Anne Will «Legal, illegal - schei├čegal»

Auch bei Anne Will widmete sich die Gespr├Ąchsrunde den vorab ver├Âffentlichten Geheimdokumenten von Wikileaks. Offenbar waren aber weder die Moderatorin noch die G├Ąste wirklich gut vorbereitet. Ergebnis: sinnloses Geblubber.

Wikileaks - Fluch oder Segen f├╝r die Demokratie? Wollte Anne Will eigentlich wissen. Bild: dpa

Weil ein Schweizer Bahnhofskiosk schon Sonntag begonnen hat, die Spiegel-Ausgabe zu verkaufen, wurden die Wikileaks-Informationen pl├Âtzlich einen Tag zu fr├╝h publik. Diverse Leser twitterten den Inhalt und er verbreitete sich wie das klassische Lauffeuer. Spiegel Online reagierte schnell und ver├Âffentlichte den f├╝r 22.30 Uhr geplanten Artikel fr├╝her.

So schnell wie das Internet w├Ąre das Fernsehen auch gerne, allen voran Nachrichtenprogramme und f├╝r ein solches h├Ąlt sich auch Anne Will. Also wurde die urspr├╝nglich geplante Sendung ├╝ber das schwierige Verh├Ąltnis vom Chef zu seinen Angestellten abgesagt und ersetzt mit dem Thema - ja mit welchem Thema eigentlich?

Das wei├č Frau Will offensichtlich zu Beginn ihrer Sendung selbst nicht genau. Also faselt sie irgendetwas von «brisanten Geheimakten», die Wikileaks ver├Âffentlichen will und die am Montag im Spiegel zu begutachten sind. Aha. Wer nicht den ganzen Sonntagnachmittag bei Twitter verbracht hat, wei├č zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nicht, worum es eigentlich geht und wird durch Wills Gefasel leider auch nicht schlauer.

Aber das ist Anne Will nicht so wichtig. Statt den Zuschauer ├╝ber die angeblich so brisanten Geheimakten aufzukl├Ąren, stellt sie lieber die G├Ąste vor, die sich spontan bereit erkl├Ąrt haben, zu ihr zu kommen: Talkshowdauergast und Blogger Sascha Lobo zum Beispiel. Oder FDP-Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel. ├ťber den hei├čt es in den «geheimen Berichten» der amerikanischen Regierung, er sei eine «schr├Ąge Wahl».

Auf der Suche nach dem Thema

Diese Information ist allerdings nicht besonders geheim - der FDP-Mann hatte vor der Bundestagswahl 2009 eine Abschaffung des Entwicklungshilfeministeriums gefordert, nach der Wahl wurde er dessen Chef. Das finden hierzulande bestimmt genau so viele Menschen «schr├Ąg», wie in der amerikanischen Regierung. Statt aber zuzugeben, dass diese Informationen gar nicht geheim sind, darf sich Niebel erst einmal ausgiebig rechtfertigen, warum er keine «schr├Ąge Wahl» sei.

Irgendwann fragt Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff verwundert in die Runde: «Was ist eigentlich los?» Er scheint also rein thematisch auf dem gleichen Niveau wie der Zuschauer. Und kommt dann zum eigentlichen Punkt: Was sagen die nun ├Âffentlich gewordenen Papiere ├╝ber das deutsch-amerikanische Verh├Ąltnis aus?

Leider haben die anderen G├Ąste ├╝berhaupt keine Lust ├╝ber die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA zu reden. Und so kommt es, dass trotz Casdorffs intelligenter Frage die Diskussion gleich wieder abgleitet: Sascha Lobo entwirft die Zukunft der Informationspolitik - geheime Akten f├╝r jedermann, zug├Ąnglich durchs Internet. Niebel widerspricht ihm und sieht in Lobos Vision eine Gefahr. Und der Publizist und PR-Berater Klaus Kocks findet Wikileaks schlicht «illegal».

Darauf erwidert Sascha Lobo, dass es egal sei, ob die Ver├Âffentlichung der geheimen Informationen legal sei oder illegal. «Legal, illegal - schei├čegal», versucht sich Klocks ├╝ber diese Meinung lustig zu machen. Und trifft mit dieser Aussage den Nagel auf den Kopf: Denn ist die Information - egal was eigentlich ihre Aussage ist -  einmal im Internet ver├Âffentlicht, ist es wirklich v├Âllig egal, woher sie kommt. Hauptsache die ganze Welt redet dr├╝ber.

Danke Anne!

So wie die f├╝nf Personen bei Anne Will. Nur wor├╝ber eigentlich? Das ist auch am Ende der Sendung noch immer nicht klar. Jeder der Anwesenden redet ├╝ber etwas anderes, der Zuschauer bleibt v├Âllig auf der Strecke. Als Dirk Niebel nach ├╝ber 40 Minuten auch noch Stuttgart 21 anbringen m├Âchte, unterbricht ihn Anne Will zum Gl├╝ck. Danke Anne!

Ganz zum Ende der Sendung dann doch noch eine ├ťberraschung: Anne Will moderiert ab und nennt pl├Âtzlich in einem Nebensatz das Thema der letzten Stunde: Wikileaks - Fluch oder Segen f├╝r die Demokatie? Darum ging es also, staunt der Zuschauer. Eine konfuse Sendung ist damit zu Ende, doch die Frage nach «Fluch oder Segen» wurde nicht beantwortet.

Vielleicht h├Ątte Anne Will einfach bei dem urspr├╝nglich geplanten Thema bleiben sollen: Wenn der Chef zum Feind wird.

cvd/ivb/news.de

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8 Kommentare
  • gundolf

    01.12.2010 17:42

    schade um die sendezeit. es kommt nichts heraus.

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  • emdon

    30.11.2010 16:25

    Anne Will, ist mir schei├čegal. Ist schon lang von meiner Programmliste geflogen. Will und kann nicht. MfG Emdon

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  • Andreas Friend

    30.11.2010 02:02

    Frau Will bekam schon Frau Schwarzer nicht in den Griff, als sie ihr die Sendeleitung anl├Ą├člich der "Kachelmann"-Sendung aus der Hand nahm und sie und auch Frau Friedrichsen niederbr├╝llte. Schusterin bleib bei deinen Leisten - Tagesthemen vom Blatt ablesen reicht auch!

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