«Der Doc und die Hexe» Duell der Weißkittel

Coke gegen Pepsi, Ali gegen Frazier oder Schalke gegen Dortmund - was hat die Welt nicht alles schon für Duelle gesehen. Der ZDF-Zweiteiler Der Doc und die Hexe kennt noch eines: Schulmedizin gegen die traditionelle chinesische. Oder auch Christiane Paul gegen Dominic Raacke.

Der Doc und die Hexe (Foto)
Auch wenn es hier nicht so aussieht: Dr. Wu (Dominic Raacke) und seine Kollegin Dr. Schöner (Christiane Paul) sind wie Hund und Katz. Bild: ZDF/Sandor Domonkos

Seit der eine oder andere Arzt über den therapeutischen Tellerrand geschaut hat, ist die traditionelle chinesische Medizin (TCM) auch in deutschen Krankenhäusern keine unbekannte Größe mehr. Sicher nicht immer zum Vergnügen einiger eingefleischter Schulmediziner. Filmisch wurde dieser Zweikampf bisher eher stiefmütterlich behandelt. Der ZDF-Zweiteiler Der Doc und die Hexe, dessen erster Teil am 20. September (20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist, will nun diese Lücke füllen.

Die Internistin und TCM-Ärztin Dr. Sophie Schöner (Christiane Paul) kommt nach einem Jahr in China wieder zurück nach Berlin. Weniger aus Überzeugung als vielmehr aus Wettbewerbsgründen bietet ihr eine Berliner Klinik eine Stelle in der neu geschaffenen TCM-Abteilung an. TCM als Marketinginstrument: «Wenn‘s nicht funktioniert, ist das China-Dings wieder weg» heißt es von der Stiftung, die die Stelle finanziert. Für Dr. Hans Wunderlich (Dominic Raacke) sollte das besser heute als morgen sein. Der dogmatische Schulmediziner hält die alternativen Heilmethoden seiner neuen Kollegin für den reinsten Hokuspokus. Fortan rennt die junge Ärztin gegen die Borniertheit an, die ihr von überall her entgegenschlägt.

Kampf an vielen Fronten - zu vielen

Zwei hervorragende Hauptdarsteller und ein Ideologienstreit im Krankenhausmillieu: Der Doc und die Hexe stellt alle Zutaten bereit für ein amüsantes Skrewballfestival. Und in der Tat hält der Film über weite Strecken, was er verspricht, manchmal ist es aber auch zu viel des Guten. Vielschichtigkeit gibt es hier nicht durch Tiefe, sondern durch eine Vielzahl von Geschichten. Das hebt ihn von anderen Filmen ab, weil sich die beiden Teile Zeit lassen, diese vielen Geschichten auch zu erzählen.

Es geht um überzogene Mutterliebe, Eifersucht, Ehebruch, Schuldgefühle, alte Liebe, verbotene Liebe, zerrüttete Familienverhältnisse, ein überworfenes Vater-Sohn-Verhältnis und die üblichen Intrigen. Eine ganze Menge Holz also, selbst für einen Zweiteiler. So gerät Der Doc und die Hexe zu einer kunterbunten TV-Fabel über Intoleranz, Dummheit, Ehrlichkeit und noch vieles mehr. Und damit es ganz massentauglich für die Abendunterhaltung passt, haben die Macher auch noch die obligatorische Liebesgeschichte verwurstet. Dabei hätte es diesen romantisierenden Beigeschmack gar nicht gebraucht.

Genauso wenig wie die ein oder andere Nebenhandlung, die dem Ganzen ein wenig den Schwung nimmt. Hier und da hätte man ohne schlechtes Gewissen den Rotstift ansetzen dürfen, denn allzu oft weiß man nicht mehr, wohin die Reise überhaupt gehen soll, man ahnt nur, dass sie länger dauern kann.

Über so manche Länge helfen aber die hochkarätigen Schauspieler hinweg: Dominic Raacke, Esther Schweins, Katrin Sass, Wotan Wilke Möhring und allen voran Christiane Paul. Ob nun die Schulmedizin oder die traditionelle chinesische Medizin das Duell gewinnt, ist am Ende nicht zu klären und spielt auch gar keine Rolle mehr. So bleibt alles in allem ein mal unterhaltsamer, mal etwas zäher TV-Film, der an etwas zu vielen Fronten kämpft.

Titel: Der Doc und die Hexe
Regie: Vivian Naefe
Darsteller: Christiane Paul, Dominic Raacke, Esther Schweins, Katrin Sass, Wotan Wilke Möhring
Sendetermine: Teil 1 am 20. September, Teil 2 am 22. September jeweils um 20.15 Uhr im ZDF

Im Interview mit news.de spricht Dominic Raacke über seine Rolle und seine Krankenhaus-Erfahrungen.

car/reu/news.de

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