«Polizeiruf 110» Der Bulle und das Biest

Polizeiruf 110 (Foto)
Kriminalhauptkommissar Bukow (Charly Hübner) überwältigt seinen Erzfeind Subocek (Aleksandar Jovanovic). Bild: NDR/Christine Schröder

Von news.de-Mitarbeiter Tobias Köberlein
Der Typ ist nicht zu fassen. In Feindbild, dem dritten Fall des neuen Rostocker Ermittler-Duos, muss sich Alexander Bukow endlich seiner Vergangenheit stellen. Die ist ebenso schmutzig wie faszinierend. Eoin Moore hat wieder einen fabelhaften Krimi gedreht.

Der Mann lächelt seinem Untergang ins Gesicht und bleibt trotzdem cool. Fürs Protokoll: Alexander Bukow. «Mit 'ow' wie Tschechow. Oder Fuck off», sagt er . Das muss erstmal einer bringen. Es sieht nicht gut aus für Kriminalhauptkommissar Bukow (Charly Hübner). Aus Berlin sind Spitzenleute des LKA angereist. Sie wollen, dass er endlich Klartext redet. Und die Fragen stellt ausgerechnet Profilerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau), die Kollegin, mit der Bukow schon zwei Fälle gelöst hat.

Zeit für einen kurzen Rückblick: Alexander Bukow ist der Typ, der einst in Berlin bei einer SEK-Einheit gegen das organisierte Verbrechen ermittelte. Er stand kurz vor der Verhaftung des serbischen Mafioso Zoran Subocek, ließ ihn aber im letzten Augenblick laufen. Warum? Steckte Bukow mit dem Kriminellen unter einer Decke? Wurde er erpresst? Das gilt es herauszufinden. Doch Bukow schweigt. Mittlerweile ist er wieder in Rostock, seiner Heimatstadt, kämpft gegen das Verbrechen. Der Makel aber, der bleibt.

Die beliebtesten Krimis
Ein Herz für Verbrecher
Tatort (Foto) Zur Fotostrecke

Verbindungen in die Halbwelt

Das ist die Ausgangslage beim Rostocker Polizeiruf 110. Ein Kommissar unter Verdacht, das gibt es selten. Eoin Moore, der schon den ersten Fall Einer von uns inszenierte, hat sich viel von der Hochglanzserie The Wire abgeguckt. Auch dort hat kaum einer der Ermittler eine weiße Weste. Korruption und Deals mit den Kriminellen sind an der Tagesordnung.

Rostock ist nicht Baltimore, doch einer wie Bukow hat mehr mit den neueren US-Cops zu tun als mit den braven Polizeiruf-Ermittlern. Das Prollige steht ihm, die Verbindungen in die Halbwelt. Sein Vater betreibt einen dubiosen Club mit Boxerinnen, die aus Osteuropa eingeschleust wurden. Die Kiez-Atmosphäre ist mehr als authentisch.

Als sein Gegenstück fungiert die LKA-Ermittlerin Katrin König, eine auf Erfolg getrimmte Gesundheitsfanatikerin. Die Reibung zwischen den beiden Charakteren funktioniert auch diesmal ausgezeichnet. Beide stoßen sich ab und ziehen sich irgendwie doch wieder an. Irgendwann läuft in Bukows Autoradio ein Song von Element of Crime. «Erklär mir meine Rechte, sperr mich ein, ich will von Dir verhaftet sein», singt der Kommissar die Kollegin an. Schön ausgedacht ist das, eine wunderbare lyrische Replik auf die internen Ermittlungen, die gegen Bukow laufen.

Realismus, der weh tut

Dazu gibt es diesmal einen Fall, der dem Zuschauer die volle Aufmerksamkeit abverlangt. Ein serbischer Sicherheitsbeamter ist in Rostock von einem Kirchtum gestoßen worden. Alles weist auf einen Familienvater als Täter hin. Seit Jahren versucht Lutz Brückmann (Andreas Patton), einen Pharmakonzern für den Tod seiner Tochter zur Rechenschaft zu ziehen. Als der Mann vor lauter Verzweiflung kurz vor dem Amoklauf steht, taucht auch noch Bukows alter Bekannter Subocek auf.

Es ist ein starkes Verwirrspiel, das Eoin Moore dem Zuschauer präsentiert. Die Handkamera von Martin Farkas sorgt für ständige Bewegung, für ein Pulsieren und eine Unmittelbarkeit, die einzigartig sind im deutschen Fernsehkrimi. Fertige Erklärungen werden nicht geliefert. Und es ist auch nicht so, dass die Kommissare den Ermittlungsstand zwischendurch immer mal wieder zusammenfassen. Es bleibt bei Andeutungen. Die Gewissheit, dass Verbrechen am Ende bestraft wird, gibt es nicht. Auch wenn König und Bukow im Stil eines frühen Beastie Boys-Videos die Gartenparty des skrupellosen Pharmachefs stürmen, wird dieser wohl seiner gerechten Strafe entgehen. So viel Realismus in einem Krimi tut weh. Aber genau das macht den Rostocker Polizeiruf so besonders.

Titel: Polizeiruf 110: Feindbild
Regie: Eoin Moore
Darsteller: Anneke Kim Sarnau, Charly Hübner, Andreas Patton, Andreas Günther und andere
Sendetermin: Sonntag, 6. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste

 

wie/news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Umfrage
Hier an weiteren Umfragen teilnehmen!
TV-Krimis
WER IST IHR LIEBLINGSKOMMISSAR?

news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige