Jürgen Tarrach «Ich drücke mich schon mal vor der Hausarbeit»

Jürgen Tarrach (Foto)
Jürgen Tarrach im ZDF-Film Familie Fröhlich - schlimmer geht immer. Bild: ZDF/Reiner Bajo

Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter
Im ZDF-Film Familie Fröhlich spielt Jürgen Tarrach einen perfekten Hausmann und kümmert sich um die beiden Töchter. Im Interview mit news.de spricht der Schauspieler über Arbeitslosigkeit, Völlerei und die Rollenteilung in seiner Familie.

Herr Tarrach, wann haben Sie zuletzt für Ihre Familie gekocht – und was?

Jürgen Tarrach: Am Samstag sind Freunde zu uns zum Essen gekommen, da habe ich meine Gäste mit einem koreanischen Rindertatar überrascht. Davor gab es eine leckere Fischsuppe mit asiatischem, aber auch französischem Einschlag.

Sie haben ein Kochbuch verfasst -Richtig fressen heißt es. Das klingt nach Völlerei…

Tarrach: Ja, der Titel ist natürlich eine kleine Provokation. Aber es geht in Richtig fressen auch darum, welche Glücksgefühle Völlerei auslösen kann. Hauptidee des Buches war allerdings, um die Rezepte herum kleine Geschichten aus dem Leben zu drapieren. Ich habe es zusammen mit meinem langjährigen Freund Klaus Ortner geschrieben und es ist ein schönes Freundschaftsbuch geworden.

Sind Sie jemand, der privat im Haushalt anpackt? Also nicht nur in der Küche?

Tarrach: Ich muss gestehen, dass ich da nicht so der Meister bin und mich gerne ein bisschen drücke, aber ab und zu mache ich schon auch mal was. (lacht).

Ist die klassische Rollenverteilung in der Familie noch zeitgemäß?

Tarrach: Das weiß ich nicht. Meine Frau und ich haben es klassisch gehandhabt, weil ich oft wegen Dreharbeiten unterwegs war. Da wäre es schwierig geworden, wenn sie auch weiterhin am Theater gearbeitet hätte. Außerdem wollte sie bei den Kindern bleiben, um sie zu erziehen. So haben wir das geregelt. Ich begreife das nicht so sehr als Rollenverteilung, wir haben einfach gemeinsam entschieden. Andere Frauen entscheiden sich eben für die Karriere, was auch in Ordnung ist – es sind ja alle Möglichkeiten offen.

Für Bernd, den Sie im Film Familie Fröhlich – schlimmer geht immer spielen, ist der Haushalt eher eine Notlösung – wie sehr konnten Sie sich in die Rolle hineinversetzen?

Tarrach: Der beste Charakterzug von Bernd Fröhlich ist, dass er sich nicht unterkriegen lässt. Das fand ich sehr schön und konnte mich daher sehr gut in meine Rolle hineindenken. Bernd wird arbeitslos und hat Schwierigkeiten, einen neuen Job zu finden – aber trotzdem sucht er einen Sinn und will seine Würde nicht verlieren. Deshalb wird er Hausmann und entdeckt eine neue Aufgabe: seine Familie bekochen und den Haushalt machen. Und dann gibt es auch Szenen, in denen Bernd dem Fallmanager im Jobcenter Paroli bietet – er versucht also, sein Schicksal selbst zu bestimmen und lässt sich nicht hängen.

Und trotzdem muss Bernd einen Rückschlag nach dem anderen einstecken. Wie realistisch finden Sie diese Darstellung des Rundum-Pechvogels?

Tarrach: Man muss es so sehen: Familie Fröhlich – Schlimmer geht immer ist eine Familienkomödie. Und Komödien funktionieren nach dem Schema, dass alles immer schlimmer wird und der Hauptdarsteller versucht, irgendwie wieder herauszukommen. Übrigens: Dass die Tochter schwanger wird, muss man nicht unbedingt als Unglück begreifen. Für Bernd ist es zwar ein Unglück, weil er wollte, dass seine Tochter eine Ausbildung macht oder studiert – aber das ist natürlich aus seinem Weltbild heraus betrachtet. Und letztlich gibt es ja dann doch ein Happy End. Wir wollten einfach das Thema Arbeitslosigkeit so amüsant wie möglich darstellen.

Sind Sie selbst schon arbeitslos gewesen oder haben Sie als Schauspieler schon einmal eine Durststrecke erlebt?

Tarrach: In den 16 Jahren, die ich schon freischaffend arbeite, gab es ein paar Mal Zeiträume von höchstens drei Monaten, in denen ich nichts zu tun hatte. Aber man kann diese Art von Arbeitslosigkeit nicht mit der Situation von Bernd Fröhlich vergleichen: Der hatte sein Leben ganz anders geordnet und war festangestellt. Das bin ich nicht, darum muss ich das aushalten und gehe das Risiko auch bewusst ein. Aber ich kann mich natürlich in Bernd hineindenken: Was das für eine Katastrophe sein muss, plötzlich nicht mehr gewollt zu werden!

Bernd Fröhlichs Fallmanager fordert ständig «Flexibilisierung» ein - ist diese Forderung berechtigt oder verlangt der Staat da zu viel von Arbeitslosen?

Tarrach: Da ist der Film sehr kritisch. Flexibel sein heißt ja: ständig umziehen, immer wieder woanders hingehen, wo es Arbeit gibt – das ist mit 50 Jahren nicht mehr so einfach. Hier wird eine Art Amerikanisierung der Gesellschaft gefordert – und genau das kritisiert Familie Fröhlich, denn das Gerede von Flexibilität ist nicht die Lösung für alle wirtschaftlichen Probleme.

Der Wirtschaftsaufschwung ist da – und Sie sind in Familie Fröhlich als arbeitsloser Autoschlosser zu sehen. Kommt der Film zu spät?

Tarrach: Das finde ich nicht. Natürlich haben wir den Wirtschaftsaufschwung, die Auftragsbücher sind voll und die Arbeitslosenzahl geht ein Stück weit zurück. Aber es sind oft sehr prekäre Arbeitsverhältnisse, die da geschlossen werden. Nehmen Sie zum Beispiel Zeitarbeitsverträge. Von daher wird uns das Thema Arbeitslosigkeit noch weiter beschäftigen, zumal Vollbeschäftigung ohnehin nicht mehr erreicht werden kann.

Eine Familienkomödie über Arbeitslosigkeit – wie passt das zusammen?

Tarrach: Ich finde das passt sehr gut zusammen. Und die Kombination ist in Familie Fröhlich – schlimmer geht immer deshalb gut gelungen, weil der Film einfach sehr viel Herz hat: Der Zuschauer kann sich mit einer Familie identifizieren, die so stark zusammenhält. Deshalb genießt man es, diese sympathische Familie durch die Irrungen und Wirrungen des Lebens zu begleiten – und das ist der Anker, den der Film hat.

Verraten Sie unseren Lesern ein klassisches Rezept für die Weihnachtstage?

Tarrach: Natürlich! An Weihnachten koche ich sehr gerne Wildschweingulasch mit Pflaumen, Rosinen und Orangeat in Rotweinsoße – das Rezept finden Sie im Internet.

Jürgen Tarrach spielt die Hauptrolle in dem Film Familie Fröhlich - schlimmer geht immer, den das ZDF am Montag, 13. Dezember, um 20.15 Uhr ausstrahlt. Lesen Sie dazu unsere Rezension.

car/wie/news.de

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