«Kreutzer kommt» Stromberg kann auch Krimi

Kreutzer kommt (Foto)
Kreutzer (Christoph Maria Herbst) ist ein selbstgefälliger Ermittler. Nur seine Assistentin Belinda (Rosalie Thomass) kommt mit ihm klar. Bild: Pro7

Er ist politisch unkorrekt und manipuliert die Verdächtigen: Mit Kreutzer kommt schickt Pro7 einen ziemlich kauzigen Kommissar auf Sendung. Kein Wunder, denn Christoph Maria Herbst gibt den selbstgefälligen Ermittler und beweist damit, dass er mehr kann als Stromberg.

Sein erster Fall führt Kommissar Kreutzer ins Rotlichtmilieu. Eine dunkelhäutige Sängerin ist in der Garderobe eines Hotel-Nachtclubs ermordet worden. Kreutzer und seine Assistentin müssen den Fall lösen, und zwar in vier Stunden und 37 Minuten – eine Vorgabe, die sie sich selbst gesetzt haben. Im Hotel sind einige Gäste, alle reichlich verdächtig. Einen nach dem anderen nimmt sich Kreutzer vor. Und wie.

«Ich suche nach den Mördern, und ich kriege sie. Alle. Ich weiß, wie das geht», stellt sich der neue TV-Kommissar vollmundig vor. Dass er es schafft, ist so weit keine Überraschung: Die Aufklärungsrate im Fernsehen geht von jeher gegen 100 Prozent. Trotzdem ist Kreutzer anders, erfrischend anders und geradezu innovativ: Als Dr. HouseDr. House ist eine US-amerikanische Fernsehserie über den Arzt Dr. Gregory House, einen Spezialisten für Diagnostik, der ein besonderes Gespür für die Diagnose außergewöhnlicher Krankheitsbilder hat. Sie läuft bei RTL. des Krimis begibt er sich am 1. November (20.15 Uhr, Pro7) mit penibler Wahrnehmung, penetrantem Zynismus und beharrlicher Sturheit auf Mörderjagd.

Christoph Maria Herbst
Stromberg und Kreutzer - die besten Sprüche

Kreutzer ist anders als Stromberg

Christoph Maria Herbst spielt Kreutzer – und ja, man kommt nicht drum herum, an seine Vorzeigerolle des Bernd Stromberg denken zu müssen. Jenem Stromberg, den Herbst seit 2004 in 36 Folgen gespielt hat. Dafür hat er den Adolf-Grimme-Preis erhalten und dreimal in Folge den Deutschen Comedypreis als «Bester Schauspieler». Stromberg ist eine geradlinige und strenge Autoritätsperson. Eine stereotype Figur, die man, bei aller Sympathie, bis auf den Grund zu kennen scheint. Kommissar Kreutzer kennt sich wahrscheinlich selber nicht, ist facettenreicher als Stromberg, wechselt für jeden Zeugen die Persönlichkeit.

Herbst kann nur Stromberg – von dieser These muss und kann man sich getrost verabschieden. Denn sein Schauspiel in Kreutzer kommt erinnert sehr wenig an Stromberg. Auch wenn sich die beiden Charaktere Stromberg und Kreutzer in gewisser Weise ähnlich sind, hat der Genrewechsel Herbst geholfen, vom Image des Versicherungsmannes wegzukommen.

Mit Bravour verkörpert er mit Kreutzer eine weitere schillernde Figur, die für ihn maßgeschneidert scheint. Auch weil Kreutzer im Laufe der Geschichte verschiedene Gesichter offenbart – ein Eldorado für einen Charakterdarsteller und Verwandlungskünstler wie Herbst, der sich in jeder Szene neu erfinden darf. Mal tut er verständnisvoll, mitfühlend oder zeigt sich als guter Freund, der nur helfen will.

Dann dreht er sich wieder um 360 Grad, lockt die ahnungslosen Nebencharaktere in seine Fallen, greift zu Psychotricks, manipuliert oder verführt seine Mitmenschen. Er irritiert seine Gesprächspartner, faucht sie mit Schimpftiraden an wie: «Alle großen Mörder in der Geschichte waren schwul: Dschingis Khan, Nero und Hitler.» Er lässt ungeniert rassistische Parolen vom Stapel und mokiert sich über Schwarze und Blinde.

So einen Ermittler gibt es in der Realität nicht

Solche Methoden würde man in einem Tatort oder Polizeiruf 110 nie sehen. Dort geht es immer weniger um den Fall, um die Suche nach dem Mörder und das Motiv. Stattdessen sind zahlreiche Krimis, egal ob im öffentlich-rechtlichen oder im Privatfernsehen, vor allem Charakterstudien der Ermittler. Sie bekommen Nachwuchs, verlieren Ehemänner oder -frauen, ringen mit Identitätskrisen, haben ihre liebe Mühe mit der Erziehung ihrer Kinder. Über Kreutzer weiß man zunächst eigentlich nichts. Und doch ergötzt sich der Krimi nahezu ausschließlich an seiner Hauptfigur, an diesem merkwürdigen Wesen. Einen Menschen wie Kreutzer gibt es in der Realität nicht. Aber ist ja egal - soll eben unterhalten

Und es unterhält – dank der forschen Dialoge, vieler überraschender Momente und der hervorragenden Darsteller (Rosalie Thomass, Leslie Malton, Ludwig Trepte und viele andere). Allerdings: Ein reines Vergnügen ist der Krimi nur für jene, die Herbst mögen. Denn er ist quasi in jeder Szene zu sehen, ist Dreh- und Angelpunkt des Films. Weiterer kleiner Makel: Der Krimi zieht sich nach einer Weile ziemlich in die Länge. Was auch daran liegt, dass Kreutzer kommt eher Bühnenstück denn TV-Movie ist. Die gesamte Handlung findet im Hotel statt, das man nach einer Weile in- und auswendig kennt. Immer wieder drehen sich die Ereignisse im Kreis, bis es schlussendlich zu einer inhaltlich gewagten Auflösung kommt.

Jetzt hängt alles von der Quote ab

Wenn die Quote stimmt, könnte aus Kreutzer kommt eine Serie oder Reihe werden. «Kreutzer schreit nach weiteren Filmen. Ich will mehr wissen über ihn», sagt Herbst über seinen Kommissar. ProSieben-Geschäftsführer Thilo Proff stellt auch weitere Projekte in Aussicht, vielleicht führen Kreutzers Wege demnächst ins Krankenhaus oder ins Fußballstadion.

Vorsichtshalber sollte sich Herbst schon mal bei Christian Ulmen erkundigen. Der letzte Versuch des Privatsenders, mit Ulmens Dr. Psycho eine etwas andere deutsche Comedy-Krimiserie zu etablieren, wurde nach nur zwei Staffeln beendet. Gute Idee, gute Kritiken, schwächere Quoten, Absetzung. Dabei wäre es schön, wenn Kreutzer öfters kommt.

Titel: Kreutzer kommt
Regie: Richard Huber
Darsteller: Christoph Maria Herbst, Rosalie Thomass, Leslie Malton, Natalia Avelon
Sendetermin: Montag, 1. November, 20.15 Uhr, Pro7

ruk/ivb/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Detlef Blum
  • Kommentar 5
  • 02.11.2010 09:53

Es ist gut, das es noch andere Feernsehkanäle gibt, do daß man umschalten kann. Weder spannend, noch witzig. Wer hat hier von de Machern was gedacht?

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  • Longus
  • Kommentar 4
  • 02.11.2010 09:28

habe mal 30 min. reingeschaut. nichts für mich. ich kann ihm den kommissar nicht abnehmen. habe ständig auf einen gag gewartet der nie kam. vielleicht etwas zu früh für einen charakterwandel. ähnlich ging es z.b. vielen mit Ed O´Neil der nach Al Bundy später in rollen als ernsthafter darsteller nicht ernst genommen wurde.

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  • Wonja
  • Kommentar 3
  • 02.11.2010 09:17

Das ist ja wohl der mieseste Krimi, den ich in der letzten Zeit gesehen habe! Ich bin bestimmt nicht prädistiniert, einen professionellen Kommentar abzugeben, aber ich schaue meistens abends nur Krimis und bei diesem habe ich nach 20 Minuten abgeschaltet. Ich möchte - auch bei einem Krimi - eine spannende, unterhaltsame Geschichte und keine verkorksten Typen mit unverschämten Texten. Was denken sich die Produzenten dabei? Wir Zuschauer möchten ganz einfach unterhalten werden....

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