ZDFneo Das bessere Zweite

Freche eigene Formate und hochkarätige US-Produktionen: Ein Jahr nach dem Start punktet ZDFneo mit seinem Programm beim Publikum. Für viele ist der Digitalsender das bessere Zweite, nur merkt es kaum einer.

ZDFneo (Foto)
Der Comedian Klaus-Jürgen Knacki Deuser warb zum Start für ZDFneo. Jetzt wird der digitale Sender ein Jahr alt. Bild: ap

Jahrelang haben die die Mainzer immer nur einen Rosamunde-Pilcher- und zur Abwechslung dann mal einen Inga-Lindström-Film oder Klassiker wie Wetten dass…? als Quotenbringer eingesetzt, haben gesellschaftliche Entwicklungen ignoriert und auf die privaten Fernsehsender geschimpft, um dann irgendwann erschrocken festzustellen, dass eine ganze Generation das Zweite gar nicht auf dem Bildschirm hat.

Die Mainzelmänner hatten deshalb vor allem die TV-Jugend im Visier, als sie den ZDFdokukanal im digitalen Programmangebot durch ZDFneo ersetzten - einen Sender «für beruflich stark Eingebundene, junge Eltern oder sehr aktive Menschen», wie das ZDF damals ankündigte.

Jubel zum ersten Geburtstag

ZDFneo: Hits in Serie
zurück Weiter Mad Men (Foto) Zur Fotostrecke Foto: ZDF/ Doug Hyun/ AMC/ Lionsgate

Am 1. November feiert ZDFneo seinen ersten Geburtstag - und jubelt: Während der Marktanteil von ZDFneo anfangs noch bei 0,1 Prozent lag, ist er mittlerweile auf immerhin 0,3 Prozent gestiegen. ZDFneo-Chef Norbert Himmler zeigt sich angesichts dieser Zahlen dennoch hoch erfreut: «Damit haben wir das Ziel, mit ZDFneo innerhalb eines Jahres die Marktanteile zu verdoppeln, nicht nur erreicht, sondern übertroffen», wird Himmler in einer Pressemitteilung des Senders zitiert.

Grund für den Erfolg dürfte das für die Zielgruppe (25- bis 49-Jährige) recht ansprechende Programm sein. Allein 28 der angebotenen Spielfilme und Fernsehfilme konnten über 200.000 Zuschauer verzeichnen. Online kann ZDFneo ebenfalls Erfolge verbuchen: Webserien wie Angeschmiert? Graffiti in Deutschland oder Ohne Geld bis ans Ende der Welt und Da wird mir übel erzielten mit bis zu 50.000 Abrufen pro Folge eine solide Resonanz.

Viele Zuschauer dürften aber erst durch Mad Men auf den kleinen Spartensender aufmerksam geworden sein. In den USA läuft die Serie um die Werbebranche der Sechziger schon in der vierten Staffel. Seit Anfang Oktober ist sie auf ZDFneo (jeden Mittwoch, 22.30 Uhr) zu sehen. Schon der Auftakt war mit 80.000 Zuschauern und 0,4 Prozent Marktanteil am Gesamtpublikum ein Erfolg. Die zweite Folge verzeichnete sogar 130.000 Zuschauer und 0,6 Prozent Marktanteil.

Kein Wunder, dass ZDFneo inzwischen für viele das bessere Zweite ist. Im fiktionalen Bereich glänzt der Sender auch mit 30 Rock. Die amerikanische Sitcom wurde dreimal bei den Emmy-Verleihungen als beste TV-Komödie ausgezeichnet. Alec Baldwin spielt darin einen Senderchef, der das Leben seiner Mitarbeiter, meist Langzeit-Singles und Workaholics, durcheinander bringt (donnerstags um 21.45 Uhr). Ein echtes TV-Vergnügen. Doch wie bei Mad Men drängt sich auch hier die Frage auf: Warum laufen solch hochkarätige Produktionen nicht im Hauptprogramm des ZDF?

Freche, auf jung getrimmte Formate

Das Bemühen der Mainzer, mit frechen und auf jung getrimmten Formaten die Generation der 25- bis 35-Jährigen vom PC wegzulocken, ist auch im Unterhaltungs- und Dokumentationssektor von der ersten Sendesekunde an zu spüren. Viele Ideen wurden zeitgemäß umgesetzt und der von vielen Freiheiten begleitete Neustart für einige gewitzte Schachzüge genutzt. So programmierte man direkt im Anschluss an den Tatort im Ersten die handwerklich formidable Krimi-Doku Bauer ermittelt. Doch das Format, das sehr stark an amerikanische Reporterfilme mit Christine Armanpour erinnerte, war trotz der clever gewählten Sendezeit nur bei Neo absolut verschenkt.

Zur Fußball-WM wurde der Berliner Comedian Tiger, der zuvor mit Web-TV-Serien zahlreiche Fans gewonnen hatte, in sein improvisiertes Stüdyo auf einen Neuköllner Bolzplatz geschickt. Der Überraschungserfolg blieb trotz der mäßig witzigen Comedy-Konkurrenz aus Waldis WM-Club allerdings aus. Ähnlich ergeht es den Musiksendungen, die von der Popstars-Jurorin und Die-Happy-Sängerin Marta Jandova präsentiert werden. Viel Bemühen, wenig Resonanz.

Dass öffentlich-rechtliches Fernsehen nicht eingestaubt sein muss, zeigt auch die Internetpäsenz des Digitalkanals. Neben der offiziellen Webseite werden auch die sozialen Netzwerke von den jungen Programmmachern in aller Breite bespielt. Der manchmal zynische, aber meist sehr lockere Umgangston bei Twitter«Twitter» (www.twitter.com) ist eines der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke, mit dem sich Nachrichten von 140 Zeichen veröffentlichen lassen. «Twitter» kommt aus dem Englischen und bedeutet Gezwitscher. Die Nachrichten («Tweets») können abonniert und beantwortet werden. So entsteht ein weltweites Geflecht aus Botschaften. wird jedenfalls mit viel Energie immer wieder getroffen.

So geht's weiter im Programm

Für Himmler ist die Bilanz ein Jahr nach Sendestart «Ansporn, uns weiter auf die Suche nach eckigen, mutigen und innovativen Formaten zu begeben, die einfach neo sind und für unser Zielpublikum eine echte Alternative zu den Angeboten der privaten Konkurrenz bieten.»

Neuentwicklungen seien vor allem in den Bereichen Reportage, Musik, Comedy und Quiz geplant, kündigt der Senderchef an. In den Startlöchern stehen unter anderem Eigenproduktionen wie die sechsteilige Sitcom Die Snobs mit Christian Ulmen in der Hauptrolle (ab dem 11. November) sowie die wöchentliche Satire-Show Stuckrad Late Night mit Benjamin von Stuckrad-Barre, der ab dem 16. Dezember wöchentlich am Donnerstagsabend einen Gast in seiner Sendung begrüßt. 

Mit Neo machen die Mainzer also vor, wie modernes öffentlich-rechtliches Fernsehen aussehen kann. Leider merkt das kaum einer. Denn nur 40 Prozent der Zuschauer empfangen Digital-TV.

cvd/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Medien Guru
  • Kommentar 2
  • 31.10.2010 20:38

Die Frage ist ?? Werden " Fanta 4 "den größten Chor der Welt -- zu diesem Termin über T Online veranstalten ????

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  • derbone
  • Kommentar 1
  • 31.10.2010 14:16

Klar, NEO, das bessere öffentlich-rechtliche Fernsehen....trotzdem kriegt man auch hier wieder keine Serien im englischen Originalton...Dann doch weiter schweizer Fernsehen schauen, ist ja inzwischen auch fast überall im digitalen Kabel zu empfangen.

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