RTL-Jahresrückblick Jauchs Festival der Liebeserklärungen

Rückblick: Günther Jauch präsentierte noch einmal das Jahr 2010. (Foto)
Rückblick: Günther Jauch präsentierte noch einmal das Jahr 2010. Bild: RTL

Von news.de-Redakteur Martin Walter
Liebesbekundungen, Lebensrettung, Lego-Spielchen: Günther Jauchs Jahresrevue 2010! Menschen, Bilder, Emotionen beginnt stark, baut aber deutlich ab. Mit Daniela Katzenberger hat der Showmaster so seine Problemchen.

Als Manfred Bauknecht noch einmal das Wort ergreift, kann der junge Mann seine Tränen kaum mehr zurückhalten. Mit gebrochener Stimme bedankt sich der Lehramtsstudent per Kamera bei seiner Schwester für ihre Unterstützung nach dem tragischen Unglück bei der Loveparade in Duisburg, dem der junge Mann nur knapp entronnen ist. 21 Menschen verloren ihr Leben, Manfred Bauknecht und die 17-jährige Kristina Muth hatten viel Glück und kamen mit dem Schrecken davon. Nun sitzen die beiden Günther Jauch gegenüber und schildern noch einmal ihre Erlebnisse an diesem 24. Juli 2010.

Der 27-jährige Student hat die tragischen Geschehnisse in der Menschenmenge mit einer Videokamera aufgezeichnet, die Bilder lassen einem noch immer kalte Schauer über den Rücken jagen. Die Schülerin Kristina Muth verdankt Manfred Bauknecht ihr Leben, bewegend erzählen beide von den Geschehnissen und verleihen damit dem RTL-Jahresrückblick 2010! Menschen, Bilder, Emotionen seinen emotionalen Höhepunkt.  

Günther Jauch
Der bübchenhafte Schelm
Der bübchenhafte Schelm (Foto) Zur Fotostrecke

195 plus neun Minuten Nachspielzeit ließ RTL-Zugpferd Günther Jauch die Fernsehzuschauer auf das Jahr 2010 zurückblicken. Und er kam immerhin auf drei Jahrestage mehr als sein Kollege Kerner von Sat.1, der vorgelegt hatte in Sachen Jahresrückblick. Wie schon bei JBK verursachte das Unglück von Duisburg auch bei Jauch die meiste Gänsehaut. Ansonsten geriet die Jahresrevue von RTL zu einer langatmigen Show, die ihre stärksten Momente gleich zu Anfang hatte.

Podolski & Co. sorgen für Stimmung

Schön, wenn man sich seine Gäste selbst kreieren kann: Mit Ralf Schnoor begrüßte Jauch wenige Tage nach dessen Erfolg den ersten Millionengewinner seiner Show Wer wird Millionär? seit vier Jahren. Der schlagfertige Konditor durfte ganz zu Beginn der Sendung noch einmal auf dem Ratesessel gegenüber Jauch Platz nehmen und von seinen ersten Erfahrungen als Jungmillionär berichten, die er mit einem Liebesgeständnis krönte: «Meine Frau ist mein ganz persönlicher Millionengewinn.» Ein gelungener Einstieg in die Sendung, der zugleich Maßstäbe setzte, denn Jauchs Jahresrückblick war auch die Show der Liebeserklärungen.

Die Fortsetzung machte Supertalent-Jurorin Sylvie van der Vaart , die bei ihrem Fünf-Minuten-Auftritt mit viel Bein und wenig Rock von ihrer Brustkrebserkrankung erzählte und ihrem Mann Rafael van der Vaart ein Liebesgeständnis gen England schickte. Auch der frisch getraute Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm ließ sich nicht lumpen und antwortete auf Jauchs Frage, was denn schöner sei, eine Eheschließung oder ein WM-Spiel, spitzbübisch mit: «Eine Hochzeit, denn die ist nicht alle vier Jahre!»

Überhaupt sorgten die vier Nationalelf-Bubis Manuel Neuer, Lukas Podolski, Philipp Lahm und der zugeschaltete Thomas Müller mit ihrem lockeren Auftritt für die ausgelassenste Stimmung im Saal und unterstrichen die Ausnahmestellung der Fußballnationalspieler als Sympathieträger des Landes. Abgerundet wurde der WM-Rückblick mit dem Legobastler Fabian Moritz, der in Youtube-Filmchen die Tore der deutschen Nationalmannschaft nachgestellt hatte, und dem WM-Lied Helele von  Velile & Safri Duo

«Nackig machen kann sich ja jeder»

Für Erheiterung sorgte erwartungsgemäß auch der Auftritt von Kultblondine Daniela Katzenberger. Die 24-Jährige parlierte gewohnt keck drauf los und beantwortete Fragen zu ihrem Busen, einem abgelehnten Playboy-Angebot («Nackig machen kann sich ja jeder») und ihrem männlichen Traumtyp («Eigentlich sollte er 'ne Figur haben wie 'ne Waschmaschine»). Der boulevardeske Talk mit der Blondine war Jauch jedoch sichtbar unangenehm, und so schien der Moderator froh, als er zum nächsten Gast überleiten konnte.

Doch auch auf dem politischen Sektor schwächelte Jauch ungewohnt, und es entsponnen sich nur äußerst zähe Dialoge mit seinen Gästen Guido Westerwelle und Thilo Sarrazin. Ebenso trocken geriert der Talk mit Dietrich Wagner, der bei einem Polizeieinsatz während der Proteste gegen Stuttgart 21 beinahe sein gesamtes Augenlicht verlor. Einfacher tat sich Jauch mit dem 14-jährigen Wunderkind Nikolaus Hildebrand, der mit 1,1 sein Abitur gemacht hat und inzwischen Physik studiert. Mit ihm hantierte der Entertainer relativ sinnfrei an Chemikalien herum und entlockte ihm das Geständnis, dass Schule überhaupt gar keine Freude mache.

Am Schluss menschelte es dann doch noch einmal: Der chilenische Bergarbeiter Mario Valdiva und seine Frau waren zu Gast und erzählten ihre Version von der gelungenen Rettungsaktion, gefolgt vom nächsten Liebesgeständnis und der Ankündigung, bald kirchlich heiraten zu wollen. Ebenso gut verzichten können hätte man dagegen auf Restauranttester Christian Rach, der vor großem RTL-Publikum Werbung für seine RTL-Formate machen durfte. Auch der Auftritt des Trierer Bischofs Dr. Stephan Ackermann zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche schien eher einer lästigen Chronistenpflicht entsprungen zu sein. Weniger wäre manchmal mehr.

cvd/ivb/news.de

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