«Todeszug nach Yuma» Pulverdampf und Psychoclinch

Todeszug nach Yuma (Foto)
Russell Crowe spielt in Todeszug nach Yuma den Banditen Wade. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Ronny Janke
Hochspannung vor Westernkulisse: In Todeszug nach Yuma liefern sich Christian Bale und Russell Crowe ein packendes Duell. Ein klassischer, jedoch mit modernen Mitteln inszenierter Western, der auch jene anspricht, die nichts oder nur wenig mit dem Genre anfangen können.

Die Prärie trägt ihr dunkelstes Kleid, irgendwo wurden ein paar trockene Sträucher und Äste übereinander gelegt, damit ein kleines Feuer gemacht werden kann und das Zirpen der Grillen wird nur vom unregelmäßigen Aufheulen der Wüstenhunde unterbrochen. Szenen wie diese kennt man zuhauf aus alten Western, deren Filmgenre einer dringenden Generalüberholung bedurfte.

Regisseur James Mangold hat genau das 2007 mit seinem Film Todeszug nach Yuma in Angriff genommen und im Stil von Eastwoods Erbarmungslos einen postmodernen Western auf Zelluloid gebannt, der mit den alten romantischen Cowboy-Klischees aufräumt. Mangold hat bereits durch Filme wie Cop Land, Walk the Line oder den aktuellen Kino-Blockbuster Knight and Day bewiesen, dass er beide Metiers perfekt beherrscht: große Charakterstudien und Actionfilme, die einem auch mal erlauben, das Hirn auszuschalten.

Pro7 zeigt am 15. August um 22.40 Uhr Mangolds Glanzstück, in dem der Farmer Dan Evans (Christian Bale) den Gesetzlosen Ben Wade (Russell Crowe) zum nächstgelegenen Bahnhof bringen muss, damit dieser mit dem Zug nach Yuma transportiert werden kann, wo ihm der Prozess gemacht werden soll. Bis dahin ist es freilich ein langer Weg, der die zwei ungleichen Hauptfiguren nicht nur einen deutlichen Wandel durchlaufen lässt, sondern ihnen auch zeigt, was sie voneinander fürs Leben lernen können.

Evans (Bale) ist Kriegsvetereran, hat ein Bein verloren und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen auf einer Farm in der Prärie, die er auch nach Jahren noch abbezahlen muss. Die Schulden und der drohende Verlust seines Grund und Bodens bereiten ihm weniger Kopfzerbrechen, als die Angst davor, als Ehemann und Vater zu versagen.

Wade hingegen (Crowe) führt mit seiner Bande ein Outlaw-Dasein, überfällt Postkutschen, nimmt sich, was er braucht, und lebt nach seinen eigenen Regeln. Als es dem Sheriff gelingt, Wade festzunehmen, bricht eine kleine Truppe von gesetzestreuen Bürgern, denen auch der Farmer Evans angehört, auf, um ihn in die nächstgelegene Stadt zu bringen, von wo aus er mit dem Zug nach Yuma überführt werden soll. Doch Wades Truppe nimmt die Verfolgung auf, um ihren Boss zu befreien, und scheut nicht davor zurück, sich auf jeden noch so ungleichen Kampf einzulassen.

Mangolds moderner Westernfilm lebt von den beiden fulminanten Hauptdarstellern Christian Bale und Russell Crowe, die ihren Figuren über eine Filmlänge von knapp 120 Minuten genug Raum geben, um eine glaubhafte Charakterentwicklung hinter sich bringen zu lassen, die vor allem zeigt, dass die Welt nicht nur aus Schwarz und Weiß besteht. Unter der großartig besetzten Nebendarstellerriege sticht besonders Ben Foster (Hostage - Entführt, 11:14) hervor. Als Charlie Prince gehört er zu Wades wütender Bande und wird von Foster mit einem irren Wahnwitz ausgestattet, der fast an Heath Ledgers Darstellung des Joker in The Dark Knight herankommt.

Am Ende ist nur noch Evans (Bale) übrig, der Wade (Crowe) zum Bahnhof bringt und gegen eine Übermacht von Gesetzlosen antreten muss. So zeigen die letzten 20 Minuten des Films einen an Spannung und Dramatik kaum zu überbietenden Drahtseilakt, der nervenaufreibend und überraschend ist, aber zugleich nicht ehrlicher enden könnte.

Todeszug nach Yuma, 15. August, 22.40 Uhr, Pro7.

car/news.de

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