Highsmith-Filme Der Soziopath von nebenan

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Sie hat Tom Ripley erfunden: Patricia Highsmith war fasziniert davon, wie Mörder denken. Damit beschritt die US-amerikanische Schriftstellerin in ihren Romanen Neuland. 3sat zeigt nun vier Verfilmungen ihrer Werke zu ihrem 90. Geburtstag.

Thriller von Patricia Highsmith stehen in vielen Bücherregalen. Die Autorin selber verschanzte sich zeitlebens hinter einer Mauer des Schweigens. Die gebürtige US-Amerikanerin lebte von 1983 bis zu ihrem Tod 1995 in der Schweiz, umgeben von ihren Katzen und Schnecken. Am 19. Januar wäre sie 90 Jahre alt geworden. Der Kultursender 3sat widmet ihr eine vierteilige Filmreihe.

Patricia Highsmith hat die Kriminal-Literatur revolutioniert. Aber war sie auch eine Krimiautorin? Ihr selbst waren derlei Fragen gleichgültig: «Ich denke niemals über meinen Platz in der Literatur nach, und vielleicht habe ich auch gar keinen. Ich betrachte mich selbst als Entertainerin. Ich möchte eine faszinierende Geschichte erzählen», schrieb sie einmal.

Bereits in ihrem Erstling Zwei Fremde im Zug (1950) bewies sie ihre kühle Meisterschaft. Sofort nach Erscheinen meldete sich der Meister des Suspense, Alfred Hitchcock höchstpersönlich, um sich die Filmrechte zu sichern: Strangers on a Train wurde 1951 zum Leinwand-Erfolg und später zum Kino-Klassiker.

Charmeur als Killer

Highsmith schrieb 22 Romane und unzählige Kurzgeschichten. Ihre berühmteste Figur ist Tom Ripley, ein charmanter Psychopath. Er ist ein kaltblütiger Killer, der an den feineren Dinge des Lebens Geschmack gefunden hat.

Highsmith verwendete seine Figur als Mittel, die Handlungsschemen des konventionellen Kriminalromans zu brechen. Sie bringt die Leser dazu, sich mit dem smarten Ripley zu identifizieren, bis sie sich auf die Seite des Killers schlagen und hoffen, er werde der Strafe entgehen. Was ihm dann auch mit wachsender Meisterschaft gelingt.

In der Verfilmung von Nur die Sonne war Zeuge spielt Alain Delon die Rolle des Tom Ripley - Patricia Highsmith war begeistert. Zu Recht, denn der damals 25 Jahre alte Franzose verkörpert brillant, mit undurchdringlichem Minenspiel und Eiseskälte den mittellosen Hochstapler. Dieser soll den reichen Nichtstuer Philippe (Maurice Ronet) zurück in die USA bringen, ist aber schnell fasziniert vom Lebensstil des Bohemiens.

Tom, der von Philippe immer mehr erniedrigt wird, bringt Philippe schließlich auf dessen Jacht um. Er entsorgt die Leiche im Meer, nicht ohne vorher Philippes Papiere an sich zu nehmen, und schlüpft kurzerhand in die Identität seines Opfers. 3sat zeigt den Film aus dem Jahr 1960 am Freitag, 21. Januar, 22.25 Uhr, zum Abschluss der Highsmith-Filmreihe.  

In einer weiteren Tom-Ripley-Verfilmung aus dem Jahr 2005 gibt der Kanadier Barry Pepper den Hedonisten, der seine egoistischen Ziele verfolgt und dafür über Leichen geht. Wobei der erste Tote in Mr. Ripley und die Kunst des Tötens - am Mittwoch, 19. Januar, 22.25 Uhr - nichts mit Tom zu tun hat. Denn der erfolgreiche Maler Derwatt kommt bei einem nächtlichen Autounfall ums Leben. Seine Freunde, darunter Tom, verschweigen dessen Tod und machen gute Geschäfte mit geschickten Fälschungen. Als ein reicher Kunstsammler ihnen auf die Schliche kommt, muss Ripley handeln.

Die Nebenbuhler verschwinden

In Stille Wasser geht es um ein Ehepaar. Isabelle Huppert betrügt als Melanie ihren Mann Vic (Jean-Louis Trintignant). Scheinbar gelassen nimmt er dies hin. Doch die Nebenbuhler verschwinden stets auf rätselhafte Weise - und Melanie fragt sich, ob Vic nachhilft. Der leise, psychologisch ausgefeilte Psychothriller aus dem Jahr 1981 ist am Donnerstag, 20. Januar, von 22.25 Uhr an zu sehen.

Alfred Hitchcock
Schabernack mit dem Terrier
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Die Reihe beginnt am Dienstag, 18. Januar, um 20.15 Uhr mit Der Schrei der Eule. In dem 1987 entstandenen Film von Claude Chabrol entwickelt der Pariser Illustrator Robert (Christophe Malavoy) nach der Trennung von seiner Frau eine Faszination für Juliette (Mathilda May), die mit ihrem Verlobten Patrick (Jacques Penot) auf dem Land lebt. Es wäre kein Highsmith-Roman, würde darin nicht eine ganze Serie blutiger Ereignisse ablaufen.

«Hell is the other» - «Die Hölle sind die andern», pflegte Patricia Highsmith zu sagen. Als Homosexuelle hatte sie seit ihrer frühen Jugend in Texas das Gefühl und Bewusstsein, nicht in die soziale Norm zu passen. Später war sie als in Europa lebende Amerikanerin Außenseiterin – fremd, wo sie wohnte, und fremd in ihrem Heimatland. Die scheue Autorin spiegelt sich in vielfältiger Art und Weise in ihren Helden, denen sie viel von ihren eigenen sozialen Ängsten verleiht.

Die 3sat-Filmreihe zu Ehren von Patricia Highsmith im Überblick:

Der Schrei der Eule, Dienstag, 18. Januar, 20.15 Uhr
Mr. Ripley und die Kunst des Tötens, Mittwoch, 19. Januar, 22.25 Uhr
Stille Wasser, Donnerstag, 20. Januar, 22.25 Uhr
Nur die Sonne war Zeuge, Freitag, 21. Januar, 22.25 Uhr
 

juz/ivb/news.de

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