«Beckmann» Sind Frauen feige, bequem und selbst schuld?

Doris Schröder-Köpf (Foto)
Karstadt-Aufsichtsrätin und Talkgast: Doris Schröder-Köpf.   Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiterin Stephanie Bremerich
Frauen scheitern an sich selbst. Sagt Bascha Mika in ihrem neuen Buch. Bei Beckmann diskutierten Doris Schröder-Köpf und Gertrud Höhler mit ihr über Karrierechancen und weibliches Versagen. Und bewiesen dabei wenig Frauenpower.

Bascha Mika hat ein Buch geschrieben, das sie selbst als «Streitschrift» bezeichnet. Dementsprechend muss sie derzeit ziemlich viel Kritik dafür einstecken. Die Feigheit der Frauen ist so etwas wie der Anti-Eva-Herman im Bücherregal und ein Pamphlet gegen das schwache Geschlecht - genauer gesagt gegen die größte Schwäche des schwachen Geschlechts: seine mangelnde Durchsetzungsfähigkeit.

Sind Frauen also am Ende selbst schuld, wenn sie keine Karriere machen? Eine ziemlich steile These - zumal in diesen Tagen, während Politik und Öffentlichkeit heiß über die Einführung einer Frauenquote debattieren. Reinhold Beckmann will es wie immer genauer wissen und hat sich deshalb drei ganz unterschiedliche Karrierefrauen eingeladen: neben der ehemaligen Taz-Chefredakteurin Bascha Mika die Publizistin und Unternehmensberaterin Gertrud Höhler sowie Doris Schröder-Köpf, Ehefrau des Ex-Kanzlers und eine der wenigen weiblichen Aufsichtsräte in einem deutschen Großkonzern. Später werden noch die Schauspielerin Nadja Uhl und die Autorin Sabine Kuegler dazu stoßen.

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Dann also Tacheles: Feige, schwach und zu bequem - scheitern Frauen an sich selbst? lautet das vielversprechende Thema. Und dabei bleibt es dann leider auch schon, denn auf den knackigen Titel folgt weder die zu erwartende Kontroverse noch überhaupt eine richtige Diskussion. Stattdessen wird der Zuschauer in den nächsten 75 Minuten Zeuge davon, was passiert, wenn man sich eigentlich Paroli bieten will, im Grunde aber dasselbe meint und sich am Ende irritiert darauf einigt, dass frau es ja eigentlich doch ganz gut getroffen hat mit ihrem Geschlecht.

Klischees am Feministen-Stammtisch

Vielleicht das Positive vorab: Absolut angenehm zu nennen ist die Gesprächsatmosphäre an diesem Abend. Mika benutzt Verbalwatschen wie «Latte-Macchiato-Mütter» oder «Hormonkomplott» offensichtlich nur im Schriftverkehr und ist leibhaftig gar nicht das erwartet aggressive Riot-Girl, und auch Beckmann gibt sich als Hahn im Korb heute einmal erfreulich zurückhaltend.

Das große Problem des Abends liegt auch nicht in mangelnder Debattierfreudigkeit. Vielmehr ist es der Dauergriff in die Klischeekiste, der dem ganzen Gespräch die sachliche Grundlage unter den Füßen wegzieht und es merkwürdig biologistisch färbt. Wer eine nuancierte Diskussion über gesellschaftspolitische Strukturen, Systemdefizite, Chancengleichheit und das Für und Wider der Frauenquote erwartet hat, wird enttäuscht.

Stattdessen geht es schnell auf die Allgemeinplätze, sodass Beckmanns illustre Frauenrunde als pseudofeministischer Stammtisch endet. Und da ist entsprechend nur noch von «der Frau» bzw. «den Frauen», gern auch mal von «uns Frauen» die Rede, und natürlich davon, was diese gemeine Frau «dem Mann» alles voraushat (ist sensibler, vorausschauender, einfühlsamer) und wo sie sich im natürlichen Nachteil gegenüber dem starken Geschlecht befindet (ist bescheidener, träumt gerne, traut sich nicht so richtig).

Was Frauen wollen und denken, dass sie sollen

Blöd für «die Frau», von der zu erwarten ist, dass sie überdies auch noch schlecht einparken kann, und gut für «den Mann», der - jede Wette - kein besonders guter Zuhörer ist. So einfach ist das also mit der Chancenungleichheit. Die, so hat man immer mehr den Eindruck, gibt es nämlich eigentlich gar nicht. Sie ist allenfalls ein hausgemachtes Problem «der Frau» an sich. Wenn Höhler und Mika dann doch noch beherzt aufeinander losgehen, um den unbedingten weiblichen Karrierewillen (Mika) gegen die latente Karriereunlust der Frau (Höhler) zu diskutieren, nimmt das regelrecht groteske Züge an und klingt in Kürze ungefähr so: Frauen wollen eigentlich, sollten aber eigentlich noch mehr wollen (Mika) beziehungsweise Frauen denken, dass sie wollen sollen, wollen aber eigentlich gar nicht (Höhler). Ach so.

Dass dieses Dilemma sich für viele Mütter gar nicht stellt und die Entscheidungsfreiheit zwischen Arbeit und Haushalt ein Luxusproblem der Eliten ist, wird kurz vor Ende der Sendung immerhin noch von Nadja Uhl zur Sprache gebracht. Die Schauspielerin, die eigentlich zusammen mit Autorin Sabine Kuegler über das gemeinsame Filmprojekt Dschungelkind sprechen wollte, wirft damit ganz grundsätzliche Fragen nach den Rahmenbedingungen von Gleichstellung auf: angepasste Löhne, Möglichkeiten zur Kinderbetreuung und das Bereitstellen von ausreichend Kita-Plätzen zum Beispiel.

Dass die breite Masse der arbeitenden und alleinerziehenden Frauen nämlich nur keine Karriere macht, weil sie «feige und bequem» ist, erscheint arg verkürzt. «An sich selbst gescheitert» sind zumindest die Karrierefrauen bei Beckmann, von denen man an diesem Abend irgendwie mehr erwartet hatte.

cvd/reu/news.de

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Tonika
  • Kommentar 6
  • 16.02.2011 00:08
Antwort auf Kommentar 5

ja klar, und wenn der Mann dann von der Jagd nach Hause gekommen ist und man sich ums Feuer sammelt, um noch ein Stündchen Eva Herrmann und Thilo Sarrazin zu rezipieren, gehen alle glücklich ins Bett. Gute Nacht, John-Boy und willkommen im 19. Jahrhundert.

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  • Lydia21
  • Kommentar 5
  • 15.02.2011 23:37

Problem in Deutschland ist nicht nur fehlenden Integration der Ausländer sonder auch das viele deutsche Frauen ihre natürliche Veranlagung von Familie mit Kinder wegen einer zweifelhaften egoistischen Selbstbestätigung nachgehen. Spätestens im Alter, wenn sie alleine sind und keine eigene Kinder haben (siehe Merkel, Künast, Roth usw.) wissen sie, was falsch gelaufen ist. Auch so schafft sich Deutschland ab.

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  • Hulla
  • Kommentar 4
  • 15.02.2011 18:00

"Repräsen-tanten" ? Schlechter Scherz !

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