Alexandra Neldel «Ich wollte die Rolle unbedingt»

Knallharte Szenen mit Alexandra Neldel (34): Im Sat.1-Film Die Wanderhure gl├Ąnzt die Schauspielerin als Racheengel im Mittelalter. Bei news.de ├Ąu├čert sie sich ├╝ber Verletzungen beim Dreh, den Sinn von Nacktszenen und einen fehlenden Karriereplan.

Als Marie Sch├Ąrer wird sie in aller ├ľffentlichkeit ausgepeitscht. Auch der Dreh dieser Szene war schmerzhaft. Bild: SAT.1/TV60 Oliver Roth

Frau Neldel, Sie h├Ątten mir beinahe Albtr├Ąume beschert.

Neldel: Ach, Quatsch (lacht).

Jedenfalls sind einige Gewaltszenen im Sat.1-Film Die Wanderhure ganz sch├Ân starker Tobak.

Neldel: ... aber das wird ja nicht voyeuristisch gezeigt. Die Kamera h├Ąlt nicht voll drauf, sodass vieles der Fantasie des Zuschauers ├╝berlassen wird.

In einer Peitschszene sind Sie bei den Dreharbeiten angeblich tats├Ąchlich verletzt worden.

FOTOS: ┬źDie Wanderhure┬╗ Die Rache einer Frau

Neldel: Ich hatte zwar eine R├╝ckenprothese, aber die Spitzen der Gerte trafen mich auch abseits des R├╝ckenpanzers. Das hat schon gezwickt, aber Narben habe ich zum Gl├╝ck nicht davongetragen.

F├Ąllt es Ihnen schwer, nach dem Dreh wieder die «normale» Alexandra Neldel zu werden oder haben Sie an manchen Szenen l├Ąnger zu knabbern?

Neldel: Ich bin nicht der Typ, der seine Rolle mit nach Hause nimmt, die bleibt sch├Ân im Wohnwagen oder Kost├╝m h├Ąngen. Das w├Ąre auch gar nicht gut, wenn es nicht so w├Ąre. Gerade bei einer Rolle wie der Wanderhure w├╝rde ich sonst Albtr├Ąume haben. Au├čerdem haben alle am Set gro├če R├╝cksicht auf mich genommen. Nach den harten Szenen hilft es dann auch, wenn man gemeinsam mit den Kollegen bei einem hei├čen Tee dar├╝ber reden kann.

Ahnten Sie beim Lesen des Drehbuchs denn, was auf Sie zukommt?

Neldel: Das Drehbuch habe ich in einem Rutsch durchgelesen und dachte nur: «Starker Tobak, was meine Filmfigur, Marie Sch├Ąrer, da durchmacht.» Bei solchen Geschichten kommt es ganz besonders auf den Regisseur an. Hansj├Ârg Thurn ist jedenfalls ein gro├čartiger Regisseur. Die harten Szenen wie die Auspeitschung und die Vergewaltigung wurden vorher ganz genau besprochen, sodass ich in jeder Szene genau wusste, was passiert.

Sie werden auch nackt zu sehen sein. Wie halten Sie es denn damit?

Neldel: Solange es zur Rolle geh├Ârt und nicht auf Voyeurismus abzielt, habe ich kein Problem damit. Der Regisseur und das Team haben mir ein gutes Gef├╝hl gegeben und man sieht ja auch fast gar nichts. Wichtig ist einfach, dass man sich wohlf├╝hlt. Das macht die Sache dann wesentlich einfacher.

Haben Sie sich denn speziell auf die Rolle vorbereitet, vielleicht in einem Bordell?

Neldel: Ein Bordell von heute ist wohl nicht das, was man sich im Mittelalter darunter vorgestellt hat. Die Vorbereitung h├Ątte mir also nichts genutzt. Marie Sch├Ąrer ist ja auch nicht von Anfang an eine Wanderhure, sondern muss diesen Weg gehen, weil ihr gar nichts anderes mehr ├╝brig bleibt.

Die Wanderhure ist eine sehr aufwendige Produktion mit einer anspruchsvollen Rolle. Geht da ein Schauspielertraum in Erf├╝llung?

Neldel: Ich war schon beim Casting tierisch aufgeregt, weil ich die Rolle unbedingt haben wollte. Es ist wirklich ein Geschenk, so eine facettenreiche Rolle zu spielen und dann auch noch in so einer Kulisse. Das bekommt man nicht so oft angeboten. Es sind aber nicht nur die Schauspieler, die so einen Film ausmachen, sondern auch die Ausstattung, die Kost├╝me und alles, was dazu geh├Ârt. Das ist schon opulent. Gedreht haben wir in Budapest, in quasi Open-Air-Mittelalter-Freilichtstudios.

Sie haben als Schauspielerin fast schon den klassischen Weg gew├Ąhlt und als Soap-Star angefangen.

Neldel: Klassischer Weg ist gut. (lacht) Nicht ├╝ber die Schauspielschule. Die Soap selber war aber tats├Ąchlich eine gute Schule, weil jeden Tag gedreht wurde und eine Menge Text gelernt werden musste. Ich hatte zwar auch ein wenig Sprach- und Schauspielunterricht, aber das meiste lief eigentlich ├╝ber «learning by doing».

Ihre Rollen werden immer gr├Â├čer und anspruchsvoller. Steckt da ein Karriereplan dahinter?

Neldel: Nein, das kommt einfach mit dem Alter. Kling gut, oder? (lacht) Ich habe keinen Karriereplan, ich bin ein Bauchmensch. Wenn ich ein Drehbuch in einem Rutsch lese, dann will ich das auch spielen. Umgekehrt k├Ânnen die B├╝cher noch so toll sein, wenn es mich nicht anspricht, dann mache ich das auch nicht, weil das Herzblut fehlt. Aber irgendjemand scheint es gut mit mir zu meinen, ich bekomme immer die richtigen Rollenangebote.

Irgendwas scheinen Sie ja auch richtig zu machen.

Neldel: Ich habe wirklich viel Gl├╝ck. Seit den Soap-Zeiten konnte ich mich immer weiterentwickeln und bekam immer bessere Angebote. Bisher hatte ich das Gl├╝ck, dass das Publikum mich sehen wollte. Bei der Wanderhure werden wir sehen, ob das so bleibt.

Inzwischen sind Sie eine etablierte Schauspielerin. Aber wie verlief eigentlich das erste Casting und der erste Drehtag in Ihrem Schauspielerleben?

Neldel: Ich hoffe, dass die B├Ąnder verschollen sind. Das erste Casting war grausam. Ich habe einfach meinen auswendig gelernten Text aufgesagt, von Schauspielerei konnte man da noch nicht reden. Nach dem Casting wurde ich nach Babelsberg zum GZSZ-Dreh eingeladen. Ich war unglaublich aufgeregt und habe entsprechend viele Takes gebraucht. Ein solches Studio hatte ich vorher noch nicht gesehen – so viele Kameras und Leute, die einem zugucken.

Nochmals zur Wanderhure – die Romanvorlage besteht aus vier B├Ąnden. Wird es auch eine Fortsetzung im TV geben?

Neldel: Das h├Ąngt von den Einschaltquoten ab. Ich habe aber geh├Ârt, dass schon am zweiten Teil geschrieben wird. Wenn die Quoten gut sind, machen wir einen zweiten Teil. Mit der Wanderhure Marie Sch├Ąrer wird ja noch so einiges passieren und das w├Ąre echt spannend, das weiterzuerz├Ąhlen. Ich jedenfalls w├╝rde wahnsinnig gerne einen weiteren Teil drehen.

An welchen Projekten arbeiten Sie denn sonst noch?

Neldel: Wir haben gerade eine Sat.1-Kom├Âdie abgedreht, in der eine Bollywood-Produktionsgruppe ein idyllisches Alpendorf als Panorama sucht. Meine Filmfigur ist f├╝r die Auswahl des Drehorts zust├Ąndig. Schlie├člich muss ihr Heimatdorf herhalten. Dort gibt es dann das Aufeinandertreffen der Kulturen. Das ist wirklich sehr sch├Ân geworden und es hat Spa├č gemacht, mal wieder eine Kom├Âdie zu drehen. Thematisch etwas ganz anderes als die Wanderhure.

Schauen Sie denn die Wanderhure im TV?

Neldel: Nein, da kann ich nicht. Da bin ich in Nepal.

Warum in Nepal?

Neldel: F├╝r die Organisation Habitat for Humanity bin ich vor Ort, um mit hunderten weiteren Helfern H├Ąuser f├╝r Bed├╝rftige zu errichten.

Titel: Die Wanderhure
Regie: Hansj├Ârg Thurn
Darsteller: Alexandra Neldel, Bert Tischendorf, Nadja Becker, Julian Weigend, Michael Brandner, Elena Uhlig, G├Âtz Otto
Sendetermin: Dienstag, 5. Oktober, um 20.15 Uhr auf Sat.1

Bereits am 8. Oktober erscheint Die Wanderhure als Kauf-DVD.

Lesen Sie auch die news.de-Rezension zum Film Die Wanderhure.

car/ivb/news.de

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