Von news.de-Redakteurin Nadine Fasshauer - 13.07.2010, 10.13 Uhr

Vera Int-Veen: «Ich war schon immer dick»

Ran an den Speck: Acht Kandidaten kämpfen ab Dienstag auf RTL gegen ihre Pfunde. Insgesamt neun Monate wurden sie in ihrem Alltag begleitet Рdie Waage immer im Blick. News.de sprach mit Moderatorin Vera Int-Veen.

Moderatorin Vera Int-Veen moderiert die neue Diätsendung Das große Abnehmen. Bild: rtl

Frau Int-Veen, was reizt Sie an ihrer neuen Show ?

Int-Veen: Ich glaube, die Themen Abnehmen, Di√§ten und K√∂rpergewicht erwischen mich nicht v√∂llig auf dem falschen Fu√ü. Damit habe ich selbst mein ganzes Leben zu k√§mpfen gehabt. Ern√§hrung und Di√§ten waren in meinem Leben ein st√§ndiger Begleiter. Ich wollte wissen: Warum werden Menschen so dick? Wir haben Kandidaten dabei, die wiegen 250 Kilo, das hat man sich nicht innerhalb von einer Woche oder einem Jahr raufgefuttert, sondern das ist ein Prozess, der √ľber Jahre geht. Ich wollte keinen Wettbewerb machen, wer am meisten abnimmt, sondern die Aufgabenstellung war, wir wollten abtauchen in das Leben und sie im Allgemeinen begleiten. Wir wollten sie nicht in eine k√ľnstliche Situation hieven und sie sechs Monate zum Abspecken wegsperren, sondern sie im Alltag beobachten. Und das war der Punkt, wo ich gesagt habe: Ich mache das.

Ist das auch der gro√üe Unterschied zu den anderen Formaten, denn das Ganze ist ja nicht v√∂llig neu. Erst k√ľrzlich nahm sich Boxerin Regina Halmich in The biggest Loser dem Kilokampf an.

Int-Veen: Ich kenne The biggest Loser aus Australien, da l√§uft die Sendung schon mehrere Jahre. Ich habe immer gesagt, einen solchen Wettbewerb mit mir als Moderatorin zu machen, ist zu gek√ľnstelt. Aus meiner eigenen Erfahrung wei√ü ich, warum Menschen eine Di√§t nicht schaffen: Es ist diese Blockade im Kopf. Ich mache mal eben eine Crashdi√§t und habe damit Erfolg und leide anschlie√üend wieder unter dem Jo-Jo-Effekt. Das wollte ich nicht. Wir wollen zeigen, womit die Kandidaten zu k√§mpfen haben. Das kann zu Hause jeder nachvollziehen, der sich schon einmal mit einer Di√§t auseinandergesetzt hat.

Sie persönlich haben ein Buch geschrieben mit dem Titel Essen Sie doch, was Sie wollen. Passt das mit dem Sendeformat zusammen?

Int-Veen: Ich habe in dem Buch nicht gesagt: «Werdet alle dick und fett, das ist sch√∂n», sondern «Mit ein paar Kilo mehr l√§sst es sich gut leben.» Das gilt aber nicht, wenn es gesundheitlich gef√§hrlich wird, wenn man sich zum Beispiel nicht mehr richtig bewegen kann und dadurch in eine Isolation kommt. Welcher Arbeitgeber gibt einem 250-Kilo-Mann eine Chance? Das geht gar nicht in der heutigen Zeit. Es kommt auf eine gewisse Balance an. Man kann gerne mal 15 bis 20 Kilo mehr haben, solange man fit ist und sich bewegt. Und wenn man wei√ü, dass die Cola mal durch Wasser und das Fast Food durch etwas selbst gekochtes ersetzt werden muss. Dann ist ein gewisses √úbergewicht in Ordnung, weil man am aktiven sozialen Leben teilnehmen kann.

Haben Sie persönlich während der Dreharbeiten zur Sendung mit abgespeckt oder sind Sie in der Rolle der Moderatorin geblieben?

Int-Veen: Nee. (lacht) Ich pers√∂nlich verweigere mich ja seit Jahren, eine Di√§t zu machen. Wer mich ein bisschen im Fernsehen beobachtet, der sieht auch: Im Sommer bin ich ein paar Kilo leichter als im Winter. Aber das passiert von alleine. Ich lebe genauso, wie ich es meinen Kandidaten sage: Ich bewege mich im Sommer viel und ich mache Sport. Wenn ich mich im Winter wenig bewege, dann setzt es sofort an. Ich f√ľhle mich mit meinem Gewicht auch wohl. Ich kann mich bewegen, bin leistungsf√§hig und mag meinen K√∂rper. Nat√ľrlich ist da zu viel drauf, aber ich kann damit sehr gut umgehen. Der geh√∂rt zu mir und es passt. Das ist keine billige Ausrede, aber ich war ja schon immer dick, ich war ja noch nie d√ľnner. F√ľr mich ist das mein Wohlf√ľhlgewicht.

Haben Sie nach der Sendung ihre Einstellung zum Thema Übergewicht und Abnehmen verändert?

Int-Veen: Nee, eigentlich auch nicht. Wir haben die Kandidaten neun Monate begleitet, da taucht man ja etwas tiefer in deren Leben ein. Ich bin mit denen unter anderem Mal in den Urlaub gefahren. Viele Kandidaten sind schon daran gescheitert, dass sie noch nie in den Urlaub geflogen sind, weil sie nicht in den Flugzeugsitz passen. Die zweite gro√üe H√ľrde ist, sich √ľberhaupt in der √Ėffentlichkeit zu zeigen und dann nat√ľrlich der Strand, weil sie gar keine Badeklamotten besitzen. Europaweit sind wir Deutschen im √úbergewicht momentan f√ľhrend – das kommt ja irgendwo her. Warum sind denn alle so √ľbergewichtig? Liegt es wirklich an mangelnder Bewegung und schlechter Ern√§hrung? Es ist ein gesellschaftliches Problem, was sich da auftut. Es muss eine ganz gro√üe Aufkl√§rung geben im Bereich Ern√§hrung. Ich lache mich immer tot, wenn Schweinemastbetriebe subventioniert werden, aber eine Hartz-IV-Mutter ihren Kindern keine Biokartoffeln kaufen kann, weil die viel teurer sind als das hochgez√ľchtete, ungesunde Zeug. Das hat bei mir viel bewegt.

Da kommt wieder ein wenig ihr Helfersyndrom durch ...

Int-Veen: Nein, das hat nichts mit helfen zu tun. Ich bin jemand, der schon gerne tiefer bohrt. Mich interessieren Menschen. Und wenn mir einer erz√§hlt, er isst jeden Abend drei Tiefk√ľhlpizzen und zieht sich danach noch zwei D√∂ner rein, dann frage ich mich: Woher kommt das? Wie kann so etwas passieren? Weil er einsam ist und deshalb ist er traurig. Wenn er viel gegessen hat, wird er m√ľde und kann schlafen. Und am n√§chsten Morgen wird er wach, sieht die drei Pizzaschachteln und das D√∂nerpapier und ist dann so gefrustet, dass er weiterfrisst. Und dann sagt er noch: Mir schmeckt frisch Gekochtes gar nicht mehr, weil wir so abh√§ngig sind von k√ľnstlichen Zusatzstoffen. Und das ist ein Teufelskreis, wo ich etwas genauer gucke und viel √ľber meine Kandidaten mitbekomme.

Was war das schönste Erlebnis während des Drehs der Staffel?

Int-Veen: Es gab viele sch√∂ne Erlebnisse. Das Sch√∂nste war, dass wir alle zusammen auf Mallorca waren und alle zusammen am Strand lagen. Alle haben sich getraut sich auszuziehen. Dann nat√ľrlich, dass Bewegungsmuffel zu Frischluftfanatikern geworden sind. Und – ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen – einer unserer Kandidaten hat sich verknallt und die Frau f√ľrs Leben gefunden. Das sind Kleinigkeiten, die mich sehr gl√ľcklich machen.

Was erwartet uns in Zukunft von Vera? Bleiben Sie in der Helferrolle und planen Sie auch ein ganz anderes Format?

Int-Veen: Helfer mit Herz mache ich noch, eine Staffel l√§uft gerade, die andere kommt Weihnachten. Dann habe ich noch das Format Schwiegertochter gesucht, das kommt im September, und dann mache ich gerade noch zwei neue Projekte f√ľr RTL. Das eine ist etwas journalistischer und das andere geht in Richtung Real-Doku. Ich bin ganz froh, dass ich gerade f√ľnf Projekte laufen habe, die mich alle verschieden zeigen. Aber sie haben alle etwas mit Menschen zu tun und auch ein wenig mit helfen.

Das große Abnehmen ab dem 13. Juli 2010 immer dienstags um 20.15 Uhr auf Super RTL und sonntags um 16:45 Uhr auf RTL.

bla/reu/news.de

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