ARD-Sommerkino Trio mit Leiche

Bis zum Ellenbogen (Foto)
Achim (Jan Josef Liefers) und Willi (Stefan Kurt) haben Svens Leiche präpariert und betrachten kritisch das Ergebnis. Bild: ARD Degeto

Katharina SchlagerVon news.de-Redakteurin
So schwarzhumorig sind deutsche Filme selten. Jan Josef Liefers und Stefan Kurt reisen in Bis zum Ellenbogen mit dem toten Justus von Dohnanyi im Dachgepäckträger durch Deutschland. Die Folge: brüllkomische und makabre Situationen.

Als Achim und Willi in der Bergidylle der Schweiz buchstäblich in einander knallen, ahnt noch keiner der beiden Männer, dass dies der Beginn einer schicksalhaften Begegnung ist. Sven macht gerade Urlaub in der nahe liegenden Almhütte und bietet sofort seine Hilfe an. Schließlich ist Achim bei dem Zusammenprall mit seinem Fahrrad ziemlich heftig gestürzt.

Obwohl die drei Männer unterschiedlicher kaum sein könnten – Sven ist ein schüchterner Bänker aus Sylt, Willi Hartz-IV-Empfänger aus Überzeugung und Erfinder und Achim ein arroganter Geschäftsmann aus Hamburg – entwickelt sich schnell eine ausgelassene Freundschaft zwischen ihnen. Doch diese soll ein makabres Ende nehmen.

Justus von Dohnanyi, der vor allem für seine vielen kleinen, feinen und meist schrägen Nebenrollen in Filmen wie Männerherzen oder Hardcover bekannt ist, hat das Drehbuch zu Bis zum Ellenbogen, der nun im ARD-Sommerkino ausgestrahlt wird, geschrieben, ein paar Freunde zusammengetrommelt und auch gleich noch auf dem Regiestuhl Platz genommen. Mitten während des Fußball-Sommermärchens 2006 drehte er mit seinen Kumpels Jan Josef Liefers und Stefan Kurt vorbei an jeder üblichen Medienfinanzierung seine kleine schwarzhumorige Komödie und hat damit ein kleines Juwel des deutschen Kinos geschaffen.

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Mit viel Herzblut, Witz und wenig Schnörkeln erzählt von Dohnanyi wie Sven, der von dem Regisseur auch selbst gespielt wird, durch einen Freak-Unfall ums Leben kommt. Achim (Liefers) und Willi (Kurt) beschließen daraufhin die Leiche aus der Schweiz nach Sylt zu bringen, um Sven dort an der Bucht namens Ellenbogen eine Seebestattung zu geben. Doch zuvor nutzen sie den Körper ihres Bankangestellten, um dessen Arbeitsplatz um Schwarzgeld zu erleichtern.

Wie einst schon Andrew McCarthy und Jonathan Silverman in Immer Ärger mit Bernie die Leiche ihres Bosses für ein Wochenende durch die Gegend schleppten und von einer prekären Situation in die nächste schlitterten, ist der Plan von Achim und Willi natürlich von so manchen Hürden gespickt. Denn irgendwie will Svens Leiche nicht so richtig friedlich im verschließbaren Dachgepäckträger bleiben. Da klingelt das Handy in Svens Hosentasche ausgerechnet am Schweizer Grenzübergang, bei einer Vollbremsung fliegt der Tote ein paar Meter durch den Wald und auf dem Rücksitz entweichen dem inzwischen in schwarz-rot-gold geschminktem und als Fußball-Fan getarntem Leichnam Verwesungsgase in Form von lauten Rülpsern und Fürzen.

So makaber die Situation ist, so viel Spaß macht es, dabei zuzusehen, wie sich Achim und Willi mit Hilfe von Kleber, WC-Reiniger und Make-up aus einer kleinen Katastrophe nach der anderen retten und zu den dicksten Freunden wider Willen werden.

Bis zum Ellenbogen, 15. Juli, Das Erste, 23 Uhr.

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