sollten.  

Rolf Eden (li.) und Rainer Langhans (Foto)
Dauerplayboy Rolf Eden (80, li.) und Ex-Kommunarde Rainer Langhans (70) gingen auf ihrer Suche nach dem wahren Glück sehr unterschiedliche Wege.  Bild: news.de-screenshot (ARD)

Es war mal wieder Seichtthema-Zeit bei Sandra Maischberger. Frei nach dem Motto «Sex sells» ging es um die Frage, warum Sex so viel Macht hat. Eigentlich hatte Maischberger dieses Thema bereits vor einer Woche diskutieren wollen, doch dann funkte ihr Karl Theodor zu Guttenberg mit seinem Rücktritt dazwischen

Die Gäste des Abends: zwei Vorzeige-Sexpropheten, die sich so gar nicht einig waren, zwei Ex-Huren, die kaum zu Wort kamen, ein Sexualtherapeut, der seinen Spaß hatte, und eine Anstandsdame, der die Worte fehlten. Immerhin gab es einen politischen Aufhänger - den Fall Berlusconi. Der italienische Ministerpräsident blamiert mit seinen Bunga-Bunga-Sex-Partys mit Minderjährigen das ganze Land und treibt so entrüstete Italienerinnen zu Demonstrationen auf die Straße.

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Sex mit Silvio Berlusconi ist doch sicher eklig, mutmaßt Sandra Maischberger. Was treibt diese jungen Mädchen nur in die Arme des 74-Jährigen? Macht und Geld. Die Antworten von Playboy-Legende Rolf Eden (81) kommen mit einer derartigen Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, dass sofort klar ist: Hier spricht ein Mann, der sehr genau weiß, wovon er redet. Beim Sex mit Prostituierten gehe es doch nie um die Lust der Damen. Fast scheint Eden erstaunt über die Naivität Maischbergers.

Mit 81 reicht einmal Sex pro Woche

Außerdem würden sich hohes Alter und Sex keinesfalls ausschließen. Er habe jedenfalls immer seine kleinen blauen Pillen dabei. Sagt's und fischt die kleine Packung zum Beweis aus seiner Brusttasche. Aber leider müsse auch er zugeben: «Jetzt im Alter habe ich nur noch einmal pro Woche Lust auf Sex.» Rolf Eden wird an jenem Abend noch so einige Sätze von sich geben, die den Zuschauer erstaunen werden.

Auftritt Maria von Welser. Die TV-Journalistin übernimmt in dieser Sendung - wenngleich vermutlich unfreiwillig - die Rolle der Anstandsdame. Ihre Brille, das mausgraue Outfit und ihre pikiert gespitzten Lippen passen hervorragend in dieses Bild. Bei Prostitution bezahlen Männer für die Ware Frau. Da gebe es nichts schön zu reden.

Als wahre Meisterin des Schönredens bezeichnet sich hingegen die Ex-Prostituierte Elke Päsler. Geldmangel trieb sie in die Prostitution - ein Freier verliebte sich in sie. Die Hochzeit ist bereits geplant. Um Päslers Geschichte anzumoderieren, greift Sandra Maischberger tief in die verstaubte Klischeekiste. Pretty Woman muss herhalten. Doch diese Plattheit fällt bei all dem Gerede von Rolf Eden über alte Männer, die mit jungen Frauen schlafen («Beim Sex mit mir hat sie jedenfalls noch nie gekotzt.») nun auch nicht mehr so sehr ins Gewicht.

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«Prostitution ist eine Dienstleistung wie zum Friseur gehen»

Ganz und gar nicht klischeehaft sprach allerdings Hurenaktivistin Stephanie Klee über die - wie sie sie nennt - therapeutische Seite der Prostitution. Es gehe natürlich nicht darum, die eigene Sexualität auszuleben, sondern den Männern ihre zu ermöglichen: «Prostitution ist eine Dienstleistung wie zum Friseur gehen.» Klee setzt sich dafür ein, dass auch Menschen, die in Seniorenheimen leben, sexuelle Dienste kaufen können. Sex in Seniorenheimen habe es schließlich schon immer gegeben. 

Spannend machte die Maischberger-Dr.-Sommer-Sitzung vor allem das Zwiegespräch zwischen Rolf Eden und Ex-Kommunarde und jüngst Dschungelcamp-Bewohner Rainer Langhans (70). Sowohl Eden als auch Langhans haben Buch geführt über ihre zahlreichen sexuellen Kontakte. Doch das ist auch schon alles, was die beiden Männer verbindet.

Das machohafte Sex-Getue von Eden irritiert Langhans offenkundig. Er möchte mehr im Leben haben als schnöden Sex. Sex als bloßer Akt bringe ihm rein gar nichts. Er habe körperliche Liebe zur Genüge ausprobiert. Doch Sex behindere die wahre Liebe - darum sei er auch so banal und mache doof. «Menschen, die nicht mehr wissen, denken, ein Orgasmus ist das Höchste.» Doch viel besser sei der geistige Orgasmus. Das sei sein Ziel, darum lebe er seit 37 Jahren enthaltsam. Er leite all seine sexuelle Energie um. Zum Beispiel in ein Studium. Jetzt ist Eden irritiert, aber leider nicht sprachlos: «Ich verstehe überhaupt nicht, was der sagt.» 

Geistige Orgasmen? Sex macht blöd? Umleitung von sexueller Energie? Auch Sandra Maischberger ist offenkundig verwirrt. So viele zeitschindende «Ähm» wie gestern äußert sie selten in einer Sendung. Dafür hat zumindest der Sexualtherapeut Ulrich Clement seinen Spaß. Für ihn sind Eden und Langhans zwei Propheten einer gelungenen Sexualität. Da ist dann wohl Gratulation angebracht? «Der Witz ist ja, in der Sexualität gibt es kein normal.» 

Sandra Maischberger stellte nach 75 Minuten erleichtert fest: «Mehr ist in einer Sendung nicht zu machen.» Oder anders formuliert: Weniger Rolf Eden wäre einfach mehr Sendegenuss gewesen.

cvd/ivb/news.de

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Leserkommentare (51) Jetzt Artikel kommentieren
  • Nico
  • Kommentar 51
  • 07.04.2011 10:12

Wenn ich mir die orthographischen Kunststückchen hier anschaue, denke ich: "Sex macht doch blöd." Entschuldigt, aber das musste hier mal klargestellt werden. Ich verstehe die hier herrschende, latente Gehässigkeit nicht. Geht doch ein wenig freundlichen miteinander um. Jeder hat zu diesem Thema doch seine Präferenzen. Einen Schubladen-Konsenz werdet Ihr da nicht erzwingen können.

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  • Pro Libertate
  • Kommentar 50
  • 15.03.2011 00:01

Frauen sind nun mal in jungen Jahren am fruchtbarsten, können also einfach Kinder haben, brauchen dazu aber idealerweise einen verlässliche Versorger, der schon Status und Erfahrung hat und sich um das/die Kinder kümmern kann und will. Meist sind es Männer, die noch (mal) Kinder haben wollen, die jüngere Frauen wählen. Frauen, die zuerst Karriere machen, entdecken, dass es unendlich viel schwieriger und riskanter für Mutter und Kind ist (Triso21 usw.), ein Baby nach 35 zu haben als zwischen 18 und 30. Und dass es auch viel schwieriger ist, willige Väter zu finden. Das lässt sich nicht ändern.

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  • Pro Libertate
  • Kommentar 49
  • 14.03.2011 23:39

Die Beziehung ältere Frau - junger Mann kann ein paar Jahre gut gehen, solange die Frau zwischen 35 und Anfang 40 ist. Junge Männer zwischen 20 und 35 können eine solche Beziehung durchaus schätzen. Frauen in dem Alter sind noch recht attraktiv und erfahren, haben auch viel Lust auf Sex. Jüngere Frauen dagegen stehen eher auf ältere Männer und finden die jungen zu unerfahren und kindlich. Aeltere Frauen haben etwas mütterliches, das den unerfahrenen Männern Vertrauen vermittelt. Ich war mal in einer sochen Beziehung. Ist für den Mann recht entspannend, ist aber kein Dauerzustand.

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