Formate im Vergleich Warum «X Factor» die beste Castingshow ist

Bei X Factor steht das Finale vor der Tür, bei Popstars kämpfen die Teilnehmer bereits im Bandhaus und Dieter Bohlen hat den Castingtruck für Deutschland sucht den Superstar bereits losgeschickt. Doch echte Talente gibt es nicht überall zu sehen.

Castingshows (Foto)
Viele Shows wollen für junge Musiktalente ein Sprungbrett sein. Bild: news.de

Drei Castingshows, drei unterschiedliche Konzepte und doch haben die Sendungen eines gemeinsam: Sie suchen Gesangstalente. So verschieden die drei Formate daherkommen, so sehr unterscheiden sie sich in den Einschaltquoten, die sie erzielen. News.de vergleicht X Factor, Deutschland sucht den Superstar (DSDS) und Popstars.

Was wird gesucht?

Bei X Factor setzt das Konzept auf drei Kategorien: Solosänger 16–24 Jahre, Solosänger ab 25 Jahre, sowie Gruppen und Duette. Die Sendung geht damit auf Nummer sicher und lässt keinen Showact durch die Lappen gehen. Wer auch immer gewinnt, sollte das gewisse Etwas haben: Das «X» eben.

Popstars hingegen setzt auf Bands - meist mit weiblicher Besetzung. Auch die aktuelle Staffel setzt wieder auf Mädels, immer auf der Suche nach den neuen No Angels oder Monrose. Diese müssen nicht nur singen, sondern auch tanzen können. Dafür sorgt Detlef D! Soost höchstpersönlich mit hartem Sport- und Tanztraining.

DSDS um Casting-Urgestein Dieter Bohlen sucht bereits zum achten Mal einen Superstar. Dieser sollte solo auftreten und nicht älter als 30 Jahre alt sein. Eine inoffizielle Grundvoraussetzung: Mit Dieter Bohlen und seiner Musik muss man Leben können. Denn er produziert mit dem Gewinner ein Album.

Popstars: Von No Angels bis LaVIVe

Wie wird gesucht?

Hier unterscheiden sich die Shows zunächst gar nicht: An den Massencastings in den größten Städten Deutschlands kann jeder teilnehmen, der auch nur ansatzweise glaubt, das nötige Gesangstalent dafür mitzubrinden. Danach aber wählen die drei Castingshows verschiedene Möglichkeiten, um die Teilnehmerzahl nicht nur merklich zu reduzieren, sondern auch ihren Star zu finden.

Bei X Factor werden die Teilnehmer in einer der drei Kategorien einsortiert, um dann mit dem dafür verantwortlichen Jurymitglied ein hartes Gesangstraining zu erleben. Wöchentlich hat das jeweilige Jurymitglied nun die Aufgabe, die Fortschritte der Kandidaten zu beurteilen und diese gegebenenfalls auch nach Hause zu schicken. In der Übungszeit sind verschiendene nationale und internationale Musiker zu Gast, die sich die hoffnungsvollen Nachwuchsmusiker anhören und ihnen wichtige Tipps für ein erfolgreiches Abschneiden mit auf den Weg geben. Sind in jeder Kategorie noch drei Kandidaten/Gruppen übrig, beginnt bei X Factor die Phase der Live-Shows. Ab sofort endet Woche für Woche für einen der Teilnehmer der Traum vom Superstar.

Einen ähnlichen Weg schlägt auch Popstars ein: Ist eine größere Gruppe von Mädchen gecastet, müssen auch diese trainieren. Doch anders als bei der Konkurrenz, bekommen die Kandidatinnen hier nicht nur Gesangstraining, sondern werden von Jury-Mitglied Detlef D! Soost auch im Tanzen unterrichtet. Außerdem müssen die Mädchen in verschiedenen Aufgaben beweisen, wie gut sie als Teil einer Gruppe funktionieren. Ab einem gewissen Zeitpunkt entscheidet die Jury, welche der Teilnehmerinnen die geringste Entwicklung hinter sich gebracht hat und deshalb nach Hause fahren muss.

DSDS, das Zugpferd der deutschen Castingshows, verkleinert die Anzahl der Teilnehmer nach den Massencastings ebenfalls rapide. Nach den ersten Shows und den Urteilen der Jury bleiben nur noch wenige Teilnehmer übrig, die in den folgenden Live-Shows singen müssen. Anders als die Konkurrenz verzichtet DSDS allerdings auf ein Training der Kandidaten, sondern konzentriert sich ausschließlich auf die persönlichen Geschichten der Teilnehmer und beleuchtet deren Leben in kurzen Filmen vor deren jeweiligen Auftritten. Nach den anfänglichen Jury-Entscheidungen sind es bei DSDS jedoch, ähnlich wie bei X Factor, die Zuschauer, die über das Weiterkommen ihres Lieblingskandidaten telefonisch abstimmen können.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Show warum gewinnt

Die Jury

Bei X Factor übernehmen Sarah Connor, Till Brönner und George Glueck die Aufgabe, unter tausenden Bewerbern die zu finden, die über das ominöse X verfügen. Dabei treten die Jurymitglieder auch als Mentoren auf, kümmern sich um ihre Gruppe und setzen sich in den Entscheidungswettkämpfen auch für ihre Favoriten ein. Ob sich die Besetzung der Jury ändert, wird sich erst in einer möglichen zweiten Staffel im kommenden Jahr entscheiden.

Popstars hingegen hat hinsichtlich der Jury schon einiges an Wandel erlebt. Lediglich Detlef D! Soost ist seit 2001 festes Mitglied der Jury. Aufgrund seiner Arbeit als Tanztrainer bekommt er die Entwicklung der Teilnehmer(innen) hautnah mit und kann glaubwürdig entscheiden, wer dem Job eines Popstars gewachsen ist. Die beiden anderen Jurymitglieder wechseln von Staffel zu Staffel, wobei immer darauf geachtet wird, dass eine Frau und zwei Männer die Jury bilden.

Als feste Größe im DSDS-Universum ist Dieter Bohlen Dauermitglied der dortigen Jury. Doch auch hier gibt es keine anderen Persönlichkeiten, die als sichere Instanz von Staffel zu Staffel Bestandteil der Jury sind. Fest steht auch hier, dass immer ein weiterer Mann und eine weitere Frau die DSDS-Jury bilden.

Erfolgsaussichten der Kandidaten

Wie groß der Erfolg des Siegers bei X Factor ist, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Noch läuft die erste Staffel, endet aber am Dienstag mit einer großen Finalshow. Allerdings ist zu erwarten, dass der dortige Sieger nicht so aufgebaut ist, dass ihm die Teilnahme an der Show mehr als nur einen nationalen Erfolg beschert.

Bei Popstars hingegen lässt sich nach neun Staffeln ein eindeutiges Urteil fällen: Im vergangenen Jahr wurde dort ein Duo gesucht und gefunden, das sich bereits nach knapp einem halben Jahr mangels Erfolg wieder trennte. Überhaupt ist erstaunlich, dass von acht Siegern nur die beiden Girlie-Bands No Angels und Monrose langfristigen Erfolg für sich verbuchen konnten.

Der Erfolg des DSDS-Siegers hängt meist davon ab, wie bereitwillig dieser mit Dieter Bohlen zusammenarbeiten will. Mark Medlock zum Beispiel hat DSDS im Jahr 2007 gewonnen und gilt heute als erfolgreichster Künstler, der aus dieser Castingshow hervorgegangen ist. Andere Gewinner der Show hatten weniger Glück: Nach einem erfolgreichen ersten Album, das unter Mitarbeit des Pop-Titanen Dieter Bohlen entstanden ist, versuchten es die Sängerinnen und Sänger allein und verschwanden sehr schnell von der Bildfläche.

Die Moderatoren

Bei X Factor setzt Vox auf den Moderatorenneuling Jochen Schropp. Dieser macht seine Sache recht ordentlich. Zu den Kandidaten pflegt er vor der Kamera ein sehr inniges Verhältnis - manchmal etwas zu kuschelig.

Popstars
kam lange ohne Moderator aus, in der aktuellen Staffel taucht Charlotte Engelhardt häufiger auf. Die Alles-Moderatorin bei Pro 7 wirkt manchmal ein wenig, als würde sie ihre Sache und die Kandidaten nicht ganz ernst nehmen. Was aber bei Aussagen wie «Wir sind hier nicht Bauer sucht Frau, wir sind im Fernsehen» auch schwer fällt.

Marco Schreyl spaltet mit seiner Moderation Deutschland: Man mag oder man hasst ihn. Früher noch beim ZDF, moderiert er seit 2005 DSDS. Sein Nachname scheint oft Programm zu sein: Er brüllt gerne mal ins Mikro. Unparteiisch ist er selten und man merkt daher deutlich, welcher der Kandidaten ihm am Herzen liegt.

Alle sind sie Kopien

Alle drei Formate sind keine deutsche Erfindung, sondern laufen auch in anderen Ländern. Popstars wurde erstmals 1999 in Neuseeland ausgestrahlt. Produzent Jonathan Dowling verkaufte das Konzept weltweit in mehr als 50 Länder. Die Show war die Inspiration für Simon Fullers Sendung Pop Idol, die in Deutschland unter dem Namen Deutschland sucht den Superstar läuft. Obwohl Popstars in den meisten Ländern erfolgreich startete, wurden die Sendungen nach und nach zum Misserfolg und aufgrund schlechter Quoten von vielen Fernsehsendern abgesetzt. Das einzige Land, in dem Popstars noch populär ist, ist Deutschland.

DSDS
basiert auf der britischen Sendung Pop Idol, einem Konzept, das weltweit lizenziert wurde. Zum Beispiel als American Idol in den Vereinigten Staaten oder Nouvelle Star in Frankreich. Auch X Factor läuft international. Diese Show kommt aus Großbritannien und brachte bisher Leona Lewis den weltweiten Durchbruch.

Und wer gewinnt?

Die Kleinsten werden gewinnen. Die unaufgeregteste Sendung ist X Factor. Sie hat allerdings bei Vox im Vergleich zu den Popstars bei Pro7 und DSDS bei RTL relativ geringe Quoten. Unverdient. Und auch die Gesangstalente bei X Factor können sich berechtigte Hoffnungen auf eine Karriere machen, die ein wenig länger als bei Marashi, Nu Pagadi oder anderen längst vergessenen «Stars». Eben weil sie Talent haben und den ja so aufwändig gesuchten X Factor.

X Factor - Das Finale, Dienstag, 9. November, 20.15 Uhr, Vox.

Popstars, Donnerstag, 11. November, 20.15 Uhr, Pro7.

DSDS, ab Januar 2011 wieder bei RTL.

ruk/ivb/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • 0815
  • Kommentar 1
  • 10.02.2011 09:31

Gute Show??? Es ist schlimm, wieviel Müll täglich über den Bildschirm "flackert" . Aber viele Leuten wollen diese Müll-Soaps (Verdachtsfälle, Familien im Brennpunkt, Betrugsfälle u.v.m.) sehen? Es ist traurig, auf welchem Niveau oder Level wir gelandet sind ! :-((

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