ARD-Dokumentation
«Let's Make Money»

Ein Doku-Film auf der Spur des Geldes: Erwin Wagenhofer zeichnet den globalen Weg der Knete nach. Let's Make Money (22.45 Uhr, ARD) zeigt, warum die Dritte Welt nicht auf die Beine kommt und der Profit ĂŒber allem steht.

Das Kapital sucht sich seinen Weg. Bild: dpa

Was passiert eigentlich mit dem Geld, das wir zur Bank bringen, das fĂŒr uns «arbeiten» soll und offensichtlich eine Finanzkrise auslösen kann? So genau wissen das viele nicht. Der österreichische Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer (49), der 2005 mit We Feed the World den Irrsinn der Nahrungsmittelproduktion entlarvte, verfolgt in seinem Film Let's Make Money die globalen Wege des Geldes. Die ARD zeigt den Film von 2008, der weitgehend ohne Kommentar auskommt und stattdessen Bilder und Protagonisten sprechen lĂ€sst, an diesem Dienstag (22.45 Uhr) erstmals im Fernsehen.

WĂ€hrend Wagenhofers We Feed The World noch mehr als 400.000 Zuschauer allein in Deutschland in die Kinos lockte, schaffte Let's Make Money «nur» etwa 220.000 - dafĂŒr, dass man Geld nicht essen kann sowie die Tatsache, dass es ein Dokumentarfilm ĂŒber ein sperriges Thema ist, ist dieses Ergebnis jedoch auch ziemlich gut.

Einziges Ziel: Geldvermehrung

Wagenhofer geht dem Geld ĂŒber den Globus nach und trifft seine «Betreuer», zum Beispiel den Investmentbanker Mark Mobius, PrĂ€sident von Templeton Emerging Markets, der in Singapur einen Fonds von geschĂ€tzten 50 Milliarden Dollar verwaltet. Der kahlköpfige Stratege lehnt jede Verantwortung fĂŒr die Folgen seiner Investitionen ab. Es gehe einzig darum, das Geld der Kunden zu vermehren. Mobius spricht nicht mehr von Dritter Welt oder unterentwickelten LĂ€ndern, sondern von «Emerging Markets» (WachstumsmĂ€rkten) und freut sich diebisch ĂŒber diese Beschönigung, die die RealitĂ€t verschleiern hilft.

Wagenhofer reist in die indische Millionenstadt Chennai, dem frĂŒheren Madras, wo ein Drittel der Bevölkerung in Slums lebt und die FlĂŒsse zu stinkenden Kloaken verkommen. An den Ufern dieser AbwasserkanĂ€le stehen riesige Werbeplakate mit den Versprechungen der Banken - ein grotesker Kontrast. Eine Wirtschaftswissenschaftlerin legt den Zusammenhang von Privatisierungspolitik und der Verarmung großer Teile der Bevölkerung in Indien dar. Ein 12-JĂ€hriger erklĂ€rt, dass er Rechtsanwalt werden will, um gegen Korruption zu kĂ€mpfen.

Ausbeutung der Dritten Welt

Das Elend fĂ€llt nicht vom Himmel. Auch nicht in Burkina Faso, einem der Ă€rmsten LĂ€nder der Welt. Durch die Monokultur sind die Böden weitgehend zerstört. Die eigentlich wertvolle, handgepflĂŒckte Baumwolle bringt dem Land auf dem Weltmarkt kaum noch Einnahmen, weil gleichzeitig die USA ihre eigenen Baumwollproduzenten mit 3 Milliarden Dollar jĂ€hrlich subventionieren. «Sie selbst machen Protektionismus und verlangen von uns Liberalismus», bilanziert der Agronom Yves Delsile bitter.

Wagenhofer zeigt, wie die Dritte Welt ausgebeutet wird. Er richtet seinen Blick aber auch auf Europa. Durch die neoliberale Politik der Privatisierung verschwinden immer mehr Werte, die frĂŒher der Allgemeinheit gehörten. Der Verkauf der Wiener Straßenbahn an amerikanische Investoren als sogenanntes Cross-Border-Leasing ist nur ein kurioses Beispiel fĂŒr eine Finanzspekulation, von der die Wiener lediglich die Risiken und Kosten tragen. Die Durchschnittseinkommen in Europa stagnieren, wĂ€hrend in einer Steueroase wie Jersey geschĂ€tzte 500 Milliarden Dollar Privatvermögen lagern.

Am Ende kommt der deutsche SPD-Politiker Hermann Scheer zu Wort - ein leidenschaftlicher Linker. Er zieht eine pessimistische Bilanz: Wenn wir das Primat des Geldes nicht brechen, beginnt bald ein neues Zeitalter der Barbarei. In diesem Film kann man die Menetekel - also die Anzeichen des drohenden Unheils - bereits besichtigen. 105 Minuten lang.

oro/mac/ivb/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

0 Kommentare
Kommentar schreiben

noch 600 Zeichen übrig

Empfehlungen fĂŒr den news.de-Leser