«Duelle» Kohl und sein Kronprinz

Das Ende einer Männerfreundschaft: Jahrelang galten Altkanzler Helmut Kohl und Finanzminister Wolfgang Schäuble als das Erfolgsgespann der CDU. Doch Machtspiele und Eitelkeiten führten zum Bruch. Die erste Folge der dreiteiligen ARD-Doku-Reihe Duelle zeigt, wie es dazu kommen konnte.

Machtgier, schwarze Kassen, gekränkte Gefühle - zwei einstige Vorzeigepolitiker der CDU bringen damit im Januar 2000 ihre über 30 Jahre andauernde, nicht nur politische Freundschaft endgültig zu Fall. «Ich habe in meinem Leben viel zu viel Zeit mit dir verbracht, und es wird keine Minute mehr geben.» Das sind die letzten Worte, die der heutige Finanzminister Wolfgang Schäuble mit Altkanzler Helmut Kohl wechselt. Das Erste zeichnet heute Abend um 21 Uhr mithilfe zahlreicher Zeitzeugen und den beiden Protgagonisten selbst nach, was dem früheren Erfolgsgespann die öffentliche Glaubwürdigkeit und das gegenseitige Vertrauen kostete.

Die gemeinsame Laufbahn von Kohl und Schäuble reicht bis in die frühen 1970er Jahre zurück. Erster ist damals Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Zweiter ein ambitionierter CDU-Jungpolitiker. Charaktere, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten: Kohl, der «volkstümliche Genussmensch aus der Pfalz», und Schäuble, «der ehrgeizige Kopfarbeiter». Beide wissen, dass sie voneinander profitieren können. Und Kohl mag Schäuble auch, weil er aus Baden-Baden kommt, gibt er im Interview zu. «Das ist eine Sprache, die ich ganz besonders gerne habe.»

Es folgen Jahre, in denen beide gemeinsam Karriere machen. In der «Gruppe 76» treibt Schäuble zusammen mit anderen jungen CDU-Politikern das Projekt Kanzler Kohl voran. Er zieht die Strippen, wie es Schäubles Bruder Thomas nennt. Auch während Kohls 16-jähriger Amtszeit als Bundeskanzler steht ihm Schäuble stets zur Seite, schreibt seine Reden zu Themen der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Kohl attestiert ihm viel Begabung und eine «enorme Energie», macht ihn 1984 zum Chef des Kanzleramtes und fünf Jahre später zum Innenminister. Beide bezeichnen ihr Verhältnis von damals noch heute als «persönlich» und «familiär».

Drei Schüsse und der Anfang vom Ende

Auch in einer der «barbarischsten Erinnerungen meines Lebens», wie Kohl einen drohenden Putsch innerhalb seiner Partei 1989 nennt, beweist Schäuble ihm seine Loyalität. Zu eng ist seine Karriere mit der Macht Kohls verbunden. Die Wende bedeutet für beide einen Karriereschub, in dem sie sich als dynamisches Duo zeigen - Kohl auf internationalem Parkett, Schäuble als Gestalter des Einigungsvertrages.

Wie eng sie auch in der öffentlichen Wahrnehmung zusammengehörten, zeigt sich am 12. Oktober 1990 auf tragische Weise. Ein geistig verwirrter Mann schießt Schäuble auf einer Wahlkreisveranstaltung nieder. Ermittlungen ergeben: Der Attentäter wollte ursprünglich Kohl töten. Dieser eilt ins Krankenhaus, spricht im Interview von einer «furchtbaren Erfahrung». Er habe «bitterlich geweint». Später muss er sich Vorwürfe der Inszenierung anhören, auch aus den Reihen von Schäubles Familie.

Dieser kehrt trotz seiner Querschnittslähmung an die Seite des Kanzlers zurück, wird 1991 von ihm als würdiger Nachfolger bestimmt. Doch Schäuble «war nicht scharf darauf», wie er später einräumt. Zu groß ist auch die inhaltliche Kluft zwischen beiden, wenn es um Fragen der Finanz- und Sozialreformen geht. Kohl erweist sich diesbezüglich als Bremser, Schäuble gibt nicht nach und profiliert sich in seiner Position als CDU-Fraktionsvorsitzender. Jürgen Rüttgers (CDU) spricht aus, was sich damals alle fragten: «Sägt er am Stuhl von Helmut Kohl?»

Die Spitze des Eisbergs

Im Kampf um Ämter und Macht passiert, was passieren musste. Die einstigen Partner werden zu Rivalen. Kohl bleibt Kanzler und verwehrt Schäuble die Nachfolge, die dieser nun doch öffentlichkeitswirksam beansprucht. Weil er weiß, dass Kohl niemals freiwillig abtreten wird, spekuliert er auf eine Abwahl und beerbt ihn, als es 1998 soweit ist, in seinem Amt als Parteichef. Auch wenn Kohl bis heute behauptet, dass das der Plan gewesen sei, wissen Zeitzeugen es besser. Heiner Geißler, damals Mitglied im CDU-Präsidium und Kohl-Kritiker, etwa sagt, Kohl habe das nie akzeptieren können und es Schäuble stets spüren lassen.

Dessen Aufstieg kommt wiederum die CDU-Parteispendenaffäre in die Quere, in deren Folge Kohl und Schäuble gegenseitig mit dem Finger aufeinander zeigen. Während der Parteivorsitzende eine vollständige Aufklärung anstrebt, verweigert der Altkanzler die Aussage. Die Namen der Spender bleiben im Verborgenen. Und Schäuble manövriert sich durch einen geschickten Schachzug Kohls selbst ins Aus. Wegen eigener Verwicklungen in dubiose Spendengeschäfte tritt er schließlich vom Parteivorsitz zurück. Eine «miese, kriminelle Intrige» habe dazu geführt, sagt Schäuble. Kohl will damit nichts zu tun gehabt haben.

Auch nach zehn Jahren herrscht zwischen den beiden Politikern weiter Eiszeit. Die Geste Kohls, als er im Herbst 2010 auf einer CDU-Veranstaltung betont, Schäuble sei ein Teil von uns und habe mehr Einsatz als viele andere gezeigt, schlägt dieser aus. Er hege keinen Groll, sagt er, stellt aber dennoch klar: «Ich will nichts mehr mit ihm zu tun haben.»

Ein Machtkampf mit «Shakespeareschen Zügen»

Wie sehr im Zerwürfnis zwischen Kohl und Schäuble auch persönliche Eitelkeiten und Enttäuschungen eine Rolle spielten, zeigen die Autoren Jean-Christoph Caron und Stephan Lamby gekonnt und unterhaltsam. Besonders spannend ist, wie diese Eitelkeiten und Enttäuschungen noch heute in den Aussagen der Politiker fortwirken. Altkanzler Kohl äußert sich in einem seiner letzten großen Interviews aus dem Jahr 2003. Und wie im Zwiegespräch reagiert Finanzminister Schäuble, der ungewohnt offen über seine Gefühle und Ambitionen, eigene Fehler und jene von Kohl spricht.

Es kommen Vertraute wie der Stern-Journalist Hans-Peter Schütz, der das Attentat auf Schäuble 1990 und die spätere journalistische Hetzjagd auf ihn miterlebte, und die damalige CDU-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister zu Wort. Sie hatte Kohl den entscheidenden Tipp gegeben, um Schäuble in der Spendenaffäre unter Druck setzen zu können. Darüber hinaus werden ihre Verstrickungen jedoch nicht thematisiert.

Überhaupt kommt Kohl im Rückblick der Zeitzeugen eher schlecht weg, da diese vor allem mit Schäuble sympathisieren. Doch das ist wahrscheinlich gewollt, um ein authentisches Bild der Situation im Januar 2000 zu zeichnen, als nicht nur Schäuble, sondern der gesamte CDU-Parteivorstand mit Kohl bricht. Die einzige Stimme, die der Zuschauer tatsächlich vermissen dürfte, ist jene von Angela Merkel. Schließlich war sie es, die nach dem Ende der Kohl-Schäuble-Ära in der CDU ihren großen Aufstieg erlebte.

Duelle - Helmut Kohl gegen Wolfgang Schäuble, Montag, 24. Januar, 21 Uhr, Das Erste. In den Folgen zwei und drei werden die Doppelbiografien Porsche gegen Piëch (31. Januar) und Gerhard Schröder gegen Oskar Lafontaine (7. Februar) gezeigt.

ruk/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • uwe schmidt
  • Kommentar 1
  • 08.02.2011 00:22

,,sei es kohl oder schäuble oder gar merkel, schröder, diese ganze plaque der gängster gegen die menschlichkeit, von diesen verdorbenen seelen habt ihr euch führen lassen, da wird es für jeden einzellnen von euch sehr schwer werden eure dumheit zu erklären,,ich warne euch, der wahrheit macht ihr nichts vor und sie könnt ihr auch nicht für dumm verkaufen denn sie kennt euch,,denkt daran so lange ihr euch sicher fühlt

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