Österreich-«Tatort» Der Zweifler und die Psycho-Jünger

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Claudia (Sarah Tkotsch) bringt ihren Vater (Harald Krassnitzer) durch ihre Naivität wieder einmal in arge Not. Bild: RBB/ORF

Von news.de-Mitarbeiter Tobias Köberlein
Es beginnt klassisch mit einer «schönen Leiche». Ein «blitzsauberes Mädel» (O-Ton Gerichtsmediziner) liegt erwürgt in einem Rohbau vor den Toren Wiens. Die Ermittlungen führen Chefinspektor Moritz Eisner im Tatort Glaube, Liebe, Tod auf die Spur einer dubiosen Kirche.

«Epitarsis» nennt sich die Psycho-Organisation, die ihre Mitglieder nach Absolvierung diverser sündteurer Module zu «Superheros» machen will. Es geht um die «Potenzierung der eigenen Fähigkeiten» im Dienste der «Kirche». Die Mitglieder sollen den «Marsch durch die Institutionen» antreten und wichtige Schaltstellen in Politik und Wirtschaft besetzen. Glasklar, dass «Epitarsis» für Scientology steht, auch wenn der Name im Film nicht fällt. Juristische Scharmützel mit den als klagefreudig bekannten Hubbard-Jüngern wollte sich der federführende ORF wohl ersparen.

Trotzdem ist Glaube, Liebe, Tod ein brisanter Tatort. Drehbuchautor Lukas Sturm (Regie: Michael Riebl) hat offensichtlich sehr genau recherchiert. Machtstrukturen und Vorgehensweisen der weltweit operierenden Psycho-Sekte werden detailliert dargestellt und in eine spannende Krimi-Handlung eingebettet. Bedrückend zu sehen, wie solche Organisationen Familien auseinander reißen. In diesem Fall ist es die Studentin Anna Kaber (Alma Hasun), die sich ihren Eltern völlig entfremdet hat. Eisners Kollege Bindmayer (Johannes Silberschneider) findet die Leiche der jungen Frau in einem Rohbau. Sie wurde dort wohl längere Zeit gefangen gehalten und dann offenbar mit einem Schal erwürgt.

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Eisner (Harald Krassnitzer), der große Grübler und Zweifler vor dem Herrn, bekommt es mit einem ganzen Bataillon von Psycho-Jüngern zu tun. Die Organisation residiert in einem sterilen Glaspalast. Sekten-Chefin Katharina Leupold (Victoria Trauttmansdorff) tritt dem Kommissar mit dem Charme eines Kühlschranks entgegen. Schließlich soll durch den Mord kein Schatten auf «Epitarsis» fallen. Bald muss Eisner feststellen, dass der lange Arm der Sekte bis in die Staatsanwaltschaft reicht. Dort setzt ein Mitglied aus dem Führungszirkel von «Epitarsis» alles daran, Eisners Ermittlungen zu sabotieren und dem Kieberer Befangenheit nachzuweisen.

Trumpfkarte in diesem schmutzigen Spiel ist Eisners Tochter Claudia (Sarah Tkotsch). «Epitarsis»-Mitglieder locken die Studentin in die Zentrale der Sekte. Als der Kommissar zu einer Hausdurchsuchung auftaucht, wird er jäh gestoppt. Dem Polizeipräsidenten sind Fotos von Claudia in den Räumen von «Epitarsis» zugespielt worden. Auf einmal sieht es so aus, als ob sich Eisner auf einem privaten Rachefeldzug befindet.

Der Kommissar muss einen Umweg nehmen, um doch noch ans Ziel zu gelangen. Dieser führt über die Sektenbeauftragte Maria Levin (Michou Friesz) und Annas verzweifeltem Vater (August Zirner). Es stellt sich heraus, dass die beiden Anna in dem Rohbau eingesperrt hatten, um sie zu «deprogrammieren» und aus den Fängen von «Epitarsis» zu befreien. Ihre Bemühungen hatten sie auf Film dokumentiert. Eisner ahnt, dass sich auf einem der Bänder der entscheidende Hinweis zur Klärung des Falls befinden muss.

Nach einem etwas zu melodramatischen Finale müssen Eisner und Bindmayer auf einer Parkbank erst einmal durchatmen. Wie zwei einsame Wölfe sitzen sie dort. Der Grübler und der Melancholiker. Johannes Silberschneider hat als Kollege von der Unfallabteilung eine zwar kleine, aber sehr einprägsame Rolle. Es wäre durchaus eine Überlegung wert, die beiden in Zukunft gemeinsam ermitteln zu lassen. Sie gäben ein gutes Team ab. Im Gegenzug könnte Eisners Tochter ein Auslandssemester nicht schaden. Wie schon im letzten Fall «Operation Hiob» tappt sie wieder naiv in jede Falle, die ihr gestellt wird und bringt ihren Vater in die Bredouille. Die Vater-Tochter-Konstellation hat ihren Reiz verloren. Zeit für einen Neuanfang in Wien. Eisner und Bindmayer als neues Duo – das hätte was.

Tatort: Glaube, Liebe, Tod, Sonntag, 29. August, 20.15 Uhr, Das Erste

hav/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • amesa
  • Kommentar 1
  • 30.08.2010 10:47

Wir hätten den Tatort viel lieber in deutsch erlebt, dann hätten wir nicht so laut stellen müssen.

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