«Super Nanny Spezial» Gute Eltern, schlechte Eltern

Katia Saalfrank (Foto)
Super Nanny Katia Saalfrank hilft Eltern und Kindern. Bild: RTL

Ina BongartzVon news.de-Redakteurin
Warum geben Eltern ihre Kinder zur Adoption frei? Und: Wer darf überhaupt ein Kind adoptieren? Das Super Nanny Spezial mit Katia Saalfrank zeigt, dass es nicht nur für homosexuelle Paare bei einer Adoption hohe Hürden zu überwinden gilt.

Für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ist eine Adoption oft die letzte Hoffnung. 2009 wollten 7200 Paare in Deutschland ein Kind adoptieren, lediglich 800 Kinder wurden vom Jugendamt dafür freigegeben. Im Schnitt kommen neun Bewerberpaare auf ein Kind. Der erste Teil des Super Nanny Spezials informierte am Abend die Zuschauer mit einer guten Mischung aus Fakten und emotionalen Fallbeispielen über das Thema Adoption. Erfreulich: alles ganz ohne überforderte Eltern und kreischende Kinder.

Ab wann gilt man als zu alt, um ein deutsches Kind zu adoptieren?Für die Adoption ausländischer Kinder gelten andere Regeln. Welche Hürden müssen Paare meistern, die eine Adoption in Erwägung ziehen? Was bewegt Mütter dazu, ihre Kinder wegzugeben? Und: Wie ergeht es den Kindern, wenn sie von ihrer Adoption erfahren?  Diplom-Pädagogin Katia Saalfrank geht im zweiteiligen RTL-Spezial diesen Fragen auf den Grund. Sie besucht mehrere Familien, die auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema zu tun haben.

«Die Super Nanny»
Botschafterin des Familienglücks
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Da lernt der Zuschauer die 16-jährige Anna aus Berlin kennen, die nach etwa sieben Jahren Pflegschaft von ihren Pflegeeltern adoptiert wurde. Ihre leiblichen Eltern waren Alkoholiker und sind mittlerweile beide an ihrer Sucht gestorben. Erschütternd schildert die Schülerin, während sie mit Katia Saalfrank in der gemütlichen Familienküche sitzt: «Meine Mutter war betrunken, als sie mich zur Welt brachte.»

Homosexuelle ohne Chance

Zu jenen Paaren, die sich unbedingt ein Kind wünschen, gehören auch Roger und Thomas. Seit zehn Jahren sind sie ein Paar. RTL filmt die beiden in ihrem großen Haus mit Gemüsegarten, durch den  Hühner und weiße Hasen laufen. Ein Kind wäre die Krönung ihres Glückes: «Die Familie ist uns als Wert sehr wichtig. Wir haben die Liebe für ein Kind.»

Das Paar scheint wahrhaft geschaffen fürs Elternsein. Doch wie RTL erklärt, ist es in Deutschlands Gesetzen nicht vorgesehen, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren. Egal, wie wertkonservativ und gut situiert sie ansonsten auch sein mögen. Den schier grenzenlosen Frust von Thomas und Roger darüber spürt der Zuschauer bis hinein in seinen Fernsehsessel.

Passend dazu hat RTL ein Kurzinterview mit Brigitte Zypries, Justizministerin a. D, parat. Sie erzählt von einer Studie, die besagt, dass Kinder, die in Regenbogenfamilien (sprich in homosexuellen Partnerschaften) aufwachsen, sich nachweislich mindestens genauso gut entwickeln und zufrieden sind, wie Kinder in heterosexuellen Familien.  In Deutschland gebe es zudem prominente Beispiele. Zypries spielt damit auf den Schlagersänger Patrick Lindner an, der 1999 als einer der ersten Homosexuellen ein Kind adoptierte.

«Der größte Fehler meines Lebens»

Das Spezial setzt vor allem auf Emotionen. Sehr ergreifend: die Geschichte der 55-jährigen Sylvia, die mit 15 Jahren ihre Tochter Andrea bekam und sie aufgrund ihrer Heroinsucht zur Adoption freigab. Mittlerweile lange frei von Drogen, ist sie auf der Suche nach ihrer Tochter. «Dass ich Andrea damals zur Adoption freigegeben habe, war der größte Fehler meines Lebens», erzählt sie unter Tränen.

Kleiner Wehrmutstropfen im sonst informativen und unterhaltsamen Spezial: Die Geschichten der Betroffenen werden allesamt doppelt, zum Teil dreifach erzählt. Zunächst von einem Sprecher und den Betroffenen selbst und dann noch mal, wenn Katia Saalfrank zu Besuch kommt. Dies mutet leider allzu sehr wie ein Zeitschinden an. Ein völlig unnötiges obendrein. Fazit: Dennoch ein gelungenes Spezial.

Super Nanny Spezial: Adoption in Deutschland, Teil 2: Mittwoch, 27. Oktober, ab 20.15 Uhr bei RTL

cvd/reu/news.de

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