«Deutscher Comedypreis» Die gleiche Leier

Die Humor-Elite des Landes feierte sich bei der Gala zum Deutschen Comedypreis. Bei den Preisträgern gab es keine großen Überraschungen. Neu hingegen sind die Comedy-Pläne der ARD.

Dieter Nuhr (Foto)
Dieter Nuhr moderiert den Deutschen Comedypreis 2010 inKöln. Bild: dpa

Die Humor-Elite des Landes ist am Donnerstag nach Köln zur Verleihung des  Deutschen Comedypreises geströmt. Über den Roten Teppich rauschten die altbekannten Stars. Den Preis bekommen auch immer dieselben. Trotzdem waren es nicht nur Déjà-vus: NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war erstmals dabei. Die Gesichter sind also die alten, die Gags aber neu: Im Kölner Coloneum haben sich die Stars der Komiker-Szene auch in diesem Jahr wieder zum Deutschen Comedypreis versammelt, um eine der begehrten Trophäen zu ergattern. RTL zeigte die Show mit den strahlenden Siegern in 15 Kategorien am Freitag ab 21.15 Uhr.

«Ich hoffe, Sie kennen die Witze noch nicht. Im Landtag sind Sie ja auch von Komikern umgeben», begrüßte Dieter Nuhr als Moderator des Abends Ministerpräsidentin Kraft, die im Publikum saß. Wuchtbrumme Cindy aus Marzahn, laut Jury zum zweiten Mal in Folge beste Komikerin, unterhielt mit Sprüchen wie: «Ich laber einfach vor mich hin, mich kann eh keiner von der Bühne tragen.» Dieter Nuhr verteidigte seinen Titel als bester Komiker und dankte dafür dem «großen Schöpfer».

Mario Barth: Der Senkrechtstarter der Comedy

Doppelte Auszeichnung für Frier und Engelke

Annette Frier nahm zwei Trophäen mit - als beste Schauspielerin und für die beste Comedyserie Danni Lowinski (Sat.1) - nur knapp eine Woche nach dem Erfolg der Serie beim Deutschen Fernsehpreis. Auch Anke Engelke räumte doppelt ab: Erneut mit Ladykracher als bester Sketchcomedy - und gemeinsam mit Bastian Pastewka mit Fröhliche Weihnachten (beide Sat.1), laut Jury die Nummer eins unter den Comedyevents.

Stefan Raab gehörte mit TV total wie schon 2009 ebenfalls zu den Gewinnern. «Wow, das hat sich ja wieder gelohnt, dass ich mit der ganzen Jury in der Kiste war», gab er alte und neue Sieger in der Kategorie beste Late Night zum Besten.  Christoph Maria Herbst (Stromberg) freute sich über seine Kür zum besten Schauspieler.

Zu den Highlights des Abends gehörte Johann König. Die Jury ehrte ihn für sein TV-Soloprogramm Johann König live! Total Bock auf Remmi Demmi (RTL). Tief bewegt stotterte König so was wie: «Respekt vor der Entscheidung» und «ich danke mir als Autor». In Form war auch Laudator Matze Knop, der als Lothar-Matthäus-Verschnitt bekannte: «Ich bin weltgewandt, ich bin Cosmoprolet».

Preis für «überbordende Beklopptheit"

Für keine größere Überraschung sorgte die Vergabe der Trophäe an Mario Barth, der das Metall-Ei als erfolgreichster Live-Act nun schon zum sechsten Mal in Folge bekommt. Nicht aus alter Gewohnheit, sondern weil Barth die größten Hallen fülle und auch die meisten Zuschauer habe, betonte Nuhr.

Den Ehrenpreis bekommt TV-Komiker Herbert Feuerstein, für seine «überbordende Beklopptheit», wie Laudator Pastewka sagte. «Ich bin noch zu jung», befand der 73-Jährige, der mal selbst in der Jury gesessen hatte. Da lautete die erste Frage bei der Nominierung zum Ehrenpreis immer: «Wer lebt noch?» und die zweite: «Wer lebt noch im Oktober?», sagte er.

ARD plant Comedy zur Primetime

Während die Privatsender seit langem mit Comedyformaten immer wieder hohe Quoten einfahren, plant ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber das Comedy-Profil des Ersten zu verbessern. Wie der Mediendienst  DWDL berichtet, denke Schreiber derzeit über eine Sendung für die Primetime nach. Die ARD arbeite mit einem Künstler an einen Format, das bereits vor den Tagesthemen gesendet werden soll. Einzelheiten gab Schreiber jedoch noch nicht bekannt.

Comedy wird in der ARD bisher eher zu späten Sendenzeiten gezeigt. Zudem fehlt es ein wenig an fähigem Personal: Harald Schmidt wird 2011 zu Sat.1 zurückkehren. Schreiber hätte sich gewünscht «dass die ARD mehr mit ihm gemacht hätte».   ARD-Programmdirektor Volker Herres sagte vor Kurzem im Interview mit news.de, dass das Erste in der Kategorie Satire seine Bemühungen ausbauen müsse.

Jobst Benthues, Geschäftsführer der ProSiebenSat.1-Produktionsfirma Red Seven und zugleich Gesamtleiter des Entertainment-Bereichs bei ProSiebenSat.1, sieht   ganz anders als Schreiber keinerlei Handlungsbedarf in Sachen Comedy aus eigener Herstellung bei Kabel Eins. DWDL sagt er, bei ProSieben könne er sich eine zweite, gar eine dritte Fläche für Standup-Comedy neben dem Quatsch Comedy Club vorstellen.

Benthues zeigte sich überraschend offen für neue Comedy-Wege: Er sei bereit, Sat.1 auch für Kabarettkünstler zu öffnen. Außerdem könnte es nach dem Erfolg von Switch reloaded bei der Sat.1-Schwester ProSieben vielleicht auch noch einen Reload eines ehemaligen Sat.1-Format geben.

boi/ruk/news.de/dpa

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