«Hart aber fair» Wenn Mutter ins Altenheim soll

Pflegeheim oder Betreuung zu Hause? Die Hart aber fair-Runde bei Frank Plasberg diskutiert über den Ernstfall im Alter, die Zustände in deutschen Heimen und die Finanznot im Pflegebereich. Und eine 94-Jährige macht Mut.

Frank Plasberg (Foto)
Der richtige Zeitpunkt war bei Frank Plasberg gefragt. Bild: WDR/Rayermann
Die 15 Talkshowkönige

Stefan Krastel hat seine Ersparnisse geopfert und seinen Job aufgegeben, heute lebt er von Hartz IV. Der Mann ist finanziell ruiniert, weil er seine Mutter, die seit einem Schlaganfall pflegebedürftig ist, zu Hause betreut. Trotzdem sagt er: «Das ist es mir wert.» Die Mutter ins Heim zu geben, ist für ihn keine Option.

Unter dem Titel Wenn Eltern plötzlich hilflos sind diskutieren Frank Plasbergs Gäste über das Thema Pflege. Was also tun, wenn Angehörige allein nicht mehr können und Hilfe brauchen?

Die Hingabe, mit der einer wie Stefan Krastel seine Mutter pflegt, nötigt dem Zuschauer tiefen Respekt ab. Sein Beispiel zeigt aber auch: Wer nicht wohlhabend ist, für den kann häusliche Pflege zur Armutsfalle werden. Dazu kommen die körperlichen und psychischen Belastungen, die die Situation mit sich bringt.

Frank Plasberg: Der Harte, aber faire

Kann man einen Menschen moralisch verurteilen, der zugibt, dass er diese Lasten nicht auf sich nehmen will? Wahrscheinlich nicht. Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn sagt: «Ich würde nicht meinen Beruf aufgeben, um meine Eltern zu pflegen.» Das ist immerhin eine ehrliche Antwort. In der Hart aber fair-Runde macht ihm niemand daraus einen Vorwurf. Bei besonders pflegebedürftigen Menschen wie Demenzkranken könne das Altenheim sogar die bessere Alternative sein, sagt Bernd Meurer vom Pflegeverband BPA.

Alles hängt am Geld - zuhause und im Heim

Zumindest theoretisch wird in den Heimen professionell und fürsorglich mit den Leuten umgegangen. In der Praxis sieht es aber oft anders aus. Detlev Meyer-Peters berichtet von seiner Arbeit als Altenpfleger. Er erzählt von Stress, Zeitdruck und Pflegearbeit im Akkord. Für den einzelnen Menschen bleibe da oft wenig Zeit, auch wenn die meisten Pfleger sich gern intensiver kümmern würden. Doch dazu bräuchte es mehr Personal.

Letztlich hängen im Pflege-Komplex die meisten Probleme am Geld. Stefan Krastel klagt, dass er für die häusliche Pflege seiner Mutter vom Staat nicht hinreichend honoriert wird. Und eine professionelle, ambulante Rund-um-die-Uhr-Pflege kann, wie die Plasberg-Redaktion in einem Einspielfilm vorrechnet, mit mehr als 6000 Euro im Monat zu Buche schlagen - sofern Familien nicht auf die illegalen Dienste einer polnische Haushaltshilfe zurückgreifen.

Die Heime wiederum klagen über mangelnden Nachwuchs. Kein Wunder: Pflegekräfte verdienen in Deutschland immer noch skandalös wenig Geld. Aus der Not heraus werden viele Leistungen inzwischen an Ehrenamtliche ausgelagert. Die Schauspielerin Mariella Ahrens etwa kümmert sich in ihrer Freizeit um alte Leute im Heim, oft tut es schon ein Gespräch oder ein Spaziergang.

Ältester Plasberg-Gast gibt Tipps für Heimbewohner

Von den Zuständen in deutschen Pflegeeinrichtungen zeichnet Ahrens ein düsteres Bild. Sie berichtet von Uringeruch auf den Gängen und alten Menschen, die verloren dahinvegetieren. Ähnlich sieht es Stefan Krastel: In vielen Heimen fehle die Kapazität, um die Bewohner menschenwürdig zu betreuen.

Immerhin bastelt die Bundesregierung derzeit an einer Reform, um der Finanznot Herr zu werden. Die geplante «Rösler-Pflege», benannt nach dem FDP-Gesundheitsminister, könnte ähnlich funktionieren wie die Riester-Rente: Menschen sparen sich im Laufe ihres Lebens eine kapitalgedeckte Zusatzvorsorge an, mit der die Pflege im Alter bezahlt wird.

Aber die finanziellen Aspekte sind nur die eine Seite. Ein Stück weit kommt es auch darauf an, was die Betroffenen selbst aus der Situation machen. Das zeigt das Beispiel von Helmi Uebach, mit der Frank Plasberg ein erfreulich langes Gespräch führt. Die 94-jährige Dame aus Mönchengladbach ist der älteste Gast, der je in einer Hart aber fair-Talkrunde dabei war. Helmi Uebach lebt seit sieben Jahren in einem Heim, aber sie wirkt vital und gut aufgelegt.

Man darf sich nicht zurückziehen und hängenlassen, sagt sie. Man soll aktiv bleiben und offen auf die anderen Heimbewohner zugehen. Als sie neu war im Heim, hat Helmi Uebach drei Tage langt nur geweint. Dann hat sie Kontakte geknüpft, jetzt genießt sie die Gesellschaft im Alter. Sie sagt: «Wenn ich allein leben würde, wäre es einsamer.»

cvd/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Busch Leo
  • Kommentar 2
  • 12.05.2011 19:28

Teil2 wegen Platzmangel "Persönliches Budget für Behindert" Mit diesem Geld kann man eine häusliche Pflege organisieren. Man kann es aufteilen in Sachleistungen (z.B.: Essen auf Rädern und Teilpflege, je nach Grad der Behinderung). Antrag bei der DAK-Pflegekasse! Die Entscheidung eines behinderten Menschen, ob er stationär (Heim) oder ambulant (Zuhause) versorgt werden wolle, sei ein Bürgerrecht!

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  • Busch Leo
  • Kommentar 1
  • 12.05.2011 19:24

Hallo Herr Frank Plasberg "Hart aber fair" Ab 2008 gibt es ein „Persönliches Budget für Behindert“ Mit dieser gesetzlichen Sozialleistung können Behinderte wählen, ob sie in einem Heim oder außerhalb leben wollen. Über das „Persönliche Budget“ erhalten Behinderte künftig statt Sachleistungen Geld, mit dem sie ihre Hilfen eigenverantwortlich organisieren und abrechnen können. Tl. Sozialgesetzbuch darf der Betrag die Kosten für eine Unterbringung im Heim allerdings nicht überschreiten. Z.B. Heimkosten Bürgerspital Amberg (Stand 01.12.2008) monatlich 2.346,90 € Einzelzimmer Pflegeastufe I. Teil1

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