Jauchs letzter Stern «Keine Sau hat mir was gesagt»

Jauch begrüßt Hallaschka (Foto)
Der Alte geht, der Neue kommt: Günther Jauch begrüßt Steffen Hallaschka. Bild: dpa

Ina BongartzVon news.de-Redakteurin
Es sollte seine letzte Stern-Stunde werden: Günther Jauch moderierte nach 953 Sendungen zum letzten Mal Stern-TV und fand sich überraschend als Gast seiner eigenen Sendung wieder. Es lief absolut nichts so, wie er es geplant hatte. 

Ein kleines Stück Fernsehgeschichte ist am Abend bei RTL zu Ende gegangen. Nach 70.000 Sendeminuten und 24.000 Moderationskarten hat Günther Jauch seine letzte Stern-TV-Sendung moderiert. Wobei «moderiert» nicht ganz zutrifft. Er wurde von seinem Team kurzerhand zum Gast seiner eigenen Sendung gemacht. «Keine Sau hat mir was gesagt!», empörte sich Jauch und freute sich mit spitzbübischem Lächeln auf seine Überraschungssendung. Eigentlich hatte er sich darauf vorbereitet, die Höhepunkte aus 20 Jahren Stern-TV zu präsentieren.

Weil Günther Jauch vor zehn Jahren mal als Atze Schröder verkleidet in seine Sendung kam, gab es dafür am Abend die Retour-Kutsche. Atze schritt geschniegelt im Jauch-Outfit durch den Stern und übernahm die Moderation. Ähnlichkeiten Fehlanzeige. Naja, eine nette Idee. 

Günther Jauch
Der bübchenhafte Schelm

Vom Redaktionskollegen gab's dann für Jauch ein Arbeitszeugnis und die Zuschauer erfuhren so manch interessantes Detail über den Herrn des Sterns, der Günther Jauch vom 4. April 1990 bis zum 4. Januar 2011 gewesen ist. 

Wie ist denn der Günther J. Jauch so?

Von seinen TV-Redakteuren wurde Jauch, der mit zweitem Vornamen Johannes heißt und Schuhgröße 45 trägt, als «Meckerhansel», FC-Bayern-Fan und «Spießer mit preußischem Ordnungssinn» beschrieben, der gern auf Zwiebeln verzichtet und Knoblauch hasst wie die Pest. Alles mit einem Augenzwinkern, versteht sich.

Wirklich überraschend: Günther Jauch ist ein notorischer Computer-Misstrauer. Der 54-Jährige tippte bis zur letzten Sendung seine Moderationen auf einer elektrischen Schreibmaschine. Und falls was kaputt geht, stand die Ersatzmaschine inklusive 30 Farbbändern immer im Schrank. Wirklich erstaunlich: Naschkater Jauch verschleckt am Tag mal locker 200 Brausepulver-Oblaten. Die Dinger werden im Stern-TV-Studio überall gehortet.

Auch der sehr speziellen Mode des Günther Jauch wurden etliche Sendeminuten gewidmet. Vor allem die 1990er Jahre haben Übles angerichtet. Jauch versuchte sich rauszureden: «Ich habe mich vermutlich immer deshalb so schlecht gekleidet, damit die Leute mehr auf die Inhalte der Sendung achten.» Wer's glaubt.

Als Modeberaterin war Barbara Schöneberger eingeladen worden. Sie stopfte die schlimmsten Modesünden Jauchs in einen Müllsack. Wozu sie sonst noch in der Sendung war? Man weiß es nicht. Und auch warum Oliver Pocher eingeladen worden war, blieb nebulös. Zwar war er diverse Male in Jauchs Sendung zu Gast, doch das war auch schon alles, was er zur Abschiedssendung beitragen konnte. 

Ein Kloß im Hals und der Neue im Studio

Und dann kam der Mann, auf den alle gewartet hatten: Jauchs Nachfolger. Hallaschka heißt er. Steffen Hallaschka. Er ist 39 Jahre alt, seit 15 Jahren als Moderator im Einsatz und schlappe zehn Zentimeter größer als Jauch, nämlich 1,98 Meter. «Nicht größer, nur länger», betonte der Neuling, der sich - sichtlich nervös und ohne Krawatte - recht wacker schlug für seinen ersten Gang durch den Stern.

Im vergangenen Jahr erreichte Stern-TV nach RTL-Angaben durchschnittlich 2,92 Millionen Zuschauer. Große Fußstapfen also, in die Hallaschka versucht zu wachsen. Etwas Anderes als über sich hinauszuwachsen, wird ihm nicht übrig bleiben. Denn einen Günther Jauch löst niemand so ohne Weiteres ab. 

 Am Ende seiner letzten Stern-Stunden war Günther Jauch dann auch sichtlich ergriffen und dankte mit einem Kloß im Hals für die 20 Jahre und das selbst geschriebene Lied der Redaktionskollegen. Die Kamera hatte schon weggeschwenkt, da war Jauchs Seufzer noch zu hören.

car/reu/news.de

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