Von news.de-Redakteur Philip Seiler - 16.08.2010, 16.44 Uhr

«Schmutziger Süden»: Schwabing-Porno mit Laiendarstellern

Sind Münchnerinnen sexsüchtige Luder? Diese These stellt Kultregisseur Klaus Lemke in seinem Film Schmutziger Süden auf und will damit ein neues Münchenbild prägen. Ein filmisches Meisterwerk darf der Zuschauer aber nicht erwarten.

Die Protagonisten von Schmutziger Süden: Sheila Malek, Nicole Belke, Indira Madison (von links nach rechts) Bild: zdf

«Ohne ein bisschen Porno wäre das Leben doch ein Irrtum», sagte Klaus Lemke einmal. Auch in seinem neuen Film Schmutziger Süden geht es um das Lieblingsthema des 69-Jährigen: schöne Frauen und Sex. Das ZDF strahlt den Film am 16. August zu später Stunde aus: um 0.10 Uhr. Wie üblich bei Lemkes Produktionen, gab es kein Drehbuch und nur ein minimales Bugdet. Stattdessen improvisierten Laiendarsteller für 50 Euro Tagesgage vor der digitalen Kamera.

Und genau das muss man wissen, bevor man sich das Werk des einstigen Entdeckers von Iris Berben zu Gemüte führt. Denn ein filmisches Meisterwerk mit rotem Faden und tiefgründigen Dialogen bekommt man nicht geboten. Eher eine abstruse Story über drei hübsche Mädchen, einen bösen Drogendealer und einen größenwahnsinnigen Hamburger, der die Münchner Frauenwelt «retten» soll - indem er sie flachlegt.

Zunächst wird der 20-jährige Henning (Henning Gronkowski) von seiner Freundin rausgeschmissen und aus der Hafenstadt vertrieben. Durch einen windigen Kurierauftrag («In dem Päckchen sind fünf Jahre Knast oder Karibik») landet er im Münchner Stadtteil Schwabing. Und plötzlich läuft es für den ewig abgebrannten Kerl wie am Schnürchen - vor allem bei den Frauen. In der hippen Bar «Horses, Cars & Stars» in der Schellingstraße - dem Hauptdrehort des Films - lernt er die Barfrau Indira (Indira Madison) kennen und landet mit ihr im Bett.

Henning bietet seine Dienste an

An Klischees wird nicht gespart. So ist Indira die Sorte Frau, die nach 18 Uhr nichts mehr isst. Und schon bald buhlen auch das typische verwöhnte Münchner Töchterchen Sina (Sina Hentschel) und die impulsive Sheila (Sheila Malek) um Hennings Gunst. Der hat jedoch Blut geleckt und will auch der restlichen Münchner Frauenwelt Gutes tun. Er gründet eine Freundschaftsagentur, stellt seine Dienste nun tageweise kostenlos zur Verfügung - unter dem Motto «Heute bin ich dein Freund» - und will sein Konzept an TV-Sender verkaufen. Die Mädels stehen jedenfalls Schlange, so wie die hübsche Coco, die seit einem Jahr keinen Sex hatte und ihre Schüchternheit erst ablegt, nachdem sie sich vor dem Akt noch mal waschen darf.

Lemke will mit dem Film zeigen, dass die als prüde geltenden Münchner Frauen in Wahrheit sexsüchtige Luder sind und ungeduscht zur Arbeit gehen. Ob er damit aber ein neues Bild der bayerischen Landeshauptstadt prägen wird, ist eher zu bezweifeln. Denn manche Szenen und Dialoge sind so daneben, dass man nicht weiß, ob man sie komisch finden oder lieber abschalten soll. Eine Kostprobe gefällig? Als Sinas reicher Papi einen Geländewagen für Henning vorfährt, sagt dieser genervt: «Der plattgefahrene Brathahn auf Rädern hat Schweinegrippe. Ich brauche ein Auto und keine Krankheit.» So redet kein 20-Jähriger - auch nicht, wenn er wie Henning keinerlei Manieren hat und die Spaghetti in der nächsten Szene übers T-Shirt verteilt.

Eines kann man jedoch nicht bestreiten: Schmutziger Süden ist anders als die gewohnten TV-Komödien - eben vor allem schmutzig und nicht mainstream. Und wer die kompletten 75 Minuten durchhält, wird immerhin mit einem blutigen Finale und einem überraschenden Ende belohnt.

Schmutziger Süden, 17. August, 0.10 Uhr, ZDF.

car/ivb/news.de

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