«Tod in Istanbul» Ein Film für die Helden Ferch und Vogel

Sie sind zwei der wenigen Helden des deutschen Films. Deshalb wollte Regisseur Matti Geschonneck mit Heino Ferch und Jürgen Vogel gemeinsam drehen. Tod in Istanbul ist ein ungewöhnlicher TV-Film geworden, bei dem es kein Gut oder Böse gibt.

ZDF-Krimi (Foto)
Jürgen Vogel und Heino Ferch ermitteln zusammen. Bild: ZDF

Jo Weiß (Jürgen Vogel) kniet regungslos neben einer Frauenleiche. Im Istanbuler Hotel Londra, Zimmer 12409, ist die schöne Carla Patitz ermordet worden - eine Prostituierte. Kurz vorher hat sie noch mit Mark Kleinert (Heino Ferch) telefoniert. Der Hauptkommissar der Kölner Polizei hat gerade einen jungen türkischen Verbrecher in dessen Heimat überführt. Auch Susanne Wahlberg (Ina Weisse) ist in Istanbul. Die Beamtin des Bundeskriminalamtes (BKA) ermittelt gegen Waffenschieber. Ihr Chef, der smart-graue Kurt Herder (Peter Simonischek), hat derweil die Fäden von Deutschland aus in der Hand.

Aus dieser Konstellation und der Frage, wer die Prostituierte ermordet hat, entspinnen Regisseur Matti Geschonneck und Drehbuchautorin Hannah Hollinger ein Verwirrspiel aus Lügen, falschen Fährten und ganz wenigen Worten, das den Zuschauer bis zum Schluss im Ungewissen lässt. «In Tod in Istanbul gibt es den klassischen positiven Helden nicht», sagt Geschonneck. Wer ist gut und wer ist böse? Die Übergänge sind fließend. «Diese Grauzonen machen es für einen Filmemacher interessant und auch der Zuschauer muss sich seine Identifikationsfigur suchen.»

«Tod in Istanbul»: Jürgen Vogel und Heino Ferch klären den Fall
zurück Weiter Tod in Istanbul (Foto) Zur Fotostrecke Foto: ZDF/Martin Valentin Menke

Es ist der mittlerweile 18. Film, den Hollinger und Geschonneck zusammen drehen - ein kongeniales Team. Für Ferch und Vogel ist Tod in Istanbul die erste wirkliche Zusammenarbeit (trotz Wolfgang Beckers Das Leben ist eine Baustelle) vor der Kamera, der eine spielt den Kriminalkommissar, der andere einen verdeckten BKA-Ermittler. Das hatte sich Geschonneck bereits so gewünscht, bevor es ein Drehbuch zum Film gab.

«Die Idee war, einen Film mit den beiden deutschen Helden, Heino Ferch und Jürgen Vogel, zu machen», sagt Geschonneck. Denn der Regisseur kannte sie unabhängig voneinander von den Drehs zu Entführt und Mord am Meer mit Ferch oder Boxhagener Platz mit Jürgen Vogel.

«Ich wollte nie einen Kommissar spielen», sagt Heino Ferch im news.de-Interview und hat es bei Tod in Istanbul für Matti Geschonneck bereits zum dritten Mal getan. Auch für Jürgen Vogel wäre vorher die Rolle des «Bullen» nicht in Frage gekommen, meint Ferch. Der Regisseur scheint mit seinen Stoffen sehr überzeugend zu sein.

Denn er gibt seinen Figuren nicht nur die taffe kriminalistische Ebene. Der Zuschauer darf auch die Menschen hinter den Ermittlern kennenlernen, in familiäre Zusammenhänge blicken. Da ist Mark Kleinert, als Kommissar der einsame Wolf, der seine Familie verlassen hat. Zur Feier des Tages kehrt er an den Geburtstagstisch seines Sohnes zurück. BKA-Ermittler Jo Weiß hat noch mehr verloren als der Kommissar, der durch den Job als verdeckter Ermittler zum Einzelgänger verdammt ist. Susanne Wahlberg - dargestellt von Geschonnecks Ehefrau Ina Weisse - steht vor einer unerfüllbaren Liebesgeschichte, während ihr Chef seine demenzkranke Mutter pflegt.

Eingebettet wird die Geschichte in malerische Motive zwischen Orient und Okzident, zwischen Istanbul und Köln. Zwischen quirligen Fischmärkten, Bosporus und deutschem Hochhauscharme.

Tod in Istanbul ist ein mutiger Film, denn die Geschichte ist kompliziert. Die Moral schwankt konstant zwischen gut und böse. Die Handlung vollführt Paukenschlagwendungen, die Geschonneck meist leise und düster erzählt. Mit der Ferch-Vogel-Idee hat er ein Traumgespann des deutschen Fernsehens geschaffen, das zunächst ungewöhnlich erscheint. Ferchs Ausdruck mäandert zwischen tiefgründig, nachdenklich und entschlossen. Und Vogel bringt die actiongeladene Körperlichkeit in den Film. «Die beiden sind schon sehr außergewöhnlich in ihrer Heldendarstellung», sagt Geschonneck.

In Sicherheit darf sich der Zuschauer niemals wiegen, denn trotz der beiden Helden dreht sich der Film letztlich um die Frauen.

Tod in Istanbul, Montag, 28. Februar, 20.15 Uhr, im ZDF.

car/ivb/news.de

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