«Galileo Spezial» Spektakuläre Fluchtversuche aus der DDR

Galileo Spezial (Foto)
Das Pro7-Magazin Galileo Spezial stellte den Fluchtversuch von Winfried Freudenberg nach. Bild: Pro7

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Tausende Menschen flohen zwischen 1961 und 1989 aus der DDR in den Westen. 239 bezahlten ihren Mut mit dem Leben. Drei besonders spektakuläre Fluchtversuche hat das Pro7-Wissensmagazin Galileo Spezial nachgestellt. Ob sie gelangen?

An seine Flucht aus der DDR in den Westen erinnert sich Holger Bethke, als wäre es erst gestern gewesen. «Ich habe auf jedes Geräusch geachtet und gehofft, dass es nicht von irgendeinem Postenturm gleich knallt», sagt er. «Aber man denkt natürlich auch: Hoffentlich fällt man nicht runter.»

Bethke floh 1983 quasi durch die Luft. Mit einer selbst gebauten Seilbahn überquerte der damals 24-Jährige einen der am schärfsten bewachten Abschnitte des Todesstreifens – die Bouchéstraße in Berlin. Wie er das anstellte, verrät er im Pro7-Wissensmagazin Galileo Spezial, das am 6. Januar gleich im Anschluss an den ersten Teil des Spielfilms Go West unter dem Titel Freiheit um jeden Preis gesendet wird.

«Go West»
Gnadenlose Jagd

In der 50-minütigen Dokumentation rollt Galileo-Moderator Stefan Gödde zwei weitere besonders spektakuläre Fluchtversuche aus der DDR auf: Peter Döbler schwamm 26 Stunden lang 45 Kilometer ohne einen einzigen Schluck Wasser durch die Ostsee. Und Winfried Freudenberg floh mit einem kaum steuerbaren Gasballon in den Westen. «Ist man unter normalen Umständen imstande, derart Unglaubliches zu leisten?», fragt der Moderator. Um das herauszufinden, versucht ein Stuntman, die Bouchéstraße mit Bethkes Seilbahn zu überwinden. Ein mehrfacher Langstreckenweltrekordschwimmer macht sich auf den langen Weg durch die Ostsee. Und ein Weltrekordhalter im Ballonfahren baut Freudenbergs Konstruktion nach und geht damit in die Luft. Am Ende hatten alle drei «Tester» ungeheuren Respekt vor dem Mut der Flüchtenden.

Bethke, Döbler und Freudenberg waren nicht die einzigen, die die DDR hinter sich lassen wollten. Tausende von Menschen flüchteten zwischen 1961 und 1989 über die Mauer. 239 ließen dabei ihr Leben. Vor allem der Checkpoint Charlie wurde zum Schauplatz spektakulärer Fluchtversuche. Im Mai 1963 raste ein Österreicher in einem sehr flachen Sportwagen unter dem Schlagbaum hindurch. Auf der Rückbank und im Kofferraum verbargen sich seine Freundin und deren Mutter - beides Bürgerinnen der DDR.

Um das ständig perfektionierte DDR-Grenzsicherungssystem zu überwinden, wurden die Methoden und Fluchtvehikel im Laufe der Jahre immer ausgefallener und ausgefeilter: umgebaute Autos, ein Mini-U-Boot, von dem sich ein Flüchtling durch die Ostsee ziehen ließ oder ein selbst gebauter Motordrachen, der mit einem Trabant-Motor und dem Tank eines Jawa-Motorrads ausgestattet war. Sogar in einer Lautsprecherbox und in einer Musiktruhe versteckt, flohen Menschen aus der DDR.

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Galileo Spezial: Freiheit um jeden Preis - Spektakuläre Fluchtversuche aus der DDR, Donnerstag, 6. Januar, 22 Uhr, Pro7, im Anschluss an den Spielfilm Go West, der um 20.15 Uhr beginnt.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Fluchtversuche noch unternommen wurden

5. Dezember 1961: Mit einer Dampflok und mehreren Waggons durchbrechen sechs Männer, zehn Frauen und sieben Kinder den Ost-Bahnhof Albrechtshof und setzen sich nach Spandau ab.

24. Januar 1962: Vom Keller eines Grenzhauses flüchten 28 Menschen durch einen Stollen unter der Oranienstraße in den Westen - einer der ersten von etwa einem Dutzend geglückter Tunnelfluchten.

8. Juni 1962: 14 Ost-Berliner kapern auf der Spree ein Fahrgastschiff und überqueren im Kugelhagel den Fluss.

17. August 1962: Der 18 Jahre alte Bauarbeiter Peter Fechter wird beim Versuch, die Mauer an der Zimmerstraße zu überwinden, durch Schüsse von Grenzposten tödlich verletzt. Die West-Berliner Polizei muss mehr als eine Stunde lang ohnmächtig zusehen, wie der junge Mann verblutet.

26. Dezember 1962: Maschinengewehrsalven können einen gepanzerten Bus nicht stoppen, der am 2. Weihnachtstag mit zwei Familien durch den Kontrollpunkt Drewitz/Dreilinden rast.

5. Oktober 1964: 57 Männer, Frauen und Kinder kriechen durch einen etwa 150 Meter langen Tunnel zwischen der Strelitzer Straße und der Bernauer Straße in Wedding. Ein Grenzsoldat wird erschossen. Zu den Fluchthelfern gehört der spätere Astronaut Reinhard Furrer.

29. Juli 1965: Vom Dach des Hauses der Ministerien schwebt eine Familie aus Leipzig mit einer selbstgebastelten Seilbahn über die Mauer in den Bezirk Kreuzberg. Dort hatten Helfer das Tau verankert.

16. September 1979: In der Nacht zum 16. September gelang es den Familien Strelzyk und Wetzel aus dem thüringischen Pößneck mit dem selbstgebastelten Ballon nach einer halben Stunde Luftfahrt, auf einer Wiese in der Nähe der oberfränkischen Stadt Naila (Landkreis Hof/Saale) zu landen.

29. August 1986: Drei Ost-Berliner durchbrechen gegen Mitternacht mit einem kiesbeladenen Laster die Sperren am Checkpoint Charlie.

5. Februar 1989: Neun Monate vor dem Fall der Mauer wird Chris Gueffroy (20) rücklings von Grenzwächtern erschossen. Er hatte versucht, die Sperranlagen zum West-Bezirk Neukölln zu überwinden.

8. März 1989: Der Letzte, dem die Grenze zum Verhängnis wird, ist der 32-jährige Winfried Freudenberg aus Prenzlauer Berg. Mit einem selbst gebastelten Gasballon stürzt er in Zehlendorf in den Tod.

Galileo Spezial: Freiheit um jeden Preis - Spektakuläre Fluchtversuche aus der DDR, Donnerstag, 6. Januar, 22 Uhr, Pro7, im Anschluss an den Spielfilm Go West, der um 20.15 Uhr, beginnt.

roj/reu/news.de

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