Von von news.de-Redakteurin Julia Pfeifer - 21.11.2010, 11.22 Uhr

Matthias Schloo : Weg vom Bubi-Image

Matthias Schloo? Wer soll das sein? Googelt man seinen Namen, klingelts. Das ist doch Lolles Freund aus Berlin Berlin. Zwei Jahre lang hat er in der Serie mitgespielt. Die Rolle des ewige Liebehabers will der Schauspieler endlich abstreifen. Wie er das schaffen will, verrät er news.de

Matthias Schloo in Traum aus Schokolade. Bild: zdf/Jacqueline Krause-Burberg

Matthias Schloo hat genug von der Rolle des Bubis und des ewigen Liebhabers. Seit er vor neun Jahren den Alex in Berlin Berlin spielte, hängt ihm diese Image an. Nun will er mit seinen Rollen endlich mehr Reife zeigen. Ob da die Schmonzette Traum aus Schokolade (zu sehen am 21. November, 20.15 Uhr, im ZDF) die richtige Wahl gewesen ist?  In dem Film spielt Matthias Schloo zur Abwechslung mal nicht den romantischen Liebhaber, sondern den karrierebesessenen Fabrikantensohn. Und außerdem gab es bei den Dreharbeiten sehr viel Schokolade.

Herr Schloo, mögen Sie Schokolade?

Matthias Schloo: Jaaaa (lacht). Als ich nach Brügge gefahren bin, wusste ich nicht, was ich mir unter einer Stadt der Chocolatiers vorstellen sollte. Nachdem ich gesehen habe, was dort an Schokolade hergestellt wird, war mir klar, dass es bei Schokolade Unterschiede gibt.

Durften Sie beim Dreh Schokolade essen?

Schloo: Wir haben ja in Schokoladenfabriken gedreht und unser Setberater, der Chocolatier war, hatte immer Tonnen von Schokolade dabei. Und die musste ja auch irgendwann weg.

Haben Sie sich mit dem Thema Schokolade vor dem Film auseinandergesetzt?

Schloo: Ich koche leidenschaftlich gern. Deswegen sind mir einige Gewürze bekannt. Ich wusste schon in etwa, was ich da vor mir habe.

Was kochen Sie denn?

Schloo: Ich probiere viel aus, koche aber nach Buch. So, aus dem Handgelenk würde ich mir das nicht zutrauen. Wenn ich koche, dann kaufe ich auch alles ganz frisch auf dem Markt oder beim Bio-Schlachter ein.

Wie weit gehen Sie denn bei einer Rollenvorbereitung?

Schloo: Ich hatte mal eine Rolle, in der ich einen Stricher gespielt habe. Da musste ich nicht hinter die Kulissen gucken, um mir vorstellen zu können, was da abgeht. Ich glaube, richtig vorbereiten kann man sich erst, wenn es an das Handwerkliche geht. Bei Ein Traum aus Schokolade hätte das vielleicht ein bisschen mehr sein können. Ich wusste zum Beispiel nicht, wie ich die Luftblasen aus der flüssigen Schokolade klopfen sollte. Mir ist dabei immer die Form aus den Fingern gerutscht.

Wie würden Sie die Figur, die Sie spielen, charakterisieren?

Schloo: Jan ist sehr ehrgeizig und hat immer ein klares Ziel vor Augen, nämlich, den Familienbetrieb zu retten.

Können Sie sich mit der Figur identifizieren?

Schloo: Der ist schon ziemlich weit weg von mir. Schon sein Hintergrund, die Familie mit viel Geld, das ist ein ganz anderer Hintergrund und hat mit mir überhaupt nichts zu tun.

Seit letztem Jahr spielen Sie in der Serie Notruf Hafenkante mit. Sie habe bei der Serie Berlin Berlin aufgehört, weil Ihnen Ihre Rolle zu eindimensional geworden war. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen das jetzt mit der neuen Serie wieder passiert?

Schloo: Das kann natürlich jeder Zeit wieder passieren. Damals war ich Mitte 20 und bedeutend ungeduldiger. Und die Figur, die ich gespielt habe, hatte einfach nur Lolle und die Dreiecksbeziehung als Thema. Das wurde mir dann wirklich ein bisschen langweilig. Bei Notruf Hafenkante wird auch nicht jedes Mal der Film neu erfunden – das ist mir schon klar – aber die Rolle ist ein Stück weit erwachsener. Das war auch der ausschlaggebende Punkt, die Rolle zu übernehmen. Ich wollte Reife zeigen und weg von dem Bubi und dem ewigen Liebehaber.

Spielen Sie lieber Serien oder Filme?

Schloo: Es hat beides seine Vorzüge. Mit einer Serien hat man die Möglichkeit, einen Charakter über eine lange Zeit darzustellen und zu erzählen, was man im Film schneller und komprimierter machen muss.

Franka Potente sagte in einem Interview, Sie würde auch gern in einer Serie spielen, weil das eine gewisse finanzielle Kontinuität bedeutet. Sehen Sie das auch so?

Schloo: Das sehe ich ganz genauso. Ich bin vor kurzem Vater geworden und da ist es wichtig, zeitlich und finanziell zu planen. Eine Serie bedeutet fast schon ein geregeltes Leben, was man so auf dem freien Filmmarkt nicht hat. Serien sind da Luxus.

Lesen Sie auf Seite 2, warum es Matthias Schloo egal ist, dass er auf Promi-Veranstaltungen nicht erkannt wird

Wie bekommen Sie Ihre Rollen?

Schloo: Ich bekomme Rollen, wo man ausschließlich mich will. Aber ich gehe auch zu Castings, wo es nichts wird. Und natürlich habe ich auch eine Agentur, die im Hintergrund arbeitet und versucht, mich an den Mann zu bringen. Die Agentur weiß, wo etwas gefragt ist und was gedreht wird. Wenn man in der Mühle einmal drin ist, dann ergeben sich auch viele Sachen von selbst. Dann bringt einen auch mal ein Regisseur in ein Projekt.

Wie stark sind Sie beim Netzwerken?

Schloo: Das kann ich nicht und will ich auch nicht. Dafür habe ich eine Agentur, die sich damit auskennt. Ich bin auch nicht jemand, der auf den einschlägigen Veranstaltungen steht und Späßchen macht, in der Hoffnung, dass ein Job bei rauskommt. Das funktioniert so, glaube ich, auch nicht. Man muss ich schon ab und an zeigen, damit die Leute einen nicht vergessen. Aber richtig gute Projekte kommen anders zustande. Da muss man sich einfach durch gute Arbeit selbst empfehlen.

Sie haben in Hamburg mal ein Praktikum bei der Polizei gemacht. Wollten Sie Polizist werden?

Schloo: Ja.

Warum sind Sie es doch nicht geworden?

Schloo: Mich hat der bürokratische Teil abgeschreckt. Die Amtsstuben sind nicht so schick wie in den amerikanischen Serien. Das ist schon ein ganz schön tröger Mief. Ich hatte mir das spannender vorgestellt.

Hat sie das bei der Rollenwahl für Notruf Hafenkante beeinflusst?

Schloo: Einen Polizisten zu spielen, kam für mich gerade richtig, um Reife zu erzielen. Ich habe für die Rollenvorbereitung ein Tagespraktikum bei der Polizei gemacht und habe da festgestellt, dass das Leute mit einem ganz bestimmten Standing sind. Um mit Waffen umherzulaufen, braucht man schon eine gewisse Reife.

Sie sind nicht dafür bekannt, häufig auf Premieren oder Filmpartys zu gehen. Machen Sie sich nichts aus derartigen Veranstaltungen?

Schloo: Ich gehe schon gern auf Filmpremieren. Ich werde nur nicht so viel fotografiert.

Stört es Sie, nicht so oft fotografiert zu werden?

Schloo: Nein, ich habe ja mein Auskommen und kann davon gut leben. Man könnte sicher noch mehr dafür tun. Sich einen lustigen Hut aufsetzen oder so - man kommt ja mit den verrücktesten Sachen in die Zeitungen. Aber das ist alles nicht so mein Ding.

In Ihrer Freizeit sollen Sie als Fahrradkurier gearbeitet haben. Stimmt das?

Schloo: Ja. Das habe ich zwei Winter lang in Berlin gemacht, um die drehfreie Zeit zwischen November bis April zu überbrücken. Viel Geld ist da nicht bei raus gesprungen. Darum ging es auch nicht. Es hat mir einfach Spaß gemacht. Die Fahrradkuriere sind ein ganz besonderer Schlag Menschen.

Wie gleichen Sie jetzt den Drehstress aus? Immer noch mit Fahrradfahren?

Schloo: Ich habe eine Familie, mit Frau, Kind und Hund. Da kommt keine Langeweile auf.

Wie lassen sich die Arbeit als Serienschauspieler und das Familienleben unter einen Hut bringen?

Schloo: Das ist keine Problem. Wir sind von Berlin nach Hamburg gezogen. Und beim Seriendreh hat man meistens geregelte Arbeitszeiten und kann abends zusammen Abendbrot essen.

Matthias Schloo ist am Sonntag, 21. November, 20.15 Uhr, in der ZDF-Romanze Traum aus Schokolade sowie donnerstags, 19.25 Uhr, in der ZDF-Serie Notruf Hafenkante zu sehen.

car/news.de

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