Dieter Nuhr wird 50 Mit Lachtherapie gegen Fundamentalisten

Er gilt als der George Clooney des deutschen Kabaretts, aber am liebsten nörgelt er den lieben langen Tag. Heute feiert der Comedy-Star Dieter Nuhr seinen 50. Geburtstag.

Dieter Nuhr wird 50. (Foto)
Mag nicht über Blondinen und Geschlechtsteile lachen: Comedian Dieter Nuhr. Bild: dpa

«Ich höre gerne Leute lachen, ich glaube das ist ein großes Privileg an meinem Job», meint Dieter Nuhr, der seit 16 Jahren zu den bekanntesten Kabarett- und Comedy-Köpfen Deutschlands gehört. Heute feiert er seinen 50. Geburtstag.

Als «Philosoph unter den Comedians» oder «George Clooney des deutschen Kabaretts» wird er gerne betitelt, aber kategorisieren lassen will er sich nicht: «Mein Programm ist kabarettistisch, weil es sich mit den Fragen der Welt ernsthaft beschäftigt. Und es ist Comedy, weil's lustig ist.» Seine Themen kommen aus Zeitung, Büchern und Internet, springen ihn auch manchmal einfach an. Spott auf Kosten Unbeteiligter oder Beleidigungen - oft Erfolgsrezept für Comedians - bringt Nuhr nicht auf die Bühne.

Dieter Herbert Nuhr ist ausgebildeter Lehrer. Vor der Bühne kamen Hörsäle und Klassenzimmer. Das bereut er nicht. «Im Gegenteil, das war ein großartiger Teil meiner Ausbildung. Man studiert auf Lehramt und am Ende ist man Komiker - der klassische Weg eines Lehrers.» Sein Privileg ist «freiwilliges Publikum», sagt er. «Es hat mir nicht geschadet, beim Studium das wissenschaftliche Arbeiten gelernt zu haben, es war auch gut, dass ich nicht schon mit 19 auf der Bühne gestanden habe.» Er konnte ausprobieren, sich in Ruhe entwickeln. «Heute will man schnell ins Fernsehen, reich, berühmt werden und möglichst viele Frauen umlegen. Für den Werdegang ist das nicht besonders von Vorteil.»

1987 wurde Nuhr Kabarettist in einem Ensemble, erste Soloauftritte folgten 1992. Sein erstes Soloprogramm führte er 1994 unter dem Titel «Nuhr am Nörgeln» auf Kleinkunstbühnen auf. Einen ersten großen Erfolg hatte er mit seinem Programm «Nuhr weiter so», das 1998 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte «Kabarett» ausgezeichnet wurde.

Der Kasper hinter der Kamera

Bekannter wurde Nuhr vor allem durch TV-Auftritte unter anderem beim früheren Scheibenwischer, in der Harald Schmidt Show, dem Quatsch Comedy Club oder im Rateteam von Genial daneben. Im ZDF kommentierte er verschiedene Sportgroßereignisse. Erst kürzlich heimste Nuhr wieder den deutschen Comedypreis ein. Im Januar übernimmt er den ARD-Satire Gipfel.

Ein Mann, der die Abwechslung liebt.«Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich alle zwei Jahre ein neues Bühnenprogramm mache, ohne was anderes nebenher», meint Nuhr. Da verwundert es nicht, dass der Kabarettist nicht nur häufig vor der Kamera steht, sondern auch gelegentlich dahinter: Dann fotografiert er. Mit einer Auswahl von 90 teils großformatigen Arbeiten stellte das Museum der Stadt Ratingen den Comedy-Star in diesem Jahr erstmals als Bildkünstler vor. Unter dem Titel Nuhr fotografiert! Fotokunst von Dieter Nuhr zeigte das Museum Bilder, die der Absolvent der Essener Folkwang-Schule in den vergangenen fünf Jahren von seinen ausgedehnten Auslandsreisen mitgebracht hat.

Vieles ist möglich in der Kabarett- und Comedy-Welt, in der es für Nuhr aber ganz natürliche Grenzen gibt: «Das Leben ist kurz und endet mit dem Tod. Da sollte man wenigstens was zu lachen haben. Worüber man lacht, ist eigentlich egal. Leider bin ich geistig nicht in der Lage mitzulachen, wenn die Witze zu billig werden. Das ist schade, aber nicht zu ändern. Schwiegermütter, Blondinen und Geschlechtsorgane sind nicht per se witzig. Das hat sich leider nicht überall rumgesprochen. Ich finde: Wenn man das auslacht, was einem am unerträglichsten erscheint - Tod, Fundamentalisten, Fernsehprogramm - kann Lachen auch eine therapeutische Wirkung haben, das heißt, man bleibt lebensfähig. Das ist gut, daran arbeite ich...», meint der Jubilar.

amg/wam/news.de/dpa

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