«Maybrit Illner» Euro im Finanzzyklon

Maybrit Illner (Foto)
Der Euro und die Krise war Thema bei Maybrit Illner. Bild: news.de

Von news.de-Mitarbeiter Armin Peter
Angst um den Euro: Maybrit Illners Gäste hatten insgesamt wenig Optimismus mitgebracht. Einigkeit herrschte darüber, dass dringender Sanierungsbedarf besteht – und einige redeten sogar unverhohlen vom Ende der Währungsunion.

Die Euro-Krise wurde in einem New Yorker Restaurant ausgeknobelt: Vier amerikanische Hedgefonds-Manager beschlossen im Februar, gegen die europäische Gemeinschaftswährung zu spekulieren. Schon seit dem Fall Griechenlands kursieren Medienberichte über einen konzentrierten Angriff gegen die Währungsunion, der noch lange nicht beendet ist.

Nun wankt der Euro schon wieder – und die Nervosität wächst: Unklar ist, ob der 750 Milliarden Euro starke Rettungsschirm ausreicht, um alle angeschlagenen Staaten der Währungsunion zu schützen. Sogar eine gemeinsame Anleihe aller Eurostaaten, der sogenannte Euro-Bond, ist inzwischen im Gespräch. Und das für 2013 geplante Rettungsnetz der EU steckt noch in den Kinderschuhen.
Kein Wunder also, dass auch bei Maybrit Illner wieder mal die Euro-Alarmglocken schrillten: «Weiche Währung, harte Zeiten – ist der Euro in Gefahr?», so die Leitfrage an ihre Gäste.

Skeptiker gegen Euro-Befürworter

Börsenmakler Dirk Müller hatte überhaupt keinen Zweifel. Lässig zurückgelehnt schleuderte er seine wenig beruhigenden Thesen in den Raum: «Portugal ist die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Danach kommt noch Spanien – und spätestens bei Italien ist endgültig Schluss». Die Währungsunion werde auseinanderbrechen – da war sich Müller, der auch unter dem Spitznamen «Mister Dax» bekannt ist, absolut sicher, denn: «Zur Währungsunion gehört immer auch eine politische Union – und dazu herrscht in Europa eine viel zu starke Kakophonie».

Für diesen rabenschwarzen Zukunftsblick bekam Müller von EU-Seite eins aufs Dach: Als «Geschnatter und Gequake, das endlich aufhören muss» kanzelte der ehemalige EU-Kommissar Günter Verheugen (SPD) seine Spekulationen ab: Die Euro-Krise habe «strukturelle Ursachen», nun sei eine schnelle Sanierung gefragt. Alle Euro-Staaten müssten dazu eine viel stärkere wirtschaftspolitische Koordinierung anstreben. Dem Euro-Bond-Vorstoß erteilte Verheugen allerdings eine klare Absage: «Er hilft nicht, sondern verteilt nur die Lasten einseitig auf Kosten Deutschlands». Damit stärkte der Ex-Kommissar Bundeskanzlerin Merkel den Rücken: Mit ihrer Ablehnung von Jean-Claude Junckers Vorstoß hatte Merkel für Unmut bei einigen EU-Kollegen gesorgt – der luxemburgische Ministerpräsident selbst hat die deutsche Bundesregierung daraufhin scharf attackiert.

Rückkehr zur D-Mark?

Doch auch auf deutscher Seite blühen die originellsten Ideen: Immer lauter träumen Euro-Kritiker von einer Rückkehr zur DM – sie sehen die alte Währung als sicheren Hafen im zunehmend chaotischen Finanzzyklon. Auch beim überzeugten Euro-Gegner Joachim Starbatty schienen DM-Zeichen in den leuchtenden Augen aufzublitzen, als er von der guten alten Zeit schwärmte. Seine Botschaft: Mit der DM würde Deutschland besser fahren, denn «früher hatten wir die stärkste Währung Europas, jetzt haben wir ein Zwischending aus DM und Drachme».

Illners launiges Recherchefilmchen schien seine Sicht zu untermauern: Politisch und logistisch wäre ein Rückkehr zur alten Währung theoretisch möglich – und viele Bürger würden dem Euro keine Träne nachweinen. Wohl aber die Industrie: BDI-Präsident Hans-Peter Keitel wehrte sich vehement gegen solche Pläne. «Die deutsche Industrie hat von der Euro-Einführung stark profitiert, eine Abschaffung wäre fatal», orakelte Keitel. Stattdessen müssten die Euro-Staaten jetzt gemeinsam überlegen, «wie wir in diesen harten Zeiten auch unsere Währung wieder hart kriegen». Solidität und Stabilität – beinahe beschwörend klammerte sich der BDI-Chef an diese beiden Schlüsselbegriffe.

Leichter gewünscht als getan: Ob Rettungsschirm, beruhigende Worte oder Stresstests für Banken – bisher konnten alle Maßnahmen der EU-Verantwortlichen die Krise bestenfalls verzögern, nicht aber beenden. Börsenexperte Müller ging sogar so weit, die bisher beschlossenen Krisenmaßnahmen spöttisch als «Volksverarschung» abzustempeln – und erstaunlicherweise hielt sich der Protest der anderen Gäste in sehr engen Grenzen. Auch auf Müllers sarkastische Frage, ob denn Deutschland den Euro-Rettungsschirm bald allein halten solle, fiel keinem eine schlagfertige Antwort ein.

Trotz dramatischem Titel und ernster Lage ist die Sendung erfreulich sachlich und ohne alarmistische Ausfälle verlaufen – umso drastischer wurde allerdings deutlich, dass die Politiker noch immer Getriebene der Finanzmärkte sind. Ein Ende ist nicht absehbar. Maybrit Illners Expertenkreis hat verschiedene Rettungs- und Untergansszenarien durchexerziert – verständlich und ohne dabei den Normalbürger abzuhängen. Zurück bleibt die Sorge um die Gemeinschaftswährung – und die Frage, welche der vielen Behandlungsmethoden die Richtige ist, um den Patienten Euro gesund zu machen.

cvd/news.de

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